Gesellschaftliche Forderungen

Müssen Bauern täglich ihre Arbeit erklären?

Landsberg
Agrarbildungszentrum Landsberg
am Donnerstag, 07.11.2019 - 07:06

Wie kann der zunehmenden Diskrepanz zwischen gesellschaftlichen Ansprüchen und bäuerlichem Alltag begegnet werden?

Landsberg - „Wie kann es weitergehen?“, dieser Frage gingen die Diskutanten MdB Michael Kießling (CSU) die beiden bayerischen Landtagsgrünen Ludwig Hartmann und Hans Urban, Hubert Heigl vom Landesverband für ökologischen Landbau und Anton Kreitmair, Bezirkspräsident BBV Oberbayern am Podium beim Tag der offenen Tür am Agrarbildungszentrum (ABZ) Landsberg nach. Ihr Thema war die aktuelle Stimmungslage der Landwirte, die zunehmende Diskrepanz zu gesellschaftlichen Ansprüchen und Lösungsmöglichkeiten diskutiert wurden.

Die Moderation übenahm Simon Michel-Berger, stellvertretender Chefredakteur vom Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt. „Landwirte fühlen sich beim Thema Artenschutz an den Pranger gestellt“, sagte er. Weiter herrsche Unsicherheit bei politischen Entwicklungen zum Pflanzenschutz und Düngeverordnung. „Landwirte treibt die Sorge um, was neue Handelsabkommen wie Mercosur bewirken, wie es mit dem Betrieb weitergeht und was die Gesellschaft noch alles verlangt.“ Die Landsberger Technikerschüler haben den zentralen Wunsch, dass ein bäuerlicher Familienbetrieb in Bayern politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen vorfindet, die ein Überleben für mehrere Generationen sichert, wusste Michel-Berger.

Welcher Weg führt zum gewünschten Ziel?

Debattiert wurde unter den Diskussionsteilnehmern der richtigen Weg: Michael Kießling fordert in Richtung gemeinsame Agrarpolitik in Europa, dass die Direktzahlungen der ersten Säule besser ausgestaltet werden, um den bäuerlichen Familienbetrieben ein überlebensfähiges Einkommen zu ermöglichen. Dafür sei eine degressive Stützung, also eine bessere Förderung der ersten Hektare, nötig, so Kiessling.

Ludwig Hartmann nahm Landwirte, Naturschützer und Verbraucher zugleich in die Pflicht. Die Landwirte in Bayern aus Steuergeldern zu unterstützen, sei richtig. Wenn jedoch alle Beteiligten mit der Gesamtsituation nicht zufrieden seien, könne es so nicht weitergehen. Verbraucher, Landwirte und Naturschützer müssten alle „grundlegend etwas ändern“.

Kreitmair entgegnete, man rede derzeit alles schlecht, man werde von Gesellschaft und Politik hängengelassen. „Tatsache ist, egal ob ökologischer oder konventioneller Landbau, wir produzieren Nahrungsmittel mit höchster Qualität.“ Zum Umbau der Landwirtschaft in Richtung mehr Ökologie sagte er: „Ich brauche keinen Umbau, ich brauche eine Wertschätzung der Landwirtschaft.“ Es sei für Kreitmair unverantwortlich, beste Böden zu verbauen und „ökologisch nicht vertretbar“, bäuerliche Betriebe aufzugeben und dafür „Nahrungsmittel aus aller Welt zu importieren“. 

Hans Urban nannte als Lösung für mehr Verständnis für die Landwirtschaft eine bessere Kommunikation. „Jeder Betrieb soll die tägliche Arbeit erklären. Das Internet hat uns überrollt und wir haben nicht wirklich mitgemacht“, sagte der Grünen-Abgeordnete, der zugleich Landwirt ist. „Der Qualitätsbegriff hat Nachholbedarf“ ist Heigl überzeugt. „Wenn wir auf Weltmarktniveau produzieren müssen, dann scheitern wir in Bayern. Wir müssen unterscheidbar sein, dafür brauchen wir eine klare Kennzeichnung und eindeutige Tierwohllabel.“

Beim Kreisbauerntag, der ebenfalls am ABZ stattfand, sprach der oberbayerische Bezirkstagspräsident Josef Mederer von der Notwendigkeit eines Interessensausgleichs zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft. „Der Bezirk Oberbayern bewirtschaftet in München-Haar eine große Landwirtschaft. Zudem unterhalten wir die Imkereifachberatung.“, sagte Mederer. Hier geht es darum, die Notwendigkeit einer ökonomisch sinnvollen und nachhaltigen Bewirtschaftung der Landwirtschaft mit den Ansprüchen der Imkereifachberatung nach Biodiversität und pestizidreduzierter Landwirtschaft in Einklang zu bringen. 

Im Anschluss an den Kreisbauerntag konnten die Gäste die umfangreichen Angebote und breite Landmaschinenausstellung bestaunen. Bei herrlichem Herbstwetter besuchten ca. 7000 Gäste das Agrarbildungszentrum.