Diskussion

Landwirte sorgen sich um ihre Tiere

Wolfsmanagement
Anton Hötzelsperger
am Montag, 15.02.2021 - 17:57

Beim Rosenheimer Kreisbauerntag ging es auch um die wachsende Wolfspopulation. Es benötige Tierschutz für die eigenen Tiere.

Eine ganze Reihe an Themen stand im Mittelpunkt des traditionellen Rosenheimer Kreisbauerntags, zu welchem der Bayerische Bauernverband (BBV) digital geladen hatte. Einen klaren Standpunkt vertrat BBV-Geschäftsführer Josef Steingraber beim Thema Wolf. Dazu betonte Steingraber: „Der Beutegreifer Wolf passt nicht in unsere Kulturlandschaft. Wir brauchen Tierschutz für unsere eigenen Tiere. Eine Einzäunung im Berggebiet geht nur theoretisch.“

Nicht wie üblich mit Blasmusik und bayerischer Geselligkeit, sondern erstmals coronabedingt virtuell fand der Kreisbauerntag statt. Hierzu hatten sich über einhundert Bäuerinnen, Bauern und Ehrengäste online zusammengefunden, um am bayerischen Bauernfeiertag Maria Lichtmess einen aktuellen Einblick in die Situation der heimischen Landwirtschaft zu geben und getrennt voneinander Weißbier, Brezen und Weißwürste zu genießen.

Lesen Sie mehr: Vor allem in Niedersachsen sowie im bayerischen und österreichischen Alpenraum steigt die Zahl der Wolfsrisse.

Ein Video zur Rückkehr des Wolfes sehen Sie hier:

BBV-Kreisobmann Josef Bodmaier bedauerte, dass die Pandemie vieles verändere: „Im Verband fehlen uns durch das Versammlungsverbot die Zusammenkünfte mit den Ortsbäuerinnen und Ortsbauern.“ Einen Schwerpunkt legte Bodmaier auf Maßnahmen der Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit. Deren Ziel sei es gewesen, den gemeinsamen Dialog, zum Beispiel mit dem Bund Naturschutz und mit den Grünen sowie mit den Verantwortlichen des Landratsamtes, zu suchen.

Gemeinsamen Dialog suchen

Das Anliegen sei es stets gewesen, ergebnisorientiert und nicht auf Konfrontation aus zu agieren. Als gutes Signal im Hinblick auf die teils katastrophale Preis- und Einkommenssituation nannte Bodmaier die Aktion „Bauern für Bauern“. Mit dieser wurden bislang 177 Schweine innerhalb der Bauerschaft zu einem vernünftigen Preis vermittelt, wie er sagte. Keine Verweigerungshaltung solle beim Thema Düngeverordung auf Bundes- und Landesebene an den Tag gelegt werden. Vielmehr sollten BBV-Lösungsansätze beachtet werden. „Ein repräsentativeres Meßstellennetz ist in jedem Fall wichtig.“

Beim Brennerbasis-Tunnel stehe der Kreisverband natürlich inter den Bauern. So habe Geschäftsstellenleiter Josef Steingraber in enger Abstimmung mit dem Landwirtschaftsamt und der Bezirksregierung eine 33 Seiten starke Stellungnahme verfasst. „Wenn in Tirol alles unterirdisch gebaut wird und bei uns nicht, dann sind die Rosenheimer Bauern Bürger zweiter Wahl“, kritisierte Bodmaier.
Ergänzend informierte er: „Ein Drittel der Flächen werden für die Bahntrasse benötigt und zwei Drittel für Ausgleichsflächen.“ Dabei gelte es zu beachten, dass diese Ausgleichsflächen nicht aus der landwirtschaftlichen Produktion entnommen werden.

An neue Gegebenheiten anpassen

Zur Anbindehaltung zeigt sich Bodmaier kritisch und zweifelnd: „Hier suchen der Lebensmitteleinzelhandel und die Molkereien Wettbewerbs- und Marktvorteile, nicht immer ist hierbei der Verbraucherwunsch zu erkennen.“ Gleichwohl sei es schon immer so gewesen, „dass sich die Landwirte an neue Gegebenheiten anpassen mussten und investiert haben“.

Abschließend bat der Kreisobmann alle Akteure, der Landwirtschaft mehr Wertschätzung und Planungssicherzeit zu gewähren. Hierzu sei eine insgesamt stärkere Öffentlichkeitsarbeit notwendig. Dieses Thema griff der virtuelle Kreisbauerntag deshalb gleich auf: Dr. Willi Kremer-Schillings, bekannt als Blogger Bauer Willi, lud zu einem informativen Vortrag ein.