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Vor Ort

Vom Neben- zum Vollerwerb

Spargelstechen 1
Helga Gebendorfer
am Montag, 07.06.2021 - 10:02

Spargel- und Hopfenbauer Ludwig Ettenhuber setzt auf Sonderkulturen. Die diesjährige Saison ist bisher sehr verhalten.

Vom Neben- zum Vollerwerb: Das ist das Ziel von Ludwig Ettenhuber aus Geisenfeldwinden im Landkreis Pfaffenhofen. Der gelernte Landwirt sowie Maler und Lackierer bewirtschaftet mit seiner Frau Anna-Sophie und seinen Eltern Siegfried und Anneliese einen 40 ha -Betrieb, bei dem neben dem Ackerbau die Sonderkulturen Hopfen, Spargel und Kürbis im Mittelpunkt stehen.

Angebaut werden knappe 13 ha Hopfen, fast 2 ha Spargel und knapp 6 ha Kürbisse. Letztes Jahr wurde die Ettenhuber GbR gegründet. Während der Kürbisanbau noch in der Verantwortung der Senioren liegt, ist der Junior bereits für den Hopfen und Spargel zuständig.

Mut bewiesen und die Chance genutzt

Hofladen

Im Frühjahr fallen mit dem Hopfenanleiten und der Spargelernte zwei Arbeitsspitzen zusammen. Familie Ettenhuber startete erst 2017 mit dem Anbau der weißen Stangen. „Wir sind die einzigen im Stadtgebiet und darum herum“, verkündet der 30-Jährige, der darauf hinweist, dass das nächste Anbaugebiet rund 20 km entfernt ist. Seine Beweggründe für den Anbau dieser Sonderkultur: Die Sandböden eignen sich gut dafür und die Saisonarbeitskräfte sind schon von jeher zum Hopfenanleiten auf dem Betrieb. „Sie sind sehr fleißig und helfen uns schon seit Jahren. Ich bin sehr zufrieden“, stellt er fest.

Je nach anfallender Arbeit beschäftigt er zwei bis acht Helfer aus Rumänien. Schließlich war durch den Hopfenanbau mit dem Schmalspurschlepper, der Pflanzenschutzspritze, Düngerstreuer und Bodenbearbeitungsgeräte zum Großteil die notwendige Technik bereits vorhanden. „Deshalb habe ich einfach die Chance ergriffen und es mit dem Spargel probiert“, erzählt der Landwirt, der sich im Internet über die Grundlagen des Anbaus eingelesen und alles andere aus Erfahrung in der Praxis gelernt hat.

Mit 0,84 ha machte Ludwig Ettenhuber den Anfang. Doch aufgrund der Nachfrage reichte die Erntemenge nicht aus, sodass die Fläche gleich erweitert und auch zehn Prozent Grünspargel eingelegt wurde. Ettenhuber sagt, dass seine Kunden begeistert von dem Geschmack sind. Er geht davon aus, dass dafür die Ursache ist, dass die Unkrautbekämpfung händisch durchgeführt und kein Bodenherbizid gespritzt wird. „Der zusätzliche Aufwand ist es mir wert.“ Die diesjährige Saison ist bisher sehr verhalten. Die ersten Stangen wurden am Ostersonntag aus acht Bifängen gestochen, die durch zwei Folien abgedeckt sind.

Familie

Aufgrund der kalten Witterung konnte die Nachfrage in den ersten drei Wochen nicht bedient werden. „Häufig waren wir bereits mittags ausverkauft“, berichtet seine Frau Anna-Sophie, gelernte Hauswirtschafterin und Konditoreifachverkäuferin. Inzwischen hat sich die Lage gebessert und die Situation ist entspannter. Ihr Mann kann dem kalten Wetter dennoch einen positiven Aspekt abgewinnen: „Da bleibt der Preis wenigstens stabil.“

Die zwei Spargelfelder sind rund 1 km von der Hofstelle entfernt am Ortsrand gelegen. Die Helfer stechen einmal täglich, wobei der Folieneinsatz gute Dienste leistet. Der Damm erwärmt sich schneller, die Spitzen verfärben sich nicht, es kommt kein Unkraut auf und die Ernte wird mithilfe der Schwarz-/Weiß-Folie nach Bedarf reguliert. Im Durchschnitt werden auf dem Betrieb 100 bis 200 kg Spargel am Tag geerntet.

