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Zukunft gestalten

Landfrauen: Das Leben selber in die Hand nehmen

Landfrauentag Dachau Barbara Becker
Helga Gebendorfer
am Donnerstag, 02.06.2022 - 07:29

Wer hat den Hut auf? Was üblicherweise die Cheffunktion symbolisiert, haben die Landfrauen etwas anders interpretiert.

Landfrauentag Dachau Chor

Markt Indersdorf/Lks. Dachau Erst die Coronapandemie, dann der Ukrainekrieg, jetzt die Inflation und über allem wie eine schwarze Wolke der Klimawandel. „Die Zukunft ist anders als das, was wir kennen“, stellte die CSU-Landtagsabgeordnete Barbara Becker gleich zu Beginn ihres Festvortrages klar. „Es wird ruckeln und dauern, nervig und anstrengend sein.“ Aber: Die Herausforderungen sind zu bewältigen, immerhin.

Daran ließen die Dachauer Bäuerinnen beim Landfrauentag in der Alten Gutsscheune in Häusern keinen Zweifel. Im Bewältigen sind sie schließlich Großmeisterinnen: Anhand von Hüten, die sie sich mit Hilfe von Kreisbäuerin Emmi Westermeier aufsetzte, machte Referentin Barbara Becker den Frauen im Publikum klar, wie viele Aufgaben sie auf sich vereinen. Ein Hut passte da über den anderen, bis der Turm zu kippen drohte.

Becker empfahl den Frauen, nicht zu „überhitzen“, und sich nicht zu viel zuzumuten. „Lassen Sie sich nicht verrückt machen und geben Sie lieber etwas ab, um gesund zu bleiben und sich der Familie zu widmen“, meinte sie.

In ihrem Vortrag „Blick durchs Schlüsselloch in die Zukunft“ schaute Becker so auch der Zukunft gelassen entgegen. Die Forschung etwa entwickle laufend innovative Ideen zum Klimawandel, wie beispielsweise die Verarbeitung von Plastikmüll zu Ziegelsteinen oder Alternativen zur thermischen Entsorgung von Abfällen.

In Sachen Lebensmittelsicherheit war die Landtagsabgeordnete überzeugt: „Die Landwirtschaft wird es weiter geben und sie wird wichtiger werden.“ Sie unterstrich die Rolle der Frauen dabei und appellierte an sie, beim Blick durchs Schlüsselloch die Türklinke in die Hand zu nehmen, die Tür aufzudrücken und die Zukunft aktiv mitzugestalten.

Mitreden und selber Dinge verändern

Wie die Landfrauen selbst ihre persönliche Zukunft sehen, fragte das Wochenblatt etwa Barbara Wallner aus Goppertshofen, Ortsbäuerin und Kreisvorstandsmitglied. Sie hoffe, dass die anfallende Betriebsübergabe bei ihr zuhause gut funktioniert und das Verhältnis zwischen Jung und Alt harmoniert, sagte die junge Frau. Von der Gesellschaft erhofft sich die Bäuerin für die Landwirtschaft mehr Wertschätzung und von der Politik mehr Unterstützung. Dafür habe sie Verantwortung im BBV-Ehrenamt übernommen: „Um mitzureden und selbst etwas zu verändern.“

Maria Reichlmair, Bäuerin aus Frauenhofen, hofft, dass ihr Betrieb die kommenden Herausforderungen einigermaßen gut übersteht und ihr Sohn als Hofnachfolger noch eine Existenz für seine Familie haben wird. Bis dahin will sie sich noch so gut einbringen, wie es geht. „Wenn unser Junior das Zepter in die Hand nimmt, möchte ich mich etwas zurückziehen und mir mehr Freiraum nehmen“, sagte sie. Von der Bevölkerung wünscht sie sich, dass Lebensmittel mehr geschätzt werden – mehr als zum Beispiel das Freizeitverhalten.

Mehr Anerkennung und Akzeptanz für die Leistung der bäuerlichen Betriebe war auch ein Anliegen von Monika Augustin aus Maisbrunn. In den Schulen werde dabei in verschiedenen Projekten für Kinder etwas getan, um ihnen die Landwirtschaft näher zu bringen. Aber auch in der Politik ist ihrer Meinung nach die Wertschätzung für die Branche noch nicht ausreichend vorhanden. Die überbordende Bürokratie sei ein großer Hemmschuh. „Wir müssen zusammenstehen und uns zusammentun, um mit einer Stimme unsere Sorgen und Nöte deutlich zu machen“, findet Monika Augustin.

Schwierigkeiten miteinander stemmen

Dem stimmte Kreisbäuerin Emmi Westermeier zu. Sie bat die Zuhörerinnen, zu überlegen, wo und wie sie sich für die Gestaltung der Zukunft engagieren können. Als Themenfeldern der Zukunft nannte sie die Rolle der Landwirtschaft bei der Bewältigung von Klimaschutz und Ernährungssicherheit, die wirtschaftliche und soziale Absicherung der Bäuerin und die Außendarstellung und Anerkennung der Leistung von Bauernfamilien.

Oberbayerns Bezirksbäuerin Christine Singer legte den Frauen ans Herz, sich für ein Amt im Bauernverband zur Verfügung zu stellen. „Die Zeiten werden nicht einfacher und die Themen sind vielfältig“, sagte Singer. „Nehmen Sie das Heft in die Hand und bringen Sie sich ein!“

Lob für die Landfrauen hatte Landrat Stefan Löwl mitgebracht. „Krisen können nur mit Substanz bewältigt werden und die Landfrauen sind wertvolle Stützen, die diese gesellschaftliche Substanz tragen“, sagte Löwl. Die Familien und das dörfliche Vereinsleben seien die Säulen, die die Traditionen über Generationen hinweg weitergeben. Für den Landrat steht fest: „Diese Aufgabe ist sehr wichtig und Teil der Resilienz.“