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Rinderhaltung

Leistung und Wasserschutz im Einklang

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Julia Gruber
am Dienstag, 18.12.2018 - 16:12

Fachzentrum Rinderhaltung Cham lädt zum Milcherzeugertag

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Wernberg-Köblitz/Lks. Schwandorf „Wo können wir uns verbessern?“, fragt Georg Dietl, Leiter des Fachzentrums Rinderhaltung Cham, in die Runde. Zahlreiche Milchviehhalter waren nach Wernberg-Köblitz gekommen, um sich über das Thema „Gewässerschonende Milchproduktion“ zu informieren und darüber zu diskutieren. Denn das Thema Umweltschutz ist nicht erst gestern in der Landwirtschaft angekommen.
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Geladen zum Milcherzeugertag hatten das Fachzentrum Rinderhaltung Cham sowie die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Schwandorf und Weiden. „Mit dem heutigen Tag möchte ich Ihnen zeigen, dass Gewässerschutz und ein hohes Produktionslevel durchaus einhergehen. Sie können auf Milchleistungsoptimierung achten, aber auch gleichzeitig etwas für die Umwelt tun, schließlich sind Sie auch ein Teil des Wasserkreislaufes“, mit diesen Worten begrüßte Dietl die Milchviehhalter.
„In diesem Zusammenhang spielt die Lagerung von Gülle, Jauche und Silagen eine wichtige Rolle“, ergänzte Wolfgang Willutzki, Bauberater am AELF Münchberg: „Bei der Bauart von Gülle- und Fahrsiloanlagen hat sich nichts geändert. Jedoch gilt nun beim Bau von Fahrsiloanlagen oder Festmistlager, wenn das Silo größer als 1000 Kubikmeter ist, eine Anzeigepflicht bei den Kreisverwaltungsbehörden. Ich rate Ihnen jedoch: Auch wenn das Silo kleiner als 1000 Kubikmeter ist, am besten bei der Kreisverwaltungsbehörde anzeigen. Dann sind Sie auf der sicheren Seite.“ Grundsätzlich sei es auch notwendig, eine Firma einzuschalten, die als Fachbetrieb zugelassen ist. Auch bei der Sanierung bestehender Fahrsiloanlagen empfiehlt der Bauberater Fachbetriebe einzubinden: „Denn auch hier sind nur bauaufsichtlich zulässige Baustoffe zu verwenden“. Das Fazit von Wolfgang Willutzki, dass die Kosten bei der Errichtung von Fahrsiloanlagen in Zukunft steigen werden und die Zeiten der kompletten Eigenleistung nun endgültig vorbei seien, sorgte in der Runde in Wernberg-Köblitz für ein Raunen. „Dann kann ich meinen Betrieb ja gleich dichtmachen“, beschwerte sich ein Landwirt.

Gewässer und Geldbeutel schonen

Was beim Betrieb von Silagelagerstätten zu beachten ist, erläuterte Georg Dietl. „Gärsaft ist sehr aggressiv. Wer Nasssilagen vermeidet, vermeidet auch Gärsaft. Am besten Grassilage ausreichend anwelken.“ Dietl rät, im Fahrsilo Seitenwandfolien zu verwenden. „Die Silagequalität kann dadurch zusätzlich erheblich verbessert werden. Es entsteht deutlich weniger Abraum.“ Außerdem empfiehlt der Leiter des Fachzentrums Rinderhaltung Cham, die Fahrsiloanlage stets sauber zu halten. „Am besten Abraum sofort auf den Misthaufen fahren!“ Dietl zeigte Wärmebilder, auf denen zu erkennen war, dass sich aufgelockerte Silage und Siloabraum gegenüber der Anschnittsfläche selbst erwärmen. „Dies kann in der späteren Verfütterung zu erheblichen Problemen führen. Mein Fazit: Wenn Sie Ihre Fahrsiloanlagen ordnungsgemäß betreiben, ist es nicht nur gewässerschonend, sondern auch Geldbeutel-schonend!“
Den Vormittag des Milcherzeugertages rundete der Vortrag von Dr. Hubert Schuster vom Institut für Tierernährung an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft ab. Er berichtete über die Mineralstoffversorgung der Milchkuh und zeigte auf, wie Phosphor in der Fütterung reduziert werden kann und die Kuh trotzdem bedarfsgerecht versorgt bleibt. Seine Aussage: „Mineralfutter braucht kein Phosphor. Nur 70 Prozent des Phosphors wird durch das Rind letztendlich verwertet. Die Phosphorausscheidung zu reduzieren, stellt eine große Herausforderung dar“, erklärte Schuster. Die Gehalte an Phosphor in den Grundfuttermitteln schwanken durchaus erheblich, die Kenntnis des Wertes sollte daher durch eine Futteranalyse erlangt werden.
Anhand eines Rationsbeispiels erläuterte Schuster einige Möglichkeiten der P-Reduktion. Grundfutter hat in der Regel geringere P-Gehalte als Kraftfuttermittel, deshalb liegt ein Schlüssel der P-Reduktion auch im Steigern der Grundfutteraufnahme. „Ein gutes Grundfutter spart auch an Eiweiß übers Kraftfutter. Beim Kraftfutter sind jedoch die P-Gehalte auch sehr unterschiedlich. Eiweißreiche Kraftfutter weisen in der Regel hohe P-Gehalte auf. Im Gesamtergebnis zeigt sich eigentlich immer, dass der Landwirt getrost Mineralfutter gänzlich ohne Phosphor einsetzen kann.“ Mischkraftfuttermittel werden mittlerweile auch P-reduziert angeboten, die Nachfrage danach ist noch sehr gering. „Ich rate Ihnen aber: Fragen Sie gezielt nach“, rundete Schuster seinen Vortrag ab.

Kompoststall besichtigt

Am Nachmittag besuchten die Teilnehmer den Betrieb von Johann Dirschwigl in Oberkatzbach bei Guteneck. Der Landwirt betreibt einen Kompoststall für Milchkühe mit Melkroboter. Diese Kompostställe sind noch sehr selten, im Landkreis Schwandorf gibt es nur den der Familie Dirschwigl. Der Kompoststall hat eine freie Liegefläche („Weide im Stall“), bei dem das Liegeverhalten der Tiere nicht durch Einrichtungsgegenstände gesteuert oder eingeschränkt wird. Lange und breite Liegepositionen oder volle Seitenlage sind in diesem System möglich. Die Liegefläche wird mit Sägespänen, Hobelspänen oder feinen Hackschnitzeln eingestreut, die unter Einarbeitung von Kot und Harn verrotten.