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Empörung

Landwirte sauer: Aldi-Kampagne sorgt für Ärger

Protestaktion Aldi Zolling
Helga Gebendorfer
am Dienstag, 08.02.2022 - 10:33

Der Freisinger BBV demonstriert gegen die „Tierwohl-Inszenierung“ von Aldi Süd. Der Discounter nutze seine Marktposition aus.

Zolling/Lks. Freising In allen Kreisverbänden gehen die Landwirte derzeit auf die Barrikaden: Sie ärgern sich über die „Tierwohl-Inszenierung von Aldi“, wie BBV-Präsident Walter Heidl die jüngste Werbekampagne des Lebensmitteldiscounters nennt. Aldi will künftig bei Eigenmarken keine Milch aus Haltungsstufe 1 und ab 2030 Frischfleisch nur noch aus den Haltungsformen 3 und 4 verkaufen. Slogan: „Tierwohl ist eine Frage der Haltung.“ Vor allem sei Tierwohl „eine Frage der Umsetzbarkeit und des Geldes“, schreibt Heidl in einem offenen Brief an Aldi, in dem er „ein Ende der Niedrigpreise“ fordert.

Auch in Zolling versammelten sich am Wochenende Landwirte vor der örtlichen Aldi-Filiale, um dem Marktleiter Heidls Brief zu überreichen. Wie Aldi hier vorpresche und sich mit Tierwohl-Federn schmücke, sei schon „der Hammer“, sagte der Geschäftsführer des BBV Freising, Gerhard Stock. Gleichzeitig stelle der Handelskonzern die Bauern wieder einmal vor vollendete Tatsachen und gefährde damit die regionale Landwirtschaft.

„Wir kommen nicht hinterher. Die Standards steigen, doch offen ist, wer die damit verbundenen Kosten trägt“, so Kreisobmann Georg Radlmeier, der mit dem Schlepper kam. Er fürchtet um die Existenz der Milchvieh-, Schweine- und Bullenmastbetriebe im Landkreis. „Die hohen Kosten fürs Tierwohl bezahlt uns niemand. Die kleinstrukturierte Landwirtschaft wird sich auflösen, die Produktion verlagert sich ins Ausland“, befürchtet Kreisbäuerin Elisabeth Mayerhofer. Rund 45 % der 250 Freisinger Milcherzeuger sind laut BBV Anbindehalter. Viele könnten altersbedingt nicht umstellen und liefen ohnehin bald aus.

„Aldi verkündet großspurig seine Taten und redet sich auf die Verbraucher heraus, doch unsere Betriebe sterben“, sagte Bezirkspräsident Ralf Huber. Die Landwirte seien wütend und enttäuscht. In den vergangenen Jahren habe man zusammen daran gearbeitet, die Tierhaltung weiterzuentwickeln. „Jetzt hat Aldi seine Marktposition ausgenutzt, seine Scheinheiligkeit aufgedeckt und ist an Absprachen vorbei geprescht.“ Wenn die Lebensmittelproduktion in der Region gehalten und Tierwohl wichtiger sein solle, benötigten die Betrieb eine leistbare Zeitspanne und Geld. „Doch mehr Tierwohl und weiterhin billige Preise, das geht nicht“, so Huber, der auch gleiche Standards für alle fordert und die Umstellung nicht nur für heimische Produktion.

Diesen Spot veröffentlichte Aldi Süd in den sozialen Netzwerken:

Die Übergabe des offenen Briefes kam letztlich nicht zustande. Der Marktleiter erklärte sich dazu nicht bereit und verwies an die Aldi-Pressestelle. „Bezeichnend“, findet Geschäftsstellenleiter Stock, „es gibt für uns keinen greifbaren Ansprechpartner“.