Milchliefergenossenschaft Eichstätt

Milchviehhalter: Hohe Aufgabequote befürchtet

MR_Fleckvieh-Milchvieh
Wendelin Funk
am Mittwoch, 09.09.2020 - 10:21

Anfang 2019 gab es noch 85 Lieferanten in der Milchliefergenossenschaft Eichstätt. Bis 2024 rechnet die Organisation mit 65 verbleibenden Betrieben.

Mit mehrmonatiger Verspätung konnte die Kaldorf-Milchliefergenossenschaft Eichstätt ihre Generalversammlung durchführen. Der Rückgang in der Lieferantenzahl scheint aus strukturellen Gründen, wenn auch in abgeschwächter Anzahl, nicht anzuhalten. Die gelieferte Milchmenge bleibt aufgrund des einzelbetrieblichen Wachstums kontinuierlich etwa auf gleicher Höhe. Langfristig hat man Sorge, dass es hier einen größeren Strukturbruch gibt – aufgrund der gesetzlichen Änderungen wie einem Gebot, das Milchvieh in andere Haltungsformen überführen zu müssen.

Bei Innerortslage fehlt Fläche für Veränderungen

Bei den Wahlen zu Vorstand und Aufsichtsrat wurden Norbert Steidl aus Wimpasing wieder in den Vorstand sowie Siegfried Böhm aus Petersbuch und Stefan Mayr aus Mühlheim wieder in den Aufsichtsrat gewählt.

Aufsichtsratsvorsitzender Siegfried Böhm konnte an diesem Abend 33 von den insgesamt 87 Mitgliedern begrüßen. Dem Betrieb Brems vom Ziegelhof gratulierte er für die Auszeichnung „Goldene Milchkanne“ der Molkerei Zott im Bereich Produktionsumfeld. Zudem sprach er den Strukurwandel im Rinderbereich an, der im Freistaat den Bestand auf unter 3 Mio. absinken ließ. Die Anbindehaltung der Kühe stehe am Ende, aber Alternativen bei den Haltungsformen seien für viele Betriebe, besonders in Innerorts-Lagen wegen der nötigen zusätzlichen Flächen nicht abzusehen.

2019 Rückgang bei den Haltern um 6 %, seit 2018 um 10 %

Dem Vorstandsvorsitzenden Streller nach waren im Januar 2019 85 Lieferanten aktiv. Bis Jahresende sank die Zahl auf 80. 2018 hatten noch 88 Milchbauern über 27 Mio. l Milch geliefert. Hier war 2019 ein Rückgang auf knapp über 26 Mio. l zu verzeichnen. Der Durchschnittsbetrieb liefert nun über 315.000 l im Jahr an die Genossenschaft.

Der Auszahlungspreis dafür lag bei 35,73 ct/l netto. Dazu kommt nach Verhandlungen mit Zott noch eine Nachzahlung für die Menge aus 2019 von 0,70 ct/l. In die Güteklasse S wurden knapp 96 % der Mengen eingestuft. Bei einem Keimzahlmittelwert von 21.000 und einer durchschnittlichen Zellzahl von 185.000 ist man mit der Qualität zufrieden.

Interessant dazu sind die Vergleiche mit umliegenden Molkereien, auch aus den letzten Jahren. Hier sind die Werke in Ingolstadt (Goldmilch), in Neuburg mit der Omira und mit Gropper aufgezeigt. Für die Eichstätter Genossen ist der Vergleich positiv zu sehen, da ihr Abnehmer Zott immer eine Spitzenposition in der Auszahlung eingenommen hat.

Innerhalb von 5 Jahren rund ein Viertel weniger

In einer Umfrage unter den Milcherzeugern in Eichstätt wurde auch ein Prognosemodell bis 2024 erstellt. Hier wird mit einem Anstieg der Milchmenge je Betrieb von derzeit knapp über 300.000 l je Jahr auf 350.000 l gerechnet. Die Zahl der Lieferanten wird sich weiter verringern auf rund 65. Die Menge wird sich leicht nach unten bewegen. Die Gesamtmolkerei Zott rechnet mit einer Quote nach oben.

Im November vergangenen Jahres besuchten die Eichstätter Genossen die Milchwerke Zott in Mertingen. 67 Teilnehmer besichtigten die Verarbeitung und das imposante Hochregallager.

Anbindehaltung bleibt heißes Eisen

Die Anbindehaltung bleibt natürlich ein „heißes Eisen“, nach Umfragen der Milchwerke haben derzeit noch 43 % der Milchbauern im Zottbereich mit 23 % der Milchmenge diese Haltungsform. Als Alternativen sind Laufstallhaltung, Außenklimaställe mit Laufhof oder auch Weidehaltung im Gespräch. Das Sagen über die Zukunft der Haltungsform wird hier wohl der Lebensmitteleinzelhandel mit den aufgenommenen Verbraucherwünschen haben, so die Aussage von Streller.

Robert Hüttinger konnte zügig die Berichte über die gesetzliche Revision, die Beschlüsse zum Jahresabschluss und zum Geschäftsbericht sowie die Dividendenausschüttung abwickeln. Hier ist von Interesse, dass die Altrücklagen seit Kurzem ohne steuerlichen Einfluss ausgezahlt werden können. Dies führt für die noch aktiven Erzeuger zu einer erfreulichen Zusatzeinnahme.