Direktvermarktung

Mehr als eine Geschenkidee

Walser
Helga Gebendorfer
am Dienstag, 14.07.2020 - 09:19

Familie Walser aus dem Kreis Eichstätt verarbeitet einen Teil ihrer Eier zu Nudeln in unterschiedlichen Formen und Farben. Die Nachfrage ist gut.

Ich habe bisher keine Einbußen durch die Coronakrise. Im Gegenteil: Eine Reihe von Kunden kauft nun verstärkt direkt beim Bauern vor der Haustüre“, zieht Claudia Walser aus Giesenau im Landkreis Eichstätt Bilanz.

Sie erzählt, dass zwar Hotels und Gaststätten als Kunden völlig ausgefallen sind, doch die Privathaushalte haben dafür deutlich zugelegt. So war Ende Februar beim Einkauf von Nudeln und Mehl ein spürbarer Anstieg zu verzeichnen und seither geht das Geschäft gut.

„Die Privatkunden fragen insgesamt mehr Ware nach und nehmen mir nun auch gerne M-Eier statt der üblichen L-Eier ab“, gibt sie Auskunft.

Tradition wird groß geschrieben

Die erste urkundliche Erwähnung des Hofes datiert aus dem 14. Jahrhundert. Der Betrieb, der früher einmal ein Kloster war, ist nachweislich seit 1665 in Familienbesitz. Auf dem Familienbetrieb zogen 1963 die ersten Hühner ein. Heute bewirtschaftet die Familie 60 ha und baut Kartoffeln, Zuckerrüben und Getreide an.

In den Wintermonaten 1000 Hühner mehr

Daneben halten die Walsers von September bis Ostern 3000 und von Ostern bis August 2000 Hühner. Das Geflügel wird gentechnikfrei mit einer Mischung aus hofeigenem Weizen, Mais und Mineralfutter gefüttert.

Täglich fallen im Sommer etwa 1600 Eier und im Winter 2500 Eier an. 99 % davon gehen direkt in den Verkauf, der Rest wird über die Nudelproduktion verwertet.

Spagetti 2

„Meine Schwiegermutter startete 1990 mit der Nudelherstellung für die Familie“, erzählt Claudia Walser. 1996 entdeckte sie selbst die Maschine für sich – erst für den Hausgebrauch mit ihren vier Kindern, dann für die Herstellung von Geschenken.

„Das kam so gut an, dass ich anfing, mehr zu produzieren“, erzählt die gelernte Hauswirtschafterin und Bürogehilfin. Schnell war die Maschine zu klein und sie legte sich ein Jahr später ein größeres Exemplar zu, das 5 kg Grieß und 2 Liter Ei (30 bis 45 Stück) fasst.

Inzwischen werden an einem Tag pro Woche mindestens zwei Chargen produziert. Nur während der Kartoffelernte im September sowie vor Ostern und Weihnachten erfolgt eine Pause.

An einem Arbeitstag verarbeitet die 54-jährige 60 bis 75 kg Grieß, was wiederum 60 bis 75 kg Nudeln ergibt. „Ein kleiner Anteil unserer Eier wird als Nudeln verkauft“, gibt sie Auskunft. Die überschüssigen Eier zur Nudelproduktion sind S- und XS-Eier von Junghennen.

Spaghetti und Hörnchen trocknen am schnellsten

Den Hartweizengrieß bezieht die Bäuerin von der Schellermühle in Pfaffenhofen. „Da passt die Qualität. Er ist fein und schön gelb“, erklärt sie. Die Eier werden von Hand aufgeschlagen, verquirlt und durch ein Sieb gestrichen, um Verstopfung in der Maschine zu verhindern.

Elf Sorten Frischeinudeln macht die Bäuerin derzeit, acht Dinkelnudeln und drei Vollkornsorten aus je zur Hälfte Dinkelvollkornmehl und Hartweizengrieß.

Die Nudeln wandern aus der Maschine auf Horden, die zum Trocknen drei Tage lang in Regale geschichtet werden – Spaghetti und Hörnchen immer unten, da sie schneller als andere Sorten trocknen. Ein Luftentfeuchter leistet Hilfe. Herstellung und Trocknung geschehen in einem separat dafür eingerichteten Raum.

Abpacken von Hand

Die Nudelproduktion erfordert Fingerspitzengefühl. „Manchmal kommt es nur auf eine Kleinigkeit an wie einen Spritzer Wasser“, gibt die sie Auskunft. Je nach Sorte sei eine unterschiedliche Teigkonsistenz gefordert.

Ab Donnerstag steht das Abpacken von Hand mit Waage und Schaufel auf dem Programm, in Tüten mit 250 und 500 g, versehen mit Adresse, Zutaten und Chargennummer.

60 km Anfahrt für Nudeln

„Die meisten unserer Kunden gehören zur Stammkundschaft und die beste Werbung ist zufriedene Kundschaft“, davon ist Walser überzeugt. Genauso wie die Eier werden die Nudeln ab Hof und über Liefertouren vermarktet.

Der 1992 im Austragshaus eingerichtete Hofladen ist jeden Freitag von 8 bis 17 Uhr geöffnet. Die Kundschaft nimmt einen Weg zwischen drei und 60 km in kauf. Jeden Dienstag und Donnerstag geht Claudia Walser auf Tour im Umkreis von 30 km und beliefert Geschäfte und Wiederverkäufer mit ihren Produkten.la

Eiertankstelle auf Vertrauen funktioniert gut

Eiertankstelle

Seit Februar 2018 ist am Hof eine „Eiertankstelle“ mit sehr gut funktionierender Vertrauenskasse in einem Gartenhäuschen eingerichtet - mit einem Kühlschrank für die Eier und einer ausgedienten Gefriertruhe für Kartoffeln, die auch im Winter gute Dienste leistet.

Neu ist ein Eierautomat, der an der B 299 zwischen Pförring und Neustadt an der Donau aufgestellt wurde. „Die Selbstbedienung rund um die Uhr schätzen die Kunden sehr“, sagt die Direktvermarkterin. Eier-Hochsaison ist vor Ostern und Weihnachten. Nudeln gehen neben dem Weihnachtsgeschäft das ganze Jahr.

Diese werden je zur Hälfte im Laden und über den Lieferservice verkauft, die Eier gehen zu 10 % über die Hofladentheke, der Rest wird über die Touren vermarktet. Neben Eiern und Nudeln ergänzen saisonal Kartoffeln sowie Dinkelmehl und Honig das Ladensortiment.

Die Arbeiten am Hof sind klar verteilt: Während Bernhard Walser neben sämtlichen Stallarbeiten auch die Feldarbeit übernimmt, ist Claudia Walser zuständig für die Nudelherstellung, die Belieferung der Kunden sowie die Büroarbeiten. Der Tag beginnt für beide mit der Eierabnahme und -sortierung. Über die hohe Wertschätzung ihrer Kunden freuen sich die Walsers sehr.