Marktnische

Mit Melonen läuft’s rund

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Paul Kannamüller
am Freitag, 14.08.2020 - 11:07

Wie die Junglandwirte Thomas Barth und Patrick Kirschner ein neues Geschäftsmodell kreierten – und damit Erfolg haben.

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Es geht hier im wörtlichen Sinn um eine „runde Sache“ oder man kann auch sagen: Es läuft „richtig rund“ auf dem Hof von Thomas Barth in Bergkirchen im Landkreis Dachau, wo der Junglandwirt eine Frucht anbaut, die man so gar nicht in unseren Gefilden vermutet. Auslöser war nach bestandener Meisterprüfung eine Studienfahrt vor ungefähr fünf Jahren nach Italien, wo Barth und sein Kollege Patrick Kirschner dem süßen Aroma sonnengereifter Früchte auf einer Melonenplantage rasch erlegen waren.

Noch während der Rückreise in die Heimat reifte bei ihnen schließlich die Idee, es mit dem Anbau einer solch schmackhaften Südfrucht doch auch mal auf eigener Scholle zu versuchen. Und seitdem werden auf dem Betrieb in Bergkirchen nicht nur Bullen gemästet, sondern alle Jahre wieder auch süßlich duftende Melonen geerntet, die ab Hof und in Hofläden in der Umgebung vermarktet werden.

Die Setzlinge explodieren förmlich in der Hitze

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„In diesem Jahr verzögert sich die Ernte etwas“, sagt Barth, weil die Nächte im Mai zu kühl waren und dadurch das Wachstum der Pflanzen erst später in Fahrt kam; außerdem gab es bislang auch kaum laue Sommernächte. Aber immerhin reichen tagsüber schon einige Sonnenstrahlen aus, um die Foliengewächshäuser so aufzuheizen, dass man es darin kaum aushält. Ähnlich wie die Kürbisse brauchen Melonen viel Platz, um sich entfalten zu können. Jedenfalls entwickeln sie eine enorme Blattmasse, die nach der Ernte als organischer Dünger verwendet werden kann.

Barth: „Am Anfang sieht man fast nichts und dann explodieren die Setzlinge förmlich.“ Per Tröpfchenbewässerung werden die sensiblen Pflanzen regelmäßig mit Wasser versorgt. Die Arbeitsteilung der beiden Landwirtschaftsmeister sieht so aus: Patrick Kirschner ist für die Anzucht und Thomas Barth für die Auslieferung zuständig, die Ernte der Melonen managen die beiden gemeinsam.

Die ersten Versuche "hinterm Haus"

In vieler Ohren klingt das erst einmal absurd, ausgerechnet bei unserem Klima eine Frucht anzubauen, die ihr volles Aroma unter südlicher Sonne entwickelt. Aber Barth und Kirschner ließ die Idee nicht mehr los und sie wagten alsbald nach ihrer Italienreise die ersten Versuche „hinterm Haus“ auf etwa 100 m2. Und siehe da: Es hat funktioniert, sagt Barth, der daraufhin das neue Geschäftsmodell immer weiter ausbaute. In der Zwischenzeit hat sich daraus ein ernst zu nehmender Betriebszweig entwickelt, obgleich es beim Anbau doch Einiges zu beachten gibt, weil es sich bei der Melone um eine „sehr sensible“ Pflanze handelt. Und weil Bergkirchen nun mal nicht in der Toskana liegt, lautet die erste Regel eines Melonenbauers hierzulande: Aufstellen eines Folientunnels, um mediterranes Klima zu simulieren.

Vorgezogen werden die empfindlichen Pflanzen im Gewächshaus von Kirschner in Ried bei Mering (Lks. Aichach-Friedberg), ehe die Zöglinge nach den Eisheiligen im Mai aufs Feld bzw. in den „Tunnel“ kommen, der ungefähr 50 Meter lang und sechs Meter breit ist. Vier Stück davon hat Junglandwirt Barth aufgestellt, die jedes Jahr an eine andere Stelle versetzt werden und insgesamt eine Anbaufläche von rund 1300 m2 ausmachen.

