Wald-Pflanzgarten

In der Kinderstube für den Klimawald

zweijährige Roteichen
Monika Konnert
am Donnerstag, 01.07.2021 - 13:30

In Laufen-Lebenau wachsen die Waldbäume von morgen. Die Nachfrage nach Pflanzen für einen klimastabilen Wald wächst rasant.

Sie stehen in langgezogenen Reihen dicht an dicht, ein-, zwei- oder mehrjährige Pflanzen unterschiedlichster Waldbaumartenwie Eiche, Buche, Tanne und viele mehr. Manche sind noch recht klein und zart und werden mit dunkelgrünen Netzen gegen Sonne, Wind und Wetter geschützt. Andere zeigen schon stolz ihr erstes Blätterkleid, während