Die Stangen werden mit dem Auto nach Hause transportiert und verarbeitet. Das bedeutet: Vorwäsche zur Entfernung vom groben Schmutz, Waschen und Sortieren mit der automatischen Sortiermaschine sowie Schockkühlung im Eisbecken innerhalb von zwei Stunden auf + 2°C, um Verfärbungen der Köpfe zu verhindern. In der Kühlung wartet der verkaufsfähige Spargel dann auf die Vermarktung.

Die wichtigste Phase für die Kultur

Die Zeit nach dem Saisonende ist die wichtigste Phase für die Kultur. So wird nach dem Ende der Ernte die Folie entfernt, das Unkraut zwischen den Reihen mechanisch entfernt und gedüngt. Die Pflanzen wachsen aus und bleiben in der Regel bis November stehen, bevor ihr Kraut abgeschlegelt wird. Zum Schluss werden vor der Winterruhe die Bifänge gemacht und die Folien aufgezogen. Auch Schädlinge gilt es zu bekämpfen. Während auf dem Ettenhuber-Betrieb aufgrund der Einzellage das Spargelhähnchen weniger Probleme bereitet, müssen jedes Jahr Maßnahmen gegen die Spargelfliege unternommen werden.

Familie Ettenhuber vermarktet das Edelgemüse zu 70 % direkt an Privatkunden über ihren 2019 eröffneten und rund 20 m² großen Hofladen. In der Spargelsaison bedient Anna-Sophie die Kundschaft, sonst ist Selbstbedienung mit Vertrauenskasse angesagt. Das Sortiment ergänzen aus dem eigenen Betrieb Kartoffeln, Eier und Marmeladen sowie Gemüse der Saison wie Zwiebeln, Tomaten, Gurken, Zucchini, Salat und Kürbisse. Zudem werden Nudeln, Honig und Alpaka-Produkte zugekauft.
Die zweite Spargel-Verkaufsschiene läuft über eine Verkaufshütte im 12 km entfernten Vohburg, die von einem Verkäufer betreut wird. Neu ist in dieser Saison der Verkauf an Kantinen rund um das 20 km entfernte Neustadt/Donau. Passend dazu haben die Direktvermarkter heuer in eine Schälmaschine investiert.

Die absolut richtige Entscheidung getroffen

Bereut hat die Familie ihre Entscheidung noch nicht. „Der Spargelanbau war eine gute Entscheidung, weil er Spaß macht und sich wirtschaftlich auszahlt.“ Sie weisen darauf hin, dass mit ihrer relativ kleinen Fläche der Weg hin zu Sonderkulturen der richtige ist. Denn unter dem Strich kann auf diese Weise mehr Erlös erzielt werden. „Wir würden uns wieder für den Spargel entscheiden.“ Für die Zukunft hat sich Ludwig Ettenhuber vorgenommen, die Spargelfläche auszudehnen. Seine Strategie: „Ich möchte jedes Jahr 0,5 bis 1 ha dazunehmen und dazwischen immer wieder die Entwicklung abwarten.“
Alles in allem ist sein Ziel, vom Nebenerwerb in den Vollerwerb zu gehen. „Ich bin zuversichtlich, dass das klappt“, meint der 30-jährige. Genauso wie beim Spargel denkt der Betriebsleiter daran, im Herbst beim Hopfen zu erweitern – wenn der Preis passt und ein Vertragsangebot vorliegt. Wenn der junge Mann den Betrieb komplett von den Eltern übernommen hat, plant er, den Kürbisanbau weiterlaufen zu lassen. Auch einer weiteren Sonderkultur ist er nicht abgeneigt. „Lassen wir uns überraschen, was noch kommt.“