Oberbayern

Ein Landwirtspaar - zwei Betriebe - 100 Kilometer Strecke

Zwei fast identische Familienbilder - doch liegen 100 Kilometer zwischen den zwei Betriebsstätten und zwischen den Eltern von Johannes und Elisabeth Weber.
Sandra Kalb Portrait 2019
Sandra Kalb
am Montag, 05.10.2020 - 11:25

100 km zwischen ihren beiden Ackerbaubetrieben legen Elisabeth und Johannes Weber regelmäßig zurück. Wichtig fürs Gelingen: Harmonie und offene Gespräche, aber auch gute Planung und unternehmerisches Denken

Ein Betrieb mit zwei Standorten.

„Harmonie ist wichtig“, das ist der Konsens beim Betriebsbesuch von Elisabeth und Johannes Weber in Geisenbrunn. Das trifft sicher auf Vieles zu, geht das Leben doch leichter im Einvernehmen als mit Ellbogen.

Die Webers jedoch haben eine recht besondere Betriebskonstellation: nämlich zwei Ackerbaubetriebe etwa 100 km voneinander entfernt, damit zweimal die Saat, zweimal die Pflege und zweimal die Ernte. Was da wohl gut gelegen kommt, ist ein Verschleißteilehandel, den Johannes gemeinsam mit seinem Vater Hans Weber betreibt. „Es war nicht einfach“, gibt Elisabeth Weber zu, eine geborene Painhofer und Tochter von Starnbergs BBV-Kreisbäuerin Anita Painhofer und ihrem Mann Willi, der nach eigener Aussage „gern Bauer ist“.

Jede Arbeit zweimal

Bis auf die Hauptackerschlepper, die für die „höchste Schlagkraft“ zwischen den Betrieben in Geisenbrunn und Stammham im Kreis Eichstätt bewegt werden, haben beide Betriebe ihren eigenen Fuhrpark – in Spitzenzeiten nehmen sie auch Gerätschaften von Lohnunternehmern zuhilfe. Mit ihren Eltern und einem festangestellten Mitarbeiter in Geisenbrunn bewirtschaften sie Ackerflächen im dreistelligen Hektarbereich. Da würde sich so manche Anschaffung schon lohnen, nur nicht bei der Entfernung, sagt Elisabeth Weber.

Kartoffeln eignen sich grundsätzlich nur für den Betrieb in Geisenbrunn. Diese werden vornehmlich für die Verarbeitung in der Gastronomie kultiviert und an das Kartoffel Centrum Bayern in Rain am Lech verkauft – heuer sind die Erdäpfel coronabedingt ein undankbarer Betriebszweig, wie Willi Painhofer bestätigt.

Ausgleiche schaffen

Weiter erzeugen die Webers Zuckerrüben, Braugerste, Körnermais, Raps und Soja. Für Anita Painhofer ist es wichtig, vorzuleben „dass Landwirtschaft Freude bereitet“ und sich einen Ausgleich zu schaffen: Einer davon wiederholt sich ein jedes Jahr mit ihrer Hofkirchweih, für alle Tage gibt sie sich mit gutem Kaffee, selbstgemachten Kuchen und einem Spaziergang mit den Enkeln zufrieden. Die junge Generation verreist gerne mit ihren beiden Kindern Johanna und Benedikt und Johannes macht weiter Musik mit seiner Band Bavarian Hotstuff, berichtet er schmunzelnd.

Pragmatisches Denken

Noch eine weitere Gemeinsamkeit verbindet die Familien Painhofer und Weber: Die „Familie im Bayerischen Bauernverband“, denn auch Johannes Mutter ist BBV-Kreisbäuerin im Landkreis Eichstätt und betreibt den Bäuerinnen-Backservice Ingolstadt. Auch sie sieht die großen Herausforderungen, die Johannes und Elisabeth auf sich genommen haben – doch pragmatisch meint sie: „Vom Wetter her kann man es machen, es gibt immer was zu tun.“ Pragmatisch sieht sie auch, dass ihr Hofnachfolger seinen Hauptwohnsitz nicht am elterlichen Hof hat, viel wichtiger ist ihr das gute Verhältnis zueinander. Und „wenn die beiden weiter zusammenhalten, läuft das gut“.