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Leben auf dem Land

Landjugend: „Ohne uns kein Stadlfest!“

Johannes Gross und Barbara Weindl Jungbauernschaft
Interview: Bettina Hanfstingl
am Mittwoch, 16.03.2022 - 12:32

Wie pflegt man die Gemeinschaft in der Pandemie? Barbara Weindl und Johannes Groß haben Erfahrung: Die Vorsitzenden der oberbayerischen Jungbauern hielten Kontakt via Internet – freuen sich jetzt aber auf Landjugendarbeit live.

Zwei Jahre Kontaktbeschränkungen waren auch für die Jugend eine Herausforderung. Jetzt liegt alle Hoffnung auf dem Frühjahr, wenn „echte“ Treffen wieder möglich sein sollen. Wie es ihnen ging und was sie planen, erzählten uns Barbara Weindl (25) und Johannes Groß (28), die Vorsitzenden des Bezirksverbandes Oberbayern der Bayerischen Jungbauernschaft (vor dem Kriegsausbruch in der Ukraine).
Wochenblatt: Was hat Euch die vergangenen zwei Jahre am meisten gefordert?
Johannes: Die fehlende Planungssicherheit für Veranstaltungen war für mich das Schlimmste! Man konnte nichts so richtig vorbereiten, da nie klar war, welche Regeln dann gelten.
Barbara: Gemeinschaft ist ja eines der wichtigsten Elemente der Landjugendarbeit. Als man sich nicht mehr treffen konnte, war es daher bald sehr schwer, die Motivation in den Ortsgruppen zu erhalten. Wir wollten unbedingt verhindern, dass sich Resignation breitmacht.
Wochenblatt: Wie habt ihr das gemacht?
Barbara: Wir haben überlegt, was wir in Onlineformaten auf die Beine stellen können und auch einiges gefunden. Rückblickend war das auch ein Türöffner. Wir sind sichtbarer geworden und konnten Mitglieder erreichen, die sonst nicht so aktiv sind.
Johannes: Die Online-Technik hat definitiv Vorteile, vor allem bei Sitzungen. Weite Anfahrten sind kein Problem mehr. Online konnten wir uns zum ersten Mal mit allen Bezirksvertretern treffen, was sonst schwer ist, da viele auf dem Hof oder in der Arbeit eingespannt sind.
Wochenblatt: Wie kamt ihr mit den digitalen Medien zurecht?
Johannes: Die meisten unserer Mitglieder sind zwischen 18 und 30 Jahre alt, für sie ist der Umgang mit der Technik kein Problem.
Barbara: Ja, das hat immer gut und harmonisch funktioniert. Das liegt bestimmt aber auch daran, dass wir keine brenzligen Landwirtschaftsthemen abbilden. Wir haben ja auch immer mehr Mitglieder, die keine Landwirte sind. Die schätzen einfach den Austausch, die ländliche Gemeinschaft und die Brauchtumsförderung. Ohne uns gibt es kein Maibaumaufstellen und kein Stadlfest!
Wochenblatt: Was waren eure Highlights?
Johannes: Das Online-Biertasting mit einem Biersommelier und dem Ring junger Hopfenpflanzer.
Barbara: ...oder das Direktvermarkter-Seminar mit Annika Ahlers von der Münsterländer Bauernbox, einem Online-Hofladen. Trotzdem war die Luft irgendwann raus. Es ist einfach nicht dasselbe, ob man sich online trifft oder live zusammensitzt.
Wochenblatt: Gibt es schon wieder echte Treffen?
Johannes: Ja, derzeit läuft unser Grundkurs in Grainau wieder. Ich hoffe auch, dass wir ab Mai unsere traditionelle Lehrfahrt und im Herbst die Bezirksteamschulung in Grainau durchführen können.
Barbara: Mein Ziel ist jetzt erst mal, die Landjugendarbeit mit Seminaren, Lehrfahrten und Jugendbegegnungen wieder aufleben zu lassen. Wir unterstützen auch unsere Ortsgruppen, möglichst schnell wieder Feste organisieren zu können.
Wochenblatt: Was ist das Schönste an eurem Amt, woraus zieht ihr Energie?
Johannes: Wir möchten einfach möglichst vielen Leuten vermitteln, dass es wichtig ist, Gemeinschaft auf dem Land zu pflegen. Davon lebt das Dorf. Und von einem Ehrenamt nimmt man selbst so viel Wertvolles fürs Leben mit, man wächst daran und entwickelt seine Persönlichkeit. Wir möchten erreichen, dass viele diese Ehrenamtsluft erschnuppern.