Erntebilanz

Landwirtschaft ist eine coronasichere Burg

ErntegesprächSTA
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Externer Autor
am Dienstag, 03.11.2020 - 07:48

Erntebilanz im Kreis Starnberg: Durchschnittsjahr bei Getreide, Pandemie macht sich auf den Märkten bemerkbar, ASP bedroht Schweinehaltung.

Die Landwirtschaft ist in der Coronakrise mit einem blauen Auge davongekommen, so das Resümée von Starnbergs BBV-Kreisobmann Georg Zankl. Zwar musste der grüne Sektor in den meisten Produktionssparten Preisverfall hinnehmen, etwa bei Braugerste und Pommeskartoffeln. Ein Jahr ohne Wiesn und andere Feste verlangte nach weniger davon.

Bei den Feldfrüchten sprach Zankl von einem „ordentlichen Bestand“, einer Durchschnittsernte beim Getreide und auch der Mais stehe gut da. Seit Mai gab es durhgehend Niederschläge, sodass die Kulturen im Fünfseenland in der ganzen Saison gut mit Wasser versorgt waren.

MEG Fünseenland: Binnen 13 Jahren von 49 auf 16 Betriebe gesunken

Die Betriebszahlen im Landkreis bezeichneten Zankl und BBV-Geschäftsführer Thomas Müller als konstant, auch in Hinblick auf den Übergang vom Haupt- in den Nebenerwerb. Kreisvorstandsmitglied Thomas Berchtold berichtete von der MEG Fünfseenland: Dort sei die Mitgliedszahl in den vergangenen 13 Jahren von 49 auf 16 Betriebe zurückgegangen, die verblieben halten ihre 50-60 Tiere alle im Laufstall. Coronabedingt sei der Milchpreis gefallen, gerade für die Betriebe die an die Gastronomie liefern und durch den eingebrochenen Export wegen geschlossener Grenzen nach Italien.

Recht unberührt seien die Schweinehalter im Landkreis vom Schweinestau in den Schlachthöfen, hier arbeite man viel mit regionalen Metzgern. Besorgt wirkte der Bauernobmann und Schweinehalter jedoch beim Thema Afrikanische Schweinepest und den Preisverfall, nachdem im September infizierte Tiere in Brandenburg entdeckt wurden. Kritisch zeigte er sich auch gegenüber dem Ernte- und Betretungsverbot in den ASP-Sperrgebieten. „Bei unserem Freizeitangebot wäre das eine Katastrophe“, sagte Zankl ratlos, wie man die Auflagen aufrechterhalten könnte. Immerhin: im vergangenen Jahr wurden über 1000 Wildschweine in der Region geschossen, und doch sollten die Jäger hier ihre Aktivität noch mehr erhöhen.

Projektwochen Schule fürs Leben am Laufen zu halten ist schwierig

Schwieriger als anfangs gedacht stellt sich die Umsetzung der Projektwochen Schule fürs Leben heraus, bestimmt hängt dies auch mit der Pandemie zusammen, für die Schule rücke ein Bauernhofbesuch derzeit weit in den Hintergrund. Auch bei der Motivation bäuerlicher Betriebe ist noch Luft nach oben, sagte Geschäftsführer Müller. Derzeit seien drei Betriebsinhaber bereit, doch brauche man laut den Bauernvertretern mindestens zehn davon und ganz wichtig: auch tierhaltende Betriebe sollten sich zeigen.

Kreisbäuerin Anita Painhofer wolle Kinder von Digitalem wegbringen, ihnen klarmachen dass es ohne Landwirtschaft „das Leben nicht gäbe“. Trotz Corona sollte der Berufsstand das Positive herausstellen, so ihre Worte. Zankl wolle mehr die Lehrer erreichen und auf das Kultusministerium einwirken. Denn: „Mit einem Tag auf dem Hof ist es nicht getan, wenn die Lehrer von der Landwirtschaft soweit weg sind wie von der Raumfahrt“, sagte er. Geschäftsführer Müller beschäftigt sich hingegen mit Detailfragen, etwa wie die Kinder von A nach B kommen. „Vielleicht haben wir in 1-2 Jahren mehr Glück“, sagte er in Hinblick auf die Pandemie.

Branche ist krisensicher

Gerade wegen der Pandemie und dem damit verbundenen Stellenabbau betonte Zankl. die Landwirtschaft sei eine „coronasichere Burg“. Zwar seien die Einkünfte geringer als in manchen Angestelltenverhältnissen aber die Landwirtschaft sei nicht so von der Krise gebeutelt als andere Branchen.

Weiter betrachteten die Bauernvertreter das Element Wasser, auch hier „alles gut“, kein nitratbelasteter Grundwasserkörper im Landkreis. „Das spricht für gute Wirtschaften unserer Betriebe“, sagte Müller.