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Wetter

Landwirte bangen: Trockenheit setzt massiv zu

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Johanna Fry
am Dienstag, 29.03.2022 - 11:29

Eine starke Frühjahrstrockenheit trifft den Freistaat. Der fehlende Regen und Nachtfröste sorgen für massive Probleme.

München - Ganz Bayern trifft momentan eine starke Frühjahrstrockenheit. An 51 bayrischen Wetterstationen gab es seit 60 Jahren keine vergleichbar lange Trockenperiode mehr. Das ergeben Messungen des Deutschen Wetterdienstes. An einigen Stationen südwestlich von Passau gab es etwa seit über 20 Tagen keinen Regen mehr.

Wind und Sonnenschein lassen besonders die Feuchtigkeit aus den oberen Bodenschichten verdunsten. Das zeigt auch der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums. An der Oberfläche ist ausreichend noch pflanzenverfügbares Wasser da. Die Bodenvorräte in der Tiefe sind bislang noch nicht so stark betroffen. Besonders in der Südhälfte des Freistaats sind die Böden mittlerweile sehr trocken. Dazu kommen starke Nachtfröste.

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„Wir hatten zwei Wochen lang bis zu -10 °C in der Nacht“, sagt Anton Stürzer, BBV-Kreisobmann von München, unserer Zeitung. „Dazu kommt der trockene Ostwind und viel Sonne am Tag. Die Wechselfröste ziehen uns die Böden leer.“ An seiner Wetterstation hat er in den vergangenen drei Monaten bloß 58 mm Niederschlag pro m² gemessen.

Stürzer macht sich besonders Sorgen um das Wintergetreide und den Raps. „Eigentlich brauchen wir jetzt viel Feuchtigkeit für die Bestockung.“ Dazu kommt, dass der Dünger auf vielen Flächen an der Oberfläche liegen bleibt. Die Pflanzen können die Nährstoffe ohne ausreichend Niederschlag nicht aufnehmen. Auch die Wiesen sind durch die trockenen Fröste geschädigt. Der Landwirt rechnet daher mit einem späteren ersten Schnitt.

Im letzten Jahr haben sich die Wälder dank der ausreichenden Niederschläge gut erholen können. Aber Stürzer befürchtet, dass es heuer wieder Probleme mit Borkenkäfern geben könnte, wenn es so trocken bleibt.

Waldbrandgefahr steigt an

Das sonnige trockene Wetter der letzten Wochen lässt besonders die Waldbrandgefahr in den Wäldern steigen. Schon jetzt herrscht mittlerweile im ganzen Freistaat Gefahrenstufe 3. In einigen Teilen Schwabens und des Voralpenlandes gilt sogar schon die zweithöchste Warnstufe 4.

„Im Hochsommer wären diese Werte normal“, sagt Jörg Rakette vom Deutschen Wetterdienst. „Aber noch ist kein frisches Grün da. Das Laub und das abgestorbene Holz sind knochentrocken. Eine Zigarette kann schon ausreichen, um einen Waldbrand auszulösen.“ Die ersten Waldbrände in diesem Jahr waren bereits ausgebrochen. So hatte Anfang vergangener Woche ein Waldbrand die Feuerwehren in der Nähe von Schloss Schwanstein mehr als zwei Tage in Atem gehalten.

Hoffen auf den Niederschlag

Ab Mittwoch wird laut dem Deutschen Wetterdienst aber ein deutlich kälterer und feuchterer Witterungsabschnitt eingeleitet. Die Temperaturen sollen sinken und flächendeckender Regen kommt auf. Rakette rechnet „mit 10 bis 20 mm Niederschlag bis zum Wochenende. Im Nordstau der Alpen kann aber durchaus auch zwei- bis dreimalmal so viel zusammenkommen.“ Die Waldbrandgefahr soll dabei auf die niedrigste Stufe 1 zurückgehen.

Anton Stürzer blickt insgesamt wenig optimistisch auf die aktuelle Wettersituation in Oberbayern. „Nur wenn es noch viel im April regnet, gibt es vielleicht noch eine durchschnittliche Ernte“, sagt er.