Protest

Landwirt kämpft um seinen Hof mit emotionalem Aufruf

Georg Eham und seine Frau Anna Eham
Barbara Höfler
am Mittwoch, 04.08.2021 - 16:21

Mit einer Botschaft stemmt sich Landwirt Georg Eham aus Agatharied gegen das Ende der Anbindehaltung. Das Echo ist positiv.

Agatharied/Lks. Miesbach – Familie Eham hat im Nebenerwerb 16 Kühe. Jeden Tag treibt Anna Eham die Tiere auf die Weide. Ein paradiesisches Bild, wie es für Spaziergänger und Touristen zu Bayern gehört. Viele bleiben stehen, machen Fotos und zeigen ihren Kindern das Idyll. Jetzt bleiben sie stehen, weil ein Schild an der Weidehütte sie auffordert, ein letztes Erinnerungsfoto zu machen, denn, so die Aufschrift: „A Landwirtschaft in dera Form werd’s, nach Willen der bayerischen Politik und des Lebensmitteleinzelhandels, boid nimma gem.“

Dass auch der Bilderbuchbetrieb der Familie Eham vor dem Aus steht, wenn Michaela Kaniber den in ihrer Regierungserklärung geforderten „zügigen Ausstieg aus der ganzjährigen Anbindehaltung“ umsetzt, „das wissen die meisten gar nicht“, sagt Anna Eham. Deshalb haben sie und ihr Mann sich die Aktion mit dem Schuld überlegt. Die Leute sollen erfahren: Anbindehaltung, das meint auch die Kombinationshaltung, wie die Ehams sie auf dem „Leitenbauer Hof“ seit drei Generationen betreiben: kleine Ställe, in denen die Tiere angebunden sind, große Weiden, auf denen sie tagsüber frei grasen können.

Vor ein Dilemma gestellt

„Ich habe nicht den Eindruck, dass unsere Tiere unglücklich sind“, so Anna Eham. „Auch alle anderen sagen uns immer, wie gut die Kühe es bei uns doch haben.“ Trotzdem sollen sie und ihr Mann jetzt enorm in einen neuen Laufstall investieren, was nicht nur die Ehams, sondern zahlreiche kleinbäuerlichen Betriebe vor ein Dilemma stellt. Nicht nur ein Neubau, sondern bereits ein Umbau zu einem Laufstall sei sehr teuer und schwierig.

Einen Laufstall zu bauen, wie die Ehams ihn grundsätzlich auch durchaus befürworten, kann die Familie sich nicht leisten. Schon jetzt trägt sich die kleine Landwirtschaft nur mit dem Gehalt von Georg Eham als KFZ-Meister. Eine so große Investition würde den Hof auf Jahrzehnte verschulden. Und: „Bis alles abbezahlt ist, gibt es wieder neue Auflagen der Politik“, fürchtet er.

Keinen Laufstall zu bauen hieße dagegen, „das uns die Milch über kurz oder lang keiner mehr holt“, sagt Anna Eham. Sie denkt an ihren neunjährigen Sohn, der sich – Stand heute – für die Landwirtschaft interessiert: Sollen sie ihm einen Haufen Schulden hinterlassen? Oder keine Landwirtschaft? Alternativen scheint die bayerische Landwirtschaftspolitik Milchbauern wie Familie Eham derzeit nicht zu bieten.

Großen Zuspruch erhalten

Anna Eham ärgert vor allem, dass die ganz normale betriebswirtschaftliche Frage „Investieren oder nicht“ im Fall der Kombihaltung so ohne Not gestellt werde. Die Haltungsform erfüllt ihrer Meinung nach tierwohlgerechte Standards. Auch Georg Eham ist sich sicher: „Die ansässige Bevölkerung möchte kleine Milchviehbetriebe, die ihren Tieren Weidegang ermöglichen.“ Die Kombinationshaltung genieße eine „hohe gesellschaftliche Akzeptanz“.

Immerhin: Auch Biodiversität gebe es weiterhin nur mit Weidegang. Mit einem Verbot der Kombinationshaltung – direkt oder indirekt durch den Milchpreis – wäre die landwirtschaftliche Kulturlandschaft nicht mehr wie sie heute ist. So bliebe die Hangweide der Ehams, vor der heute so gerne Touristen und Spaziergänger stehen bleiben, wahrscheinlich ungemäht. „Der Hang ist unbefahrbar. Wir brauchen unsere Kühe da auch“, sagt Anna Eham.

Die Familie erhielt auf ihr Schild hin so viel Zuspruch, dass die Ehams sich nun zusammensetzen und überlegen, wie es weitergeht: weitere Aktionen, eine Petition, das ist bis jetzt noch unklar. „Wir hätten nie mit so viel Resonanz gerechnet, aber jetzt sind wir mittendrin und jetzt müssen wir auch weitermachen“, so Anna Eham zum Wochenblatt