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Landfrauen

Das Miteinander muss noch besser werden

Landfrauen mit Schildern
Heino Herpen
am Donnerstag, 27.02.2020 - 09:02

Landfrauentag Garmisch-Partenkirchen: Kreisbäuerin Singer wünscht sich mehr Kontakt zwischen Stadtbevölkerung und Landwirtschaft.

Landfrauen interviewen Meierhofer

Seehausen/Lks. Garmisch-Partenkirchen - Christine Singer wünscht sich künftig ein noch besseres Miteinander zwischen den Menschen in der Stadt und der Landwirtschaft, sowie ein intaktes Ökosystem. Dies hat die stellvertretende Landesbäuerin, die auch Kreisbäuerin ist, beim Landfrauentag im großen Saal des Seehauser Gasthofs „Zum Stern“ hervorgehoben, wobei sie für mehr Gesprächsbereitschaft auf beiden Seiten appellierte. Organisiert hatten das Treffen Ortsbäuerin Martina Weingand und ihre Stellvertreterin Martina Guglhör. Bei bester Stimmung waren dort rund 200 Bäuerinnen aus dem ganzen Landkreis Garmisch-Partenkirchen zusammengekommen, um ungezwungenen Austausch über landwirtschaftliche wie familiäre Themen zu pflegen.

Für Singers Rückblick auf das abgelaufene Jahr spendeten die in der bayerischen Tracht ihrer Heimat erschienenen Frauen wiederholt Beifall. Besonders hätte das Volksbegehren 2019 die Gemüter bewegt, sagte die Hofheimerin, die in diesem Zusammenhang unter anderem von der von der Bevölkerung gern angenommenen „Blühkisterl-Aktion“ zusammen mit Gärtnereien und der Vorstellung Insektenfreundlicher Pflanzen zu berichten wusste. Ein „Tag der offenen Tür“ mit Partnern der Wertschöpfungskette im Garmisch-Partenkirchner Schlachthof war nach ihren Worten auf breite Zustimmung bei den Verbrauchern gestoßen: „Das war wirklich eine vertrauensbildende Maßnahme“, freute sie sich, „und ganz schön mutig von uns“. Wiederholt betonte Singer die Bedeutung des regionalen Einkaufs, um die ortsansässigen landwirtschaftlichen Betriebe zu unterstützen, die ohnehin mit einer Flut an Verordnungen und Bestimmungen zu kämpfen hätten. Denn: „Schließlich machen wir die Region aus, mit unserem Dialekt, unserer Tracht und unserer Musik. Wir dürfen nicht im großen Einheitsbrei verschwinden“.

Landfrauen machen auf wichtige Themen aufmerksam

Mit einer Plakataktion auf der Bühne machten ein halbes Dutzend Bäuerinnen auf der Bühne auf Themen wie „Augen auf beim Einkauf“ und „Dein Einkauf von heute entscheidet über dein Essen von morgen“ aufmerksam, wobei Singer dafür eintrat, die persönliche Anspruchshaltung, Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit zu überdenken. In einem originellen Frage- und Antwort-Spiel hatten sich Bürgermeister Markus Hörmann, Landrat Anton Speer, Dekan Robert Walter und Bauernverbands-Kreisobmann Klaus Solleder zu bewähren, wobei die Zuhörer etwa erfuhren, dass Hörmann Kaiserschmarrn liebt, Walter hingegen Kässpatzen – als echter Schwabe eben. Speer isst gerne Suppen, und was sonst auf den Tisch kommt, und Solleder bemerkte, dass auch das Bier ein bayerisches Nahrungsmittel sei. Auch zeigte sich, dass Dekan Walter wenig glücklich über die gegenwärtige Stellung der Frau in der katholischen Kirche ist, wofür er kräftigen Applaus der Damen erhielt. „Wenn die klein strukturierte Landwirtschaft stirbt, haben wir das größte Artensterben aller Zeiten“, riss Solleder ein überaus ernstes Thema an. Bei Interviews im Saal entlockten Singer und ihre Stellvertreterin Lisa Krötz aus Farchant einigen „Offiziellen“, auf welche Weise sie die Landwirtschaft unterstützen – wie etwa der Garmisch-Partenkirchner Bürgermeisterin Sigrid Meierhofer, die angab, Milchprodukte aus regionaler Produktion zu bevorzugen. Mit einem hölzernen Rahmen wurden die solcherart Befragten von den Beiden im wahrsten Sinne des Wortes „ins Bild“ gesetzt.

In ihrem Festvortrag „Heute mein Leben gestalten“, sprach Gemeinderberaterin Hedwig Beier aus dem Landkreis Altötting von Entscheidungsdruck und Versäumnisangst moderner Menschen angesichts einer Fülle an Angeboten, und zeigte Wege auf, sich daraus zu befreien. Hierzu zählten ein gutes Beziehungsfeld und sinnvolle Beschäftigung, und achtsamer Umgang mit sparsamen Gütern. Viel Zustimmung aus dem Saal erhielt überdies der Landfrauenchor unter Leitung von Annemarie Korntheuer für seinen Auftritt sowie ein lustiges „Knie-Ballett“ von zehn Frauen des Seehauser Ortsverbandes. Der Veranstaltung war ein von Dekan Walter gefeierter Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Michael vorausgegangen.