Die ersten im Landkreis

Die beiden jungen Männer waren vor drei Jahren die ersten im Landkreis Dachau, die sich getraut haben, Melonen anzubauen. Mittlerweile gibt es im Nachbarlandkreis Fürstenfeldbruck die ersten Nachahmer – denn die Nachfrage ist groß. Das „dickstes Ding“ der beiden war bislang übrigens eine Wassermelone, die sagenhafte 15 Kilogramm auf die Waage brachte. Barth betrachtet das Melonengeschäft als Nebenverdienst: „Weil leben können wir davon nicht.“

Neben den exotischen Melonen baut Barth heimische Feldfrüchte wie Getreide, Mais, Zuckerrüben und Karotten an, denn schließlich muss er auch noch seine 160 Fresser und gut 200 Bullen versorgen. Zum Betrieb gehören außerdem 70 ha Landwirtschaftsfläche und 15 ha Wald. Bis zur Jahrhundertwende stand auf dem Betrieb noch Milchvieh. Seine Kälber, die in einem neu gebauten Stall auf Stroh stehen, bezieht er überwiegend von Bauern aus der Region. Der auf Bullenmast spezialisierte Betrieb wird als klassischer Familienbetrieb geführt, auf dem auch angehende Landwirte ihre Praxiszeiten verrichten. Thomas Barth selbst hat auch eine Ausbildung zum Agrarbetriebswirt in Triesdorf absolviert. Heuer war seine Expertise auch noch als Prüfer bei den praktischen Abschlussprüfungen gefragt.

Starkzehrer: Tunnel jedes Jahr versetzen

Melonen sind Starkzehrer, die dem Boden während des Wachstums jede Menge Nährstoffe entziehen. Deshalb müssen die Folientunnel auch jedes Jahr versetzt werden, weil sonst die Erträge leiden würden, schildert Barth. Außerdem brauchen sie, ähnlich wie Kürbisse, viel Platz. „Pro Quadratmeter setzen wir eine Pflanze, an der dann durchschnittlich zwei Melonen heranreifen“, so Barth. Insgesamt sind also in den vier Folientunneln rund 1200 Pflänzchen zu setzen, wobei hier der Schwerpunkt eindeutig bei den Wassermelonen liegt, die im Vergleich zu den Honigmelonen etwa zwei Drittel der Anbaufläche einnehmen. „Es ist alles Handarbeit“, erläutert der junge Landwirt und weist darauf hin, dass die kleineren Sorten beim Verbraucher beliebter seien, weil sie auch besser in den Kühlschrank passen: „Beide Sorten haben ihre Liebhaber.“

Dunkel und hohl müssen sie sein

Sowohl bei den Wasser- als auch bei den Zuckermelonen gibt es verschiedene Sorten, weshalb die beiden Geschäftsfreunde ihr Angebot auch immer wieder den Wünschen ihrer Kunden anpassen, erklärt Barth. Momentan haben sie vier Sorten Wassermelonen und drei Sorten von den Honigmelonen im Angebot. „Wir probieren jedes Jahr neue Sorten aus“, erzählt Barth. Das Saatgut beziehen die beiden über das Internet. Im Übrigen gehören Melonen nicht zu den Obstsorten, wie fälschlicherweise immer wieder zu hören ist. Vielmehr zählt die mediterrane Frucht wie Kürbisse und Zucchini zum Gemüse. Die Erntezeit der bayerischen Melonen fällt zwischen Ende Juli und Mitte September. Erst wenn bei der Klopfprobe der Ton „dunkel und hohl“ klingt, seien die Früchte reif, sagt Barth.
Er selbst schätzt die Qualität so ein: „Sie schmecken extrem süß und ganz anders als im Supermarkt.“ Gemeinsam mit dem leicht salzigen Fetakäse eigne sich die Wassermelone beispielsweise auch hervorragend als Salat.