Grünlandpflege

Kreuzkraut: Ausstechen, nachsäen, sofort entsorgen

3 - Lawobl
Martina Fischer
am Dienstag, 28.07.2020 - 10:36

Der BBV Miesbach, das Amt und der Bund Naturschutz klären über das Kreuzkraut auf.

2 - Kreuzkraut
Das Kreuzkraut wandert vom Süden in den Norden. Das ist die Erfahrung im Kreis Miesbach seit rund drei Jahren. Für Warmblüter wie Pferde, Kühe oder Schafe ist es tödlich, zerstört die Leber nach und nach. Deshalb wird man beim Landwirtschaftsamt nicht müde, die wirksame Bekämpfung des Kreuzkrauts zu propagieren, Tipps zu geben, Landwirte, aber auch andere Beteiligte zu informieren, etwa die Autobahndirektion, die Gemeinde oder den Bund Naturschutz. Weiteres Ziel: Bewusstseinsbildung bei der Bevölkerung. Ein Informationstermin zusammen mit dem BBV fand kürzlich im Landkreisnorden auf dem Hof der Familie Reimann in Föching statt.

Tödliche Wirkung aufzeigen

Für den Sinn der Bekämpfung will Amtsmitarbeiterin Elisabeth Kitzeder auch die Bürger sensibilisieren, die die Landwirte teils negativ konfrontieren würden. Man müsse den Verbrauchern die tödliche Wirkung des Kreuzkrauts aufzeigen: „Die Leute sehen das oft nicht ein, weil das ja so schöne gelbe Blüten sind.“
Dem pflichtete BBV-Kreisbäuerin Marlene Hupfauer bei. Sie hatte Verständnis für das Interesse der Bürger an Biodiversität, aber verständlicherweise nicht bei dieser Pflanze. „Blühwiesen sind wunderbar. Aber dieses Kraut müssen wir bekämpfen.“

25 gut angepasste Arten, zehn Jahre keimfähig

Dass hierfür auch die Landwirte bestmöglich informiert werden müssten, betonte Kitzeder. Das Kreuzkraut mit seinen 25 Arten sei in seinen Eigenschaften beeindruckend, genau deshalb aber umso schwieriger in Schach zu halten. Die verschiedenen Varietäten hätten sich an unterschiedliche Bedingungen angepasst - von trockenen bis zu nassen Standorten. Zudem seien die Samen im Boden ganze zehn Jahre keimfähig.
Eine Möglichkeit der Bekämpfung sei eine intensive Bewirtschaftung mit mindestens drei Schnitten pro Jahr. Dies gelte jedoch nicht für das Jakobskreuzkraut, das sich hier wenig beeindruckt zeige und sei auch bei extensiven Flächen nicht machbar.

Keine Lücken in den Wiesen lassen

Sobald die Pflanze auftauche, sei erst einmal aufwändiges Ausstechen angesagt. Passende Schutzkleidung sei dafür notwendig, da das Kraut ein Kontaktgift enthalte, das auch die menschliche Leber schädige. Es sollten in der Wiese danach keine Lücken belassen werden, die geradewegs eine Einladung für das Kreuzkraut darstellen. „Nachsäen, nachsäen, nachsäen“, war Kitzeders Aufforderung. Das könne nicht oft genug betont werden.
Auch wichtig: sofort entsorgen, da die Pflanze binnen vier Stunden zu einer Notreifung der Samen fähig sei. Das Landkreis-Abfallunternehmen Vivo nehme laut eigener Auskunft Pflanzen an, so Kitzeder. Ansonsten wären Heißkompostierung, Müllverbrennung und die Biogasanlage weitere Möglichkeiten. Ebenso unabdingbar sei es, dass alle bei der Bekämpfung in der Fläche zusammenhelfen: die Landwirte, Gemeinden, Autobahndirektion und Bahn. Das Kraut mache schließlich an Grundstücksgrenzen nicht halt.
Dass man bei dieser Pflanze umdenken müsse, fand auch ein bei der Veranstaltung anwesender Landwirt. Er bewirtschaftet Naturschutzflächen für den Landkreis Miesbach, dürfe dementsprechend nicht so oft mähen. „Und dadurch wird die Verbreitung gefördert“, war sein Resümee.
Auf umfassende Sensibilisierung aller Beteiligten setzte BBV-Kreisobmann Hans Hacklinger. Ein langes Ringen werde es auch aufgrund der Widerstandsfähigkeit des Kreuzkrautes sein. „Aber ich hoffe, dass wir es schaffen,“ blickte Hacklinger in die Zukunft.
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