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Verbot der Kombihaltung

Wir leben hier gut - oder bald gar nicht mehr

Murnau Werdenfelser Josef Schmid
Alexander Kraus
am Montag, 18.07.2022 - 14:38

Wird die Kombihaltung verboten, steht viel auf dem Spiel: Etwa das Überleben seltener Rinderrassen wie die Murnau-Werdenfelser.

Mit viel Mühe, Einsatz und auch Geld versuchen engagierte Landwirte seltene Tierrassen und damit ein wichtiges Kulturgut zu erhalten. Jetzt droht der Erfolg und die Arbeit vieler Jahre verloren zu gehen. Die Gefahr droht dabei von einer Seite, die nichts mit der Rasse selbst zu tun hat und die der einzelne Tierhalter oft nicht beeinflussen kann: Die Bundesregierung plant bis 2030 ein Verbot der Anbindehaltung. Das könnte auch viele kleinbäuerliche Betriebe mit Kombihaltung die Existenz kosten, fürchten die Bauern im Förderverein zum Erhalt des Murnau-Werdenfelser Rindes. Sie fordern jetzt in einem Moratorium eine Übergangsfrist für Kleinstbetriebe mit Kombinationshaltung.

„Unser Ziel ist es nicht, eine Entwicklung aufzuhalten, sondern zu differenzieren“, sagt deren Vorsitzender Jürgen Lochbihler. Für Kleinstbauern im Nebenerwerb sei der Laufstallbau nicht nur unwirtschaftlich, sondern in vielen Dörfern auch aus Platzgründen nicht möglich. Zu den 52 Haltern der bedrohten Murnau-Werdenfelser Rinder zählen auch Betriebe mit nur fünf bis zehn Tieren. Von diesen müssten viele sich bei einem Verbot der Kombihaltung trennen. Damit sei der Erhalt des bayerischen Ur-Rindes erneut gefährdet.

Auch für den Tierschutz bedeute das keinen Fortschritt, sondern Rückschritt. Die Halter der Murnau-Werdenfelser Rinder verpflichten sich schon jetzt zu hohen Tierwohlstandards. Es sei „eine Ironie“, wenn gerade sie zur Aufgabe gezwungen würden, so Lochbihler. Eine Übergangsfrist von ca. 20 Jahren würde ihnen helfen, „politische, gesellschaftliche und Marktentwicklungen“ abzuwarten. Wie Lohbichler ist auch Josef Schmid überzeugt: Die Kombihaltung sei die „ideale Form“ der Rinderhaltung. Schmid betreibt in Riegsee eine Landwirtschaft mit 20 Murnau-Werdenfelsern. Bei der Laufstallhaltung bekämen rangniedrige Kühe weniger zu fressen, die Tiere entfremdeten sich vom Menschen.

Den Tieren gehe es gut in der Kombihaltung, sagt auch Tessy Lödermann, Garmischs 3. Landrätin und bayerische Tierschutz-Vize-Präsidentin. „Es muss eine Ausnahmeregelung für die Kombihaltung mit Weidegang geben“, fordert sie. Sonst verschwänden mit den kleinstbäuerlichen Betrieben auch Kulturlandschaften wie das Murnauer Moos und die Buckelwiesen. Aus dem gleichen Grund hält Klaus Solleder eine Übergangsfrist nicht für ausreichend. „Die Kombihaltung brauchen wir für immer“, sagt der Garmischer BBV-Kreisobmann.