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Landfrauentag

Magische Momente in Landsberg

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Anja Kersten
am Dienstag, 25.02.2020 - 15:09

Zauberhaftes und Interessantes gab es beim Landfrauentag.

Landsberg/Lech Ein Zauber lag über dem diesjährigen Landfrauentag in Landsberg. Nicht nur, weil ein Magier die Landfrauen im frühlingshaft geschmückten Gasthof Alter Wirt in Eresing mit seinen Fähigkeiten als Gedankenleser und mit seinen Tricks beeindruckte, sondern auch weil Ernst Wirthensohn mit seinem Vortrag „So schön kann Landwirtschaft sein“ den Bäuerinnen Mut in einer für die Landwirtschaft schwierigen Zeit machte.

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Die Zeit laufe, was den technischen Fortschritt angehe, immer schneller, meinte Kreisobmann Johann Drexl in dem von der Kreisbäuerin Rita Behl moderierten Grußwort und nannte als Schlagwort die Digitalisierung in der Landwirtschaft. In 75 Jahren, so die Prognose von Anna Holzmüller von der Bayerischen Jungbauernschaft, werden wahrscheinlich nur noch Roboter auf den Feldern fahren, die der Landwirt von seinem Büro aus kontrolliere. Auch wenn sich die Landwirtschaft verändere, wie sich die Grußwortredner einig waren, die Menschen werden auch in Zukunft etwas zum Essen brauchen, so Landrat Thomas Eichinger. Nach wie vor werden die Landwirte diejenigen sein, die die Lebensmittel produzieren, erklärte Bundestagsabgeordneter Michael Kießling. Er würde sich aber von der Gesellschaft und ihren Ansprüchen an die Landwirtschaft wünschen, dass das „Gemeinwohl“ vor „mein Wohl“ stehe.

„Was geht alles verloren, wenn der Landwirt aufhört?“, fragte Kreisbäuerin Rita Behl. Man brauche sich nur das Voralpenland ohne Tierhaltung vorstellen oder ein Dorf ohne Landwirte, in dem es dann auch bald keinen Metzger und keine Bäcker und schließlich auch keinen Wirt mehr gäbe. Deshalb müsse das Wissen, dass Nachhaltigkeit ohne Tierhaltung nicht möglich ist, der Landwirt hochwertige Nahrungsmittel erzeuge und dabei die Kulturlandschaft erhalte, von den Bäuerinnen und Bauern weitergegeben werden. „Machen wir uns auf“, rief sie den Landfrauen zu. Ähnlich drückte es Pater Tassilo in seinem vom Landfrauenchor umrahmten Morgenlob aus, bei dem er dazu aufrief, Leben und Licht auszustrahlen, auch wenn viele Bäuerinnen und Bauern momentan das Gefühl hätten sie befänden sich in „dunkler Nacht“.
Wie erfüllend der Beruf des Landwirtes sein kann, wie viel Zufriedenheit und Freude er der ganzen Familie machen kann, erfuhren die Zuhörerinnen und Ehrengäste bei dem Vortrag von Ernst Wirthensohn „so schön kann Landwirtschaft sein“ – ein Titel, der, wie der Redner selbst zugab, so gar nicht zur gegenwärtigen agrarpolitischen Diskussion passe.
Vor mehr als 20 Jahren initiierte der Agrarwissenschaftler aus dem Allgäu zusammen mit dem Lebensmittelhandel Feneberg das „Vonhier-Modell“. Ausgangspunkt war die Frage, wie ein regional verwurzeltes Familienunternehmen, eine Allgäuer Supermarktkette, angesichts der Konkurrenz von Lidl, Aldi, Rewe und Edeka überleben kann. Die Antwort von Hannes Feneberg und Ernst Wirthensohn: mit einer Marke, die echt ist und hinter der regionale und ökologisch erzeugte Produkte stehen. Für diese Produkte bekommt der Landwirt einen Preis, von dem er leben und auf den er sich verlassen kann.

Mittlerweile gibt es 600 „VonHier-Vertragsbetriebe“, die 450 verschiedene „VonHier-Produkte“ produzieren, erklärte Wirthensohn. Ein großer Legehennen-Betrieb ist genauso dabei wie ein Betrieb mit nur 28 Kühen und Jungvieh, eine Mühle aus Schwaben oder ein Betrieb mit Masthähnchen. Und alle, so schilderte es Ernst Wirthensohn aus vielen Gesprächen mit den Beteiligten sind zufrieden, ja glücklich mit ihrem Leben als Bäuerin und Bauer. Auf diese Weise können bäuerliche Strukturen erhalten werden und die Wertvorstellungen der Verbraucher in Einklang gebracht werden, erklärte Ernst Wirthensohn, verschwieg aber nicht, dass der deutsche Kunde „ein sehr schwieriger“ sei und zwar immer dann, wenn es ums Geld geht.