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Kontroverse

Kuhfladenstreit: Aiwanger zahlt das Bußgeld

Kuhfladenstreit: Aiwanger übernimmt Bußgeld
Philipp Seitz
Philipp Seitz
am Montag, 01.08.2022 - 16:43

Im Ärger um Kuhfladen auf der Straße kam der stellvertretende Ministerpräsident Hubert Aiwanger auf die grüne Wiese. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber will dem Ganzen nicht zu große Aufmerksamkeit schenken.

Pähl/Lks. Weilheim-Schongau - Im oberbayerischen Pähl ist die Welt eigentlich in Ordnung: Weißblauer Himmel, Kühe auf der Weide und eine Kirchenglocke, die noch schlagen darf. Doch seit kurzem ist die 2500-Seelen-Gemeinde die prächtige Kulisse für ein besonderes Sommertheater, das der Freistaat in dieser Form noch nicht erlebt hat. Es geht dabei im wahrsten Sinne des Wortes um Mist: Um großen Ärger wegen ein wenig Kuhfladen.

Die dränge Frage: Mit wie viel Kuhfladen dürfen Kühe die Straßen im Ort verunreinigen? Und wann ist es genug? Ein Thema, an dem sich vor Ort die Geister scheiden. Am Montag kam nun der stellvertretende Ministerpräsident, um sich höchstpersönlich dieser Fragestellung anzunehmen - und um eine PR-Show auf der Kuhweide zu inszenieren. Laut der "Welt" war die Visite von Aiwanger einer „der meistbesuchten Pressetermine in der Geschichte des bayrischen Wirtschaftsministeriums".

„Schauen wir mal, ob die Kühe noch scheißen dürfen“

Entsprechend gut aufgelegt war der 51-jährige FW-Politiker: „Schauen wir mal, ob die Kühe noch scheißen dürfen“, sagte Aiwanger und schritt zur Tat. Vor Ort überreichte er 130 Euro an einen Landwirt, schön sichtbar in eine Klarsichtfolie gepackt. Mit Landwirt Georg Schweiger ist sich Aiwanger einig: 130 Euro für Kuhfladen auf der Straße – das ist wirklich Mist. Und weil Kühe zum ländlichen Leben dazu gehören, dürfe es nicht sein, dass der Landwirt für die Kuhfladen 128,50 Euro von der örtlichen Gemeinde aufgebrummt bekommt. Dass Kühe mal etwas fallen lassen, das gehöre im ländlichen Raum dazu – so wie das Läuten des Kirchturms oder das Krähen des Hahns, erklärte Aiwanger. Dafür gab es Applaus von den in Scharen erschienen Schaulustigen. Die grüne Wiese hatte Landwirt Schweiger kurzerhand mit Biergarnituren in ein Bierzelt-ähnliches Terrain umfunktioniert. Für alle Besucher von Aiwangers Visite gab es Wurstsemmeln, kaltes Bier und Kuchen.

Aiwanger

Das Thema Kuhfladen sieht Aiwanger, selbst gelernter Landwirt, nicht nur bei seiner Kabinettskollegin und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber angesiedelt. Er sei auch Tourismusminister, und deshalb falle das Thema sehr wohl in seine Zuständigkeit, betonte Aiwanger. Das habe er natürlich drauf. Seiner Kabinettskollegin Michaela Kaniber dürfte der jüngste PR-Coup Aiwangers auf der grünen Wiese nicht sonderlich gefallen. Immer wieder gibt es innerhalb der Koalition Streit, weil sich Aiwanger engagiert auch in landwirtschaftliche Themen einmischt. 

Und was sagt Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber? Sie will dem Thema keine allzu große Beachtung schenken. Das Medieninteresse hat in dieser Sache sowieso schon Hubert Aiwanger auf sich gezogen. Nach ihren Beobachtungen, sagt Kaniber, beschäftige die Bevölkerung und Landwirtschaft derzeit viel mehr, „welchen Beitrag unsere Bäuerinnen Bauern zur Bewältigung der Hungerkrise und der Energiekrise leisten können“. „Das sind die viel drängenderen Fragen unserer Zeit.“ Dennoch sei klar: „Wer Kühe auf der Weide will - und das wollen wir wohl alle - der muss auch akzeptieren, dass Kühe über die Straße müssen.“ Und da brauche es das Verständnis der Bevölkerung, dass es auch eine gewisse Zeit dauern kann, bis die Verschmutzungen auf der Straße wieder beseitigt sind.

Kuhfladen als höhere Gewalt

Der örtliche Kreisobmann Wolfgang Scholz hat zu der Debatte eine klare Meinung: „Es ist doch selbstverständlich, dass eine Kuh auch mal einen Fladen fallen lässt.“ Das so etwas mit einem Bußgeld belegt werde, dass sei für ihn bislang unvorstellbar gewesen. Nun sei die Politik am Zug: „Nach den schönen Worten müssen nun Taten folgen. Eine solche Bußgeldanordnung darf nicht mehr möglich sein. Hier geht es auch um die Verhältnismäßigkeit!“ Es sei einfach „höhere Gewalt, dass die Kuh nun mal ihren Fladen loslässt.“