Forstwirtschaft

Nasslagerplatz wird gesucht

Nasslagerplatz
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Redaktion Wochenblatt
am Freitag, 11.06.2021 - 07:09

Der Forstbetrieb Ruhpolding stellt entsprechende Pläne bei der Gesamtvorstandssitzung vor. Es gilt mehrere Kriterien zu beachten.

In der letzten Gesamtvorstandssitzung des Ökomodell Achental stellte Sebastian Kurzmeier, der stellvertretende Betriebsleiter des Forstbetrieb Ruhpolding, Pläne zur Errichtung eines Nasslagerplatzes vor. Dabei referierte er über die Hintergründe, Zusammenhänge sowie den regionalen Nutzen eines Nasslagers.

Um den Wald für zukünftige Generationen zu schützen und zu erhalten, müssen durch Stürme und vom Borkenkäfern beschädigte Fichten so schnell wie möglich aus dem Wald transportiert werden, damit gesunde Bäume nicht befallen werden. „Aktuell ist zwar nach drei Jahren einer schweren Holzmarktkrise eine Konsolidierung des Holzmarktes und ein erheblicher Anstieg der Nadelholznachfrage zu verzeichnen, jedoch ist ein Nasslager ein wichtiger Baustein in der präventiven Krisenbewältigung, um zukünftige Sturmkatastrophen oder Borkenkäfermassenvermehrungen zu überstehen“, sagte er.

Holzfeuchte entzieht Schädlingen den Brutraum

In der Holzwirtschaft ist ein Nasslager ein Lagerplatz für eingeschlagenes Nutzholz, bei dem die Baumstämme zu Konservierungszwecken künstlich beregnet werden. Das Holz wird solange auf einem Nasslagerplatz gelagert, bis es zur weiteren Verarbeitung einem Sägewerk zugeführt wird.
Im Detail wird durch künstliche Beregnung der Stämme die Holzfeuchte dauerhaft so hochgehalten, dass kein Sauerstoff mehr in den Holzporen vorhanden ist. Holzschädigenden Pilzen und Insekten, wie zum Beispiel dem Borkenkäfer, wird damit der Brutraum entzogen. Bäume können auf diese Weise über mehrere Jahre konserviert werden. Die Lagerung von Nadelholz ist ohne Qualitätsverlust bis zu drei Jahren möglich. Das Holz ist dabei dauerhaft vor Pilzbefall und Trockenrissen geschützt. „Auf einen Insektizideinsatz zur Bekämpfung des Borkenkäfers kann vollständig verzichtet werden“, sagte Kurzmeier.
Ziel eines Nasslagers ist die langfristige und nachhaltige Sicherung des Holzbestandes. Das Nasslager könne auch eine Maßnahme zur Borkenkäferbekämpfung sein, bis der Holzmarkt wieder aufnahmefähig ist. Dabei diene das Nasslager als Puffer bei Lieferengpässen und –spitzen für Sägewerke. Für den Fall von durch Sturm geschädigten und vom Borkenkäfer befallenen Fichten sollten deshalb neue Nasslagerplätze an den Forstbetrieben ausgewiesen werden. Dabei seien die Vorteile eines Nasslagers zum einen die Möglichkeit der Mitbenutzung für private und kommunale Waldbesitzer. Des Weiteren könne durch Vermeidung von Borkenkäfer-Kalamitäten das Landschaftsbild erhalten und die Schutzfunktion des Bergwaldes und Qualität des Holzes gesichert werden.
„Die Auswirkungen des fortschreitenden Klimawandels auf unsere Wälder stellen Waldbesitzer und Holzverkäufer in ganz Mitteleuropa vor große Herausforderungen“, sagte Kurzmeier. Durch Dürre, Hitze, Sturmschäden und den daraus resultierenden starken Borkenkäferbefall müssen große Schadholzmengen außerplanmäßig geerntet und verkauft werden.

Schadholz belastet den Holzmarkt

Durch das Überangebot an Fichtenholz sei die Holzmarktsituation auch in Bayern immer wieder sehr angespannt, sobald deutlich weniger Holz an die Sägewerke absetzbar sei, als der Zwangsanfall es erfordern würde. Das habe gravierende Folgen für die Gesundheit des Waldes: Wenn das Holz nicht rechtzeitig vor dem Ausfliegen des Borkenkäfers aus dem Wald gebracht und bis zur Abfuhr ins Werk zwischengelagert werden kann, vermehrt sich der Borkenkäfer innerhalb kürzester Zeit exponentiell und verursacht schwere Schäden. Stehen keine ausreichenden Lagerkapazitäten außerhalb des Waldes zur Verfügung, muss als ultima ratio der Käfer mittels Polterspritzung an der Forststraße begiftet werden, um flächigen Waldverlust zu vermeiden.
Als sehr wirksame Methode zur giftfreien Borkenkäferbekämpfung und zur werterhaltenden Konservierung von Rundholz habe sich die Lagerung auf Lagerplätzen mit Beregnung erwiesen. Ein flächendeckendes Netz solcher Nasslagerplätze soll bei zukünftigen Katastrophen helfen, Holz, das nicht sofort verkauft werden kann, solange zu konservieren, bis der Markt wieder aufnahmefähig ist.

Daher bemühen sich die Bayerischen Staatsforsten intensiv, die Nasslagerkapazitäten kontinuierlich auszubauen. Ziel ist es, an jedem Forstbetrieb Lager für den Bedarfsfall vorzuhalten.

Der Forstbetrieb Ruhpolding trete mit hohem Kosten- und Personaleinsatz für Borkenkäfersuche und waldschutzwirksame Aufarbeitung seit Jahren dem Käfer effektiv und ohne Einsatz von Insektiziden entgegen. Es sei bis dato gelungen, den Borkenkäferbefall auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau zu halten. Kurzmeier betonte: „Zum Erhalt der Schutzfunktionen unserer Bergwälder sind ein erfolgreicher Waldschutz und eine konsequente Borkenkäferprophylaxe von größter Bedeutung.“ Dauerhaft werden die bisherigen Erfolge bei der Eindämmung der Borkenkäfergefahr in Zeiten von Witterungsextremen und äußerst volatilen Holzmärkten nur gesichert werden können, wenn schnell reagiert und das Holz in ein Nasslager transportiert werden kann.

Entscheidende Kriterien für potenzielle Lagerflächen seien eine verfügbare Mindestfläche, eine gute Verkehrsanbindung, ein Grundwasseranschluss, kein Biotopschutz und die Lage außerhalb von Hochwasserbereichen. Damit scheiden nahezu alle Grundstücke aus dem eigenen Besitz des FB Ruhpolding aus. Trotz intensiver Bemühungen sei es bisher nicht gelungen, geeignete Flächen von Dritten zu erwerben. Wer sich vorstellen kann, bei der Standortsuche zur Einrichtung eines Nasslagerplatzes auf privaten oder kommunalen Flächen zu helfen, kann sich gerne an Sebastian Kurzmeier vom Forstbetrieb Ruhpolding wenden.