Moorschutz

Mit der Landwirtschaft das Donaumoos für die Zukunft vorbereiten

Donaumoos
Ulrich M. Sorg
am Dienstag, 16.03.2021 - 08:11

Das Donaumoos bei Neuburg ist seit gut 200 Jahre entwässert und seither sackt das Niedermoor in sich zusammen und schrumpfte von ehemals 20.000 auf 12.000 Hektar.

Die Mooslandschaft und deren Besiedlung haben sich massiv geändert. Wo einst Grünland und Viehweiden waren und kleinere Höfe und Siedlerhäuser die Straßendörfer prägten, sind stattliche Gemeinden entstanden. Das Moos, entwässert durch 450 Kilometer Gräben und Kanäle und ständig absinkend ist einmalig in Süddeutschland. Die seit der letzten Eiszeit im Grundwasser versunkenen Pflanzenreste (Torf) lösen sich auf und setzen permanent Klimagase frei. Der Moospegel in Ludwigsmoos ist seit 1836 dazu ein mahnender Zeitzeuge.

Ein Entwicklungskonzept sollte helfen

Donaumoos

Die Entwässerung brachte Überflutungen mit sich und die Landwirtschaft verstärkte den Ruf nach staatlicher Hilfe. Durch die Intensivierung der Landnutzung verschwanden die Lebensräume seltener Wiesenvögel wie z.B. Großer Brachvogel. Die Moorsackung erfordert eine ständige Grabentieferlegung und wird zur unendlichen Geschichte. Diese Konflikte zwischen Nutzung und Entwässerung führten 1985 zum Beschluss des Bayerischen Landtages, ein Gutachten zu erstellen. In diesem von Prof. Pfadenhauer, TU-München vorgelegten Werk sind u.a. Vorschläge zur Extensivierung der Landwirtschaft.

Im Jahr 1991 wurde der Donaumoos-Zweckverband gegründet, der die Inhalte in das Donaumoos Entwicklungskonzept 2000-2030 goss. Der Zweckverband soll auf „freiwilliger“ Basis dieses Konzept umsetzen, das seit 2002 zudem „behördenverbindlich“ ist.

Was hat sich seither getan?

Donaumoos

Es wurde von 50 vorgesehenen Hochwasserrückhalteräumen vier realisiert, die sich teils zu Hotspots des Artenschutzes entwickelten. Die Hochwassergefahr für die aus der Moorlandschaft „herausgewachsenen“ Straßendörfer, hat durch die Moorsackung abgenommen.

Die Wiesenbrüter zu schützen, ein Kernziel des Entwicklungskonzeptes, blieb bisher erfolglos. Die Moorschutzgewanne im südwestlichen Moos (Schorner Röste) oder bei Langenmosen, für die es seit Jahren Studien gibt, blieben leider bisher auch nur Pläne.

Der Zweckverband setzte auf Grunderwerb und die Wasserrückhalteräume, jedoch Vorschläge des Fachbeirates zum Moor- und Klimaschutz kamen in der politischen Ebene kaum an. Der Geschäftsführung des Donaumoos-Zweckverbandes sind quasi die Hände gebunden, da finanzielle und personelle Mittel und der politische Wille fehlen, um flächig wirken zu können.

Die zögerliche Extensivierung der Moorböden liegt auch an den zu gering ausgestatteten Förderungen. Die Landwirtschaft folgte somit der Offizialberatung und blieb vorwiegend beim Ackerbau. Die Kommunalpolitik hat dieses Thema bisher nur verhalten an die Landespolitik adressiert. Die Moosbauern brauchen aber für eine Betriebsumstellung „einkommensausgleichende und generationsübergreifende“ Förderungen.

Dazu sagte Prof. Alois Heißenhuber, TU-München, unlängst: Die Wissenschaft hat längst geliefert, nur die Politik zögert in der Umsteuerung der Agrarpolitik.
Weiterhin unterstützen die Direktzahlungen der EU sogar diese „klimaschädliche“ intensive Nutzung. Nach Fachmeinung sind es 30 Mio. €uro im Jahr für die bayerischen landwirtschaftlich genutzten Moorböden.

Auch die Wassergesetze sind bisher vorwiegend auf die Entwässerung der Landschaft ausgerichtet. Bei Obermaxfeld soll jetzt – wie im Bayer. Wochenblatt vom 5.02. stand - ein Graben angestaut werden. In der Lokalpresse klagen die Bauern, dass auf den trockenen teils torflosen Böden bereits weniger wächst.

Was ist jetzt im Altbayerischen Donaumoos zu tun?

Donaumoos

Im größten Niedermoor Süddeutschlands prallen, wie sonst kaum in Bayern, die verschiedenen Interessen aufeinander. Neue ressortübergreifende Strategien für die Extensivierung der Niedermoore, den Wasserrückhalt in der Fläche und Klimaschutz drängen nach Lösungen, jetzt dringender denn je.

Prof. Michael Succow vom MoorCentrum Greifswald, der 2019 das Donaumoos besuchte, sprach von einem „vernutzen“ Moor, wo aber durchaus auf Äcker Paludikulturen angebaut werden könnten.

Martin Mayer, Amtschef des Wasserwirtschaftsamtes Ingolstadt teilte auf Anfrage mit, dass seine in der Schlussphase befindliche Studie zur Modellierung des Gewässersystems Donaumoos ein Wassermanagementkonzept für Planungen von Moorschutzmaßnahmen enthält, um z.B. die Anhebung des Grundwasserstandes durchführen zu können. Die Pläne umfassen eine gebietsbezogene Modellierung von Maßnahmen mit wasserwirtschaftlichen Bewertungen. Außerhalb der Moorkörperschutzgewanne, so Mayer weiter, werden für moorschützende Entwicklungsziele die Ressourcen (Berechnungssysteme u.a.) zur Verfügung gestellt, um künftig deutlich zeit- und kosteneffizienter Moorschutz- und Hochwasserschutzmaßnahmen im Donaumoos realisieren zu können.

Die Interessengemeinschaft Zukunft Schorner Röste im Donaumoos appellierte an die Politik, den Moorschutz zum Klimaschutz im südwestlichen Donaumoos endlich zu beginnen und forderte zudem eine überarbeitete Gebietskulisse.

Der Hinweis von externen Beratern, auf kommunaler Ebene künftig „konsultative Ansätze“, also sog. Bürgerforen zu bilden, könnte auch neuen um Schwung in die Diskussion bringen.

Ein „Rückblick“ aus dem Jahr 2030

  • Der Hochwasserschutz der Siedlungen ist weitgehend gesichert.
  • Das erste Moorschutzgebiet ist seit 2025 vernässt, wozu das WWA Ingolstadt mit seinen Plänen hilfreich war.
  • Die Landwirte bekommen seit 2023 einkommensausgleichende und langfristige Förderungen für extensives Grün- und Weideland, auch für Paludikulturen. Die Hektarsätze haben sich zwischen 1.200 – 1.800 €uro/ha eingependelt haben.
  • Der Austrag von Klimagase (Kohlendioxid-Äquivalente) ist in dieser Zeit von 400.000 Tonnen um 10 % gesunken.
  • Die Honorierung der Gemeinwohlleistung „Klima- und Moorschutz“ führte zu neuem Ansehen der Bäuerinnen und Bauern im Moos.
  • Investitionsförderungen (Betriebsumstellung, Vermarkung regionaler Produkte, z.B. Weidefleisch) erfahren einen hohen Zuspruch.
  • Das neue Feuchtgrünland gewährt auch den Wiesenbrütern attraktive Lebensräume und das Donaumoos hat auch landschaftsästhetisch gewonnen.

Aufruf

Für die Schorner Röste, und Bereiche bei Langenmosen werden jetzt Landwirte gesucht, die mit ihren ersten Hektaren beispielhaft diese Entwicklung angehen, auch um entsprechende Pilotförderungen aus dem künftigen Moorbauernprogramm zu beantragen.

 

Korrektur: In der Erstfassung des Artikels ist leider eine falsche Autorennennung erfolgt. Der Fehler wurde am 23.03. bemerkt und behoben. Bei Bezugnahme auf den Artikel, bittet die Redaktion, die Änderung zu berücksichtigen.