Betriebskonzept

Kleiner Hof, große Gedanken

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Roland Lory
am Montag, 18.02.2019 - 10:01

Daniel Haser aus Bad Bayersoien hält Hühner und Waldschafe. Er verkauft Rindfleisch sowie – zusammen mit einem Koch – Suppen und Soßen.

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Der regionale Gedanke, das Kleinstrukturierte, hat es Daniel Haser angetan. Auf dieser Basis arbeitet der Landwirt in Ausbildung aus Bad Bayersoien, einem 1200-Einwohner-Dorf im Ammertal. Und ist dabei durchaus kreativ. Zusammen mit dem Koch David Hauer bringt der 28-Jährige seit Kurzem Suppen und Soßen auf den Markt. Der Verbraucher kann sie im Glas in verschiedenen Dorfläden der Umgebung erstehen.
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Die Zutaten stammen aus der Region, auf chemische Zusätze und dergleichen wird verzichtet. „Wir haben ein ständig wechselndes Sortiment“, erzählt Haser. Da gibt es zum Beispiel Geflügelbolognese, Champignonragout, Chili con Carne, Hühnersuppe oder auch Gulasch. In Unterammergau wurde eine Küche angemietet. In dieser steht Hauer einmal pro Woche und bereitet die Gerichte zu.

Vom Hof und von anderen

Die Rohstoffe kommen zum Teil von Hasers Hof. So hält er 350 Legehennen. Die Eier gehen zum einen in die Gastronomie, zum anderen steht am Haserhof ein Eierschrank. Die B-Ware wird zu Nudeln und Eierlikör verarbeitet. Im Sommer mästet der Bad Bayersoier Hähnchen.
Zudem hat er 35 Mutterschafe, vor allem Waldschafe, eine gefährdete Rasse. Die Tiere sind das ganze Jahr draußen. Der Betrieb setzt auf ein stallloses System. „Die Fichten bieten ausreichend Schutz vor Wind und Wetter“, betont Haser. Er ist „überglücklich“ mit der Tier- und Hufgesundheit.
Ein weiteres Standbein Hasers ist die Vermarktung von Bad Bayersoier Rindfleisch. Die Färsen und Ochsen stammen vom Bioland-Betrieb von Michael und Birgit Weingand. Die Tiere werden ganzjährig mit Heu oder frischem Gras gefüttert. Den Sommer verbringen sie auf Viehweiden am Haselbach. Wie die Lämmer werden auch die Rinder im Kreisschlachthof Garmisch-Partenkirchen geschlachtet. „Ein ganz toller Partner“, unterstreicht Haser. Im Schlachthof werden die Rinder auch zerlegt, hergerichtet und vakuumiert. Haser fährt das Produkt einmal im Monat in Bad Bayersoien aus. Besonders gut gehen kleine Pakete mit 2,5 kg. Haser beliefert im Kurort 40 Haushalte mit Fleisch. „Die Leute nehmen es sehr gut an. Darüber sind wir sehr froh.“ Jeden Monat wird ein Rind geschlachtet.
Das Bedürfnis der Menschen, über Nahrungsmittel und deren Produktion zu reden, ist nach Hasers Erfahrung groß. Der 28-Jährige ist überzeugt: Je mehr der Verbraucher „weiß, desto weniger macht er seine Kaufentscheidung am Preis fest“. Bezüglich des Angebots geht er auf die Kundenwünsche ein. So wird viel Kurzgebratenes nachgefragt.
Auch Bienen leben auf dem Haserhof. Zwei Brüder aus dem Nachbardorf kümmern sich darum. Zudem hat Haser die Wiesen um den Hof mit Obstbäumen bepflanzt. Schon bald werden sie Äpfel, Birnen, Zwetschgen und Mirabellen tragen.
Auf Subventionen verzichtet Haser komplett. „Es ist uns wichtig, dass wir frei und unabhängig sind“, sagt er und spricht damit auch für seine Ehefrau Stefanie (28), die als Grafik- und Webdesignerin für Direktvermarkter tätig ist. „Ich arbeite lieber markt- als subventionsorientiert.“ Es gehe um ein freiheitliches Handeln. Er will aber niemanden verurteilen, der Zahlungen empfängt. „Jeder Betriebsleiter ist ein selbstständiger Unternehmer.“
Haser verzichtet zudem auf eigene Maschinen. Er setzt stattdessen auf Kooperationspartner. „Es gibt genügend Maschinen vor Ort.“ Selber in welche zu investieren, lohne sich wegen der mangelnden Auslastung nicht. Die Fläche ist überschaubar. Haser hat lediglich 4 ha.

Inzwischen läuft’s

Der eingeschlagene Weg scheint zu funktionieren. „Wir stehen stabil da und sind aus dem Gröbsten raus“, sagt Haser. Mit 50 Hennen hat er vor ein paar Jahren angefangen. Machen, ausprobieren – so lautet sein Credo. „Es entsteht viel Neues, was richtig Spaß macht.“ Ausbildungstechnisch hat der angehende Landwirt bereits einige BILA-Kurse besucht. „Ich muss irgendwann meine Abschlussprüfung machen.“ Doch Haser hat gut zu tun. Gerade entsteht in der alten Maschinenhalle ein Aufenthaltsraum für Kindergartenkinder und Schüler sowie ein Büro. Und der kleinen Tochter, die 2018 zur Welt kam, will er natürlich auch viel Zeit widmen.