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Kloster Scheyern feiert 900-jähriges Bestehen

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Andrea Hammerl
am Dienstag, 04.06.2019 - 08:35

Hier hat die Landwirtschaft Tradition

Seit 900 Jahren leben und wirken Benediktiner im Kloster Scheyern, Kreis Pfaffenhofen. Ihr Jubiläum feiern die derzeit elf Benediktiner um Abt Markus Eller das ganze Jahr – mit Festakt und Jubiläumsausstellung.

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Wie Seelsorge und Bildung – heute ist die BOS/FOS Pfaffenhofen samt Wohnheim im Kloster beheimatet – hat auch die Landwirtschaft Tradition für die Mönche. Sitz der Landwirtschaft ist der Prielhof, etwa 500 m westlich des Klosters am Fuße des Klosterbergs gelegen. Bereits 1107 wurde im Güterverzeichnis ein Besitz namens Brŏle erwähnt. Das Land gehörte also der Gemeinschaft schon, bevor die im Jahr 1076 durch Graf Otto I. von Scheyern und dessen Frau Hadziga in Bayrischzell gegründete Abtei im Jahr 1119 auf den verlassenen Stammsitz der Grafen von Scheyern, die sich damals bereits „von Wittelsbach“ nannten, verlegt wurde.

Wechselhafte Geschichte des Prielhofes

Der Prielhof diente vor allem der Eigenversorgung des Klosters und seiner Bewohner und weist eine wechselhafte Geschichte auf. Im Laufe der Jahrhunderte wurde er immer wieder an sogenannte Grundholden verpachtet, dann wieder für einige Zeit selbst bewirtschaftet. 1804 ersteigerte ein Bierbrauer die Klostergebäude samt Brauerei, Prielhof, Felder, Wiesen und dem Großteil des Scheyrer Forstes. Mehrmals wechselten die Besitzer, bis König Ludwig I. 1838 dem wiedererstandenen Kloster die Gebäude und den Prielhof zurückgab.
Ab 1990 verpachteten die Benediktiner ihre Landwirtschaft an den Freistaat Bayern, der hier ein Forschungsprojekt des Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt GmbH (früher: GSF) – betrieb. Forst und Teichwirtschaft blieben in den Händen der Benediktiner, die seit 2015 auch den Prielhof wieder in Eigenregie übernahmen.

Zweinutzungshühner etablieren

„Zuerst war das Huhn“, erzählt der Cellerar Pater Lukas Wirth. Die rund 450 Legehennen leben in zwei mobilen Hühnerställen, die Eier werden direkt in der Klostermetzgerei vermarktet oder zu Nudeln weiterverarbeitet, die im Klosterladen erhältlich sind. Gehalten werden Legehybriden der Zuchtlinie Lohmann Braun. Ab Sommer will man auf die Zweinutzungsrasse Coffee und Cream umstellen, deren Hähne wirtschaftlich eigenständig gemästet werden.

Käserei für Ziegenmilch geplant

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Die große Leidenschaft von Gutsverwalter Stefan Biedenbach aber gehört den rund 200 Thüringer Waldziegen, einer widerstandsfähigen, aber gefährdeten Rasse, deren Erhalt sich die Benediktiner widmen und deren Milch den Frühstückstisch bereichert. „Sie sind genügsam und haben eine gute Milchleistung“, erklärt Biedenbach und zeigt auf die achtjährige Julia, die täglich als letzte gemolken wird. Ihre Milch geht direkt in die Klosterküche. Aktuell bleibt die Ziegenmilch den Ziegenkitzen, in Planung ist aber eine eigene Käserei, die noch im Jubiläumsjahr verwirklicht werden soll. Sieben Zuchtböcke – zwei zum Decken, fünf als Nachzucht – gehören zur Herde, alle Tiere behalten ihre Hörner. „Das ist für uns selbstverständlich“, betont Pater Lukas. 50 der rund 100 Muttertiere dürfen jeweils den Sommer auf der Alm im Leitzachtal verbringen, wo ihre Milch in der dortigen Käserei verarbeitet wird, die übrigen Ziegen beweiden das Grünland des Klosters. 35 ha Weidefläche bieten natürlich weit mehr Tieren Futter, daher weiden auch Pinzgauer Rinder auf den klösterlichen Weiden. Sie werden in der Klostermetzgerei im eigenen Haus geschlachtet sowie verarbeitet und vom Kloster selber vermarktet.

Bürokratie als schleichende Enteignung

Schwerpunkt der klösterlichen Landwirtschaft aber ist der Ackerbau. Auf 100 ha Ackerfläche werden Weizen, Roggen, Dinkel, Ackerbohne, Kartoffeln und als Zwischenfrüchte Kleegras sowie Leguminosen angebaut, alles ökologisch nach den Richtlinien des Naturland-Anbauverbandes. „Der Wiederaufbau der eigenen Landwirtschaft ist eine Riesenherausforderung, vor allem, den bürokratischen Vorschriften gerecht zu werden“, betont Pater Lukas. „Die Bürokratie ist eine schleichende Enteignung.“ Zudem waren Gebäude und Ausstattung veraltet, sodass 2015 zunächst eine neue, moderne landwirtschaftliche Halle oberhalb des Prielhofes errichtet wurde, die das eigentliche Zentrum der Landwirtschaft mit Maschinen, Werkstatt und Lager für Getreide, Saatgut, Heu und Stroh darstellt. Büro und weitere Lagerräume sind weiterhin im Prielhof zu finden. Vermarktet werden die Produkte möglichst direkt mit eigener Vermarktungsstruktur und Kooperationen mit Betrieben aus der Umgebung. So backt ein Bäcker Bioklosterbrot aus dem Getreide des Klosters, in der Klostermetzgerei werden Fleisch und Wurst aus eigener Schlachtung von Tieren heimischer Kooperationsbetriebe sowie Eier, saisonal auch Wild und Fische aus eigener Herstellung angeboten. Die Teichwirtschaft der Mönche geht auf das Hochmittelalter zurück, als hier Karpfen gehalten wurden. Heute schwimmen Karpfen, Forellen, Hechte, Wels und Zander in den insgesamt 16 bis 17 ha großen Teichen.
Kartoffelkisten sind schon lange ein Renner und natürlich kommen in der (verpachteten) Klosterschenke, deren mehr als 400-jähriger Tradition sich die Benediktiner verpflichtet fühlen, vorzugsweise eigene Produkte auf den Tisch. Dazu zählt auch das Bier aus der Klosterbrauerei, die seit 2006 wieder in Eigenregie betrieben wird.

Laubwaldinseln im Fichtenbestand

Förster Reiner Behringer betreut 450 ha klostereigenen Forst. Hauptbaumart in den Altbeständen ist die Fichte, „der Brotbaum der Forstwirtschaft“, wie Pater Lukas sagt. Dennoch wird seit rund 600 Jahren daran gearbeitet, sowohl den Holzvorrat als auch den Anteil der Laubbäume zu erhalten. „Nachhaltigkeit war schon im 17. Jahrhundert Thema unserer Landwirtschaft“, erzählt der Cellerar, das bewiesen Aufzeichnungen eines Bruders, der sehr genau darauf achtete, dass nicht mehr geschlagen als wieder aufgeforstet wurde.
„Wir wirtschaften standortgemäß“, sagt Behringer, wobei das tertiäre Hügelland eine breite Vielfalt an Baumarten ermögliche. So werden unter anderen Rotbuchen, Eichen, Edellaubholz und Wildobstarten wie Wildbirne, Wildapfel, Elsbeere oder Speierling gepflanzt. In der Region neue Baumarten wie Schwarznuss – auf gut wasserversorgten Standorten – oder Esskastanie, die aus trockeneren Gebieten wie der Mittelmeerregion stammt, sollen helfen, den Ausfall heimischer Arten wie der Esche, die durch das Eschentriebsterben nahezu zum Totalausfall wurde, zu kompensieren. Gute Erfahrungen macht Behringer mit der Flatterulme, die im Gegensatz zur Berg- und Feldulme gegenüber dem Ulmensplintkäfer und dem von ihm übertragenen Pilz resistent zu sein scheint. Es dauert, den Laubholzanteil zu steigern. „Das ist nichts Neues, meine Vorgänger haben schon vor 40 Jahren damit begonnen“, betont Behringer. Zehn Jahre lang tue sich auf den ersten Blick wenig, dann aber entwickelten die in Fichtenbestände hineingesetzten Laubwaldinseln eine erfreuliche Eigendynamik.

Um den Klosterwald klimastabiler zu machen, werden auch Nadelbäume wie Douglasie, Weißtanne und Lärche in die Fichtenbestände eingebracht. Im Offenland des Klosterguts wachsen Waldhasel, Eberesche und Moorbirke sowie alte Obstsorten als Solitär- und Alleebäume, um die Biodiversität zu erhöhen. Zum 900-jährigen Jubiläum wurden mit Schülern 900 Bäume gepflanzt.

Der Klosterforst dient nicht nur der Holzwirtschaft, sondern liefert zugleich über Waldhackschnitzel die Energie für das Kloster, das über eine Hackschnitzelheizung beheizt wird.