Projekt

Lösungen fürs Donaumoos gesucht

Donaumoos Furchen
Andrea Hammerl
am Montag, 15.11.2021 - 16:45

Eine Machbarkeitsstudie will aktuell untersuchen, welche Kulturen die Moorbewirtschaftung klimafreundlicher gestalten können.

Kleinhohenried Die Landwirtschaft soll eingebunden und ausreichend entschädigt werden, das versprechen die Akteure des „Klimaschutzprojekts CO2-regio“, für das der Startschuss im Haus im Moos in Kleinhohenried (Lks. Neuburg-Schrobenhausen) fiel. Ziel des mit 193.200 € aus EU-Mitteln gefördert Projektes ist eine Machbarkeitsstudie. Sie soll ausloten, wie im Donaumoos Treibhausgase eingespart werden können, wie das zu finanzieren sei und welche Chancen für die Landwirtschaft durch Produkte entstehen, erläuterte Projektleiter Jonas Galdirs.

Als mögliche Nutzung nannte er Paludi-Kulturen und die Beweidung durch Wasserbüffel. Das Projekt sei ergebnisoffen. „Es kann auch sein, dass sich herausstellt, dass das eine oder andere nicht geht.“ Auf jeden Fall soll auf Freiwilligkeit gesetzt werden: Landwirte sollen von ihrem Land leben können und eine langfristige Vergütung werde angestrebt.

20 Tonnen CO2 weniger

Auch Landrat Peter von der Grün betonte, dass weiterhin Landwirtschaft im Haupterwerb möglich sein soll. Landwirte müssten von ihrem Land leben können. Eine Möglichkeit seien Zertifikate, erklärte Professor Matthias Drösler von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Sein Lehrstuhl versucht, Zertifikate mit einer Laufzeit von 20 bis 50 Jahren zu erarbeiten, die einem Kriterienkatalog entsprechen müssen. Über diese Zertifikate können Landwirte dann für ihre Arbeit als so genannte Energiewirte bezahlt werden.
Klimaschutzprojekt Gruppenbild

Drösler hält ein Einsparpotenzial von 20 t CO2 pro ha und Jahr für realisierbar. Die 40 t, von denen gelegentlich die Rede sei, seien in der Realität noch nie erreicht worden. Konkrete Anbau- oder Verwertungsmöglichkeiten liegen noch nicht vor, Ideen seien aber vorhanden: Eine Pflanzenkohleproduktionsanlage im Donaumoos zum Beispiel, die hier angebaute Paludi-Kulturen verarbeiten könnte. Mittels Pyrolyse könnte Pflanzenkohle hergestellt werden, die zur Bodenverbesserung, zur Wasseraufbereitung, als Lebensmittelzusatzstoffe, Futtermittel und im Herstellungsprozess auch zur Stromerzeugung genutzt werden könnte. Ob sich das rechnet, prüft die Prolignis GmbH aus Ingolstadt, sagte Leonhard Wobbe. Bislang scheiterten Versuche mit Paludi-Kulturen stets an fehlenden Absatzmöglichkeiten.

Neben dem Verein „eee“ („Energie effizient einsetzen“) als Projektträger sind Kooperationspartner die LAG Altbayerisches Donaumoos, Pfaffenhofen und Wittelsbacher Land, die Landkreise Neuburg-Schrobenhausen, Pfaffenhofen und Aichach-Friedberg sowie die Stadt Ingolstadt, die Kommunen Karlshuld, Königsmoos, Schrobenhausen, Pöttmes, Langenmosen und Ehekirchen, der Donaumoos-Zweckverband, die Audi-Umweltstiftung, drei regionale Bürger-Energiegemeinschaften, das Fraunhofer-Institut Umsicht und die „Interessensgemeinschaft Schorner Röste“. „Es ist ein Kooperationsprojekt, auf das ich stolz bin, weil es unterschiedliche Interessensgruppen vereinigt, die sonst nicht unbedingt an einem Tisch sitzen“, erklärt Klaus Rössler, Geschäftsführer der LAG Altbayerisches Donaumoos.

Viel Diskussionsstoff

Dass die Beteiligten durchaus konträre Meinungen haben, zeigte sich in der Diskussion. Vize-Kreisobmann Martin Wendl forderte Nachhaltigkeit im Alltag aller, auch der Verbraucher. Klimaschutz sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Wir Bauern verweigern uns dem nicht, es kann auch ein neues Geschäftsfeld sein.“ Aber mit einem Trinkgeld ließe man sich nicht abspeisen, denn Landwirtschaft bedeute „wirtschaften“. Das größte Problem sah er darin, dass das Land oft nicht den aktiven Landwirten gehört. Auch ein möglicher Wertverlust müsse geklärt werden.