Ortstermin

Mit Klima und Wild klarkommen

Arge-Jagd-Erding_LF
BLW
am Dienstag, 06.04.2021 - 18:25

Die Arge Jagd im Landkreis Erding sprach über die Waldbewirtschaftung und die aktuellen Herausforderungen.

Aktuell wird die Novelle des Bundesjagdgesetzes im Deutschen Bundestag beraten. Dies nahm die Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer (Arge Jagd) im Landkreis Erding zum Anlass, um über die Waldbewirtschaftung und die Herausforderungen, die beim Umbau des Fichtenwaldes in einen klimastabilen Mischwald auftreten können, zu sprechen.

Der begeisterte Waldbauer Robert Grimm ist davon überzeugt, dass in Zeiten des Klimawandels nur ein vielfältiger Mischwald mit Tanne, Buche, Eiche und anderen Laubbaumarten eine Zukunft hat.

Naturverjüngung ist der Idealfall

Für Fritz Gruber, den Vorsitzenden der Arge Jagd, wäre die Naturverjüngung der Idealfall, da ein selbst angeflogener und herangewachsener Baum ein viel kräftigeres Wurzelwerk als eine Pflanze aus der Baumschule besitze. Damit das in der Praxis auch funktioniert, sei ein angepasster Rehbestand unabdingbar.

Jagdvorsteher Markus Ernst hatte das letzte Verbissgutachten dabei, das einen zu hohen Verbiss der Bäume bescheinigte. Und der stellvertretende Arge-Jagd-Vorsitzende Johannes Oberndorfer sieht im Verbissgutachten, wie es laut dem Bayerischem Jagdgesetz praktiziert wird, das Mittel der Wahl, eine echte Grundlage zur Situation im Wald zu haben, um dann in Zusammenarbeit mit Waldbesitzer und Jäger die richtigen Schlüsse für die Bewirtschaftung zu ziehen.

Landrat Martin Bayerstorfer unterstützt den im Bayerischen Jagdgesetz festgeschriebenen Grundsatz „Wald vor Wild“ und untermauerte die Positionierung von Forstministerin Michaela Kaniber hinsichtlich des Aufbaus eines klimastabilen Mischwaldes und der Reduzierung des Wildbestandes.

Jäger Johann Haslberger berichtete über die Probleme mit dem zunehmenden Freizeitdruck in den Wäldern und über eine persönliche Begegnung mit einem Jogger um zwei Uhr nachts. Und Forstamtsleiter a. D. Heinrich Knörr sprach von unredlichen Aussagen, die er immer wieder gehört habe. Vertreter des Bayerischen Jagdverbands würden demnach behaupten, Waldbesitzer hätten die Ausrottung der Rehe im Sinn, wenn sie höhere Abschüsse fordern.

Intelligente, individuelle Lösungen umsetzen

BBV-Vize-Kreisobmann Michael Hamburger unterstrich die Wichtigkeit der Reduzierung des Wildbestandes in Problemgebieten, damit der Waldumbau funktionieren kann. „Sogar die Naturschutzverbände um Nabu und BUND haben sich ganz klar in diese Richtung positioniert und die Priorität hinsichtlich des Klimawandels erkannt.“ Bauern und Jäger müssen miteinander intelligente, individuelle Lösungen für den jeweiligen Jagdbezirk finden und sich gegenseitig unterstützen, beispielsweise bei Drückjagden oder der Anlage von Schussschneisen in den Feldern.

Grimm möchte nun mit seinem Jäger ein Konzept erarbeiten. An geeigneten Stellen im Wald soll mit der Unterpflanzung von kleinen Tannen begonnen werden, damit sich diese in den nächsten Jahren entwickeln können und den Waldbestand insgesamt stabiler machen.