Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Die nächste Weidesaison kommt

Die Lage eskaliert: Wolfsriss nähe Wohnhaus

Wolf-Wolfsriss-Bayern-Wohnhausnähe
Barbara Höfler, BLW
am Mittwoch, 30.11.2022 - 15:30

"Neue Eskalationsstufe erreicht": Wolfsriss in der Nähe eines Wohnhauses. Joseph Grasegger vom Verband Bayerischer Schafhalter fordert erneut das sofortige Herabsetzen des Schutzstatus beim Wolf.

Böbing/Lks. Weilheim-Schongau Joseph Grasegger, Vorstand des Verbandes Bayerischer Schafhalter, sprach sich gegenüber dem Sender BR24 abermals für die Senkung des Schutzstatus des Wolfes aus. Der Riss eines Schafes im oberbayerischen Böbing am 1. November (Wochenblatt berichtete) zeige eine neue Eskalationsstufe. Der Wolf schlug soll hier bei Tag zugeschlagen haben und lediglich 20 m vom Wohnhaus der Schafhalter entfernt.

Wolf in Bayern: Jetzt dringend handeln!

Während das LfU seit Mai 2022 nur drei Fotonachweise von Wölfen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen und lediglich einen im Landkreis Weilheim-Schongau zählt, spricht Grasegger von zahlreichen Bildbelegen, aufgezeichnet von Wildkameras in der Region, auf denen auch zwei Wölfe auf einmal zu sehen seien. Jetzt müsse dringend gehandelt werden, fordert er, und zwar bevor die nächste Weidesaison beginnt.

Im Ammergebirge, im Nachbarlandkreis von Weilheim-Schongau. hatten sich im Sommer so viele Risse ereignet, dass zahlreiche Bauern ihre Tiere vorzeitig von den Almen getrieben hatten. Die Mitglieder der Weidegenossenschaften dort lehnen die Entschädigungszahlungen, die der Freistaat ihnen pro totem Schaf bezahlt, ab. Für Grasegger, der auch Vorsitzender der Weidegenossenschaft Partenkirchen ist, handelt es sich dabei lediglich um „Blutzoll“. Was es stattdessen brauche, sei der Schutz der Weidewirtschaft vor dem Wolf.

Förderkulisse für Herdenschutzzäune

Aufgrund der vielen Risse und Wolfshinweise im nördlichen Landkreis Garmisch-Partenkirchen seit Juli 2022 hat das LfU am 8. November nun auch mehrere Gemeinden im Landkreis Weilheim-Schongau in die Förderkulisse für Herdenschutzzäune aufgenommen. Weidetierhalter, die in der Kulisse liegen, können sich die Anschaffung von Zaunmaterial staatlich fördern lassen.

Martin Bartl, Geschäftsführer des Verbandes Bayerischer Schafhalter, rät Landwirten dazu, die Förderkulisse in iBalis über die eigenen Flurnummern zu legen, um so auf unkompliziertem Weg zu sehen, ob der eigene Betrieb in der Kulisse liegt. Schafhalter ohne Zugang zu iBalis können dazu ihre Adresse in eine interaktive Karte auf der Seite des LfU eingeben.

Die Hoffnung auf eine schnelle Beschaffung von Herdenschutzzaunmaterial muss Bartl allerdings zerstreuen. Er selbst hatte im August vier Zäune bestellt. Jetzt, Ende November, wurden sie geliefert – und kosten auf der Seite der Herstellers jetzt deutlich mehr als noch im Sommer.

Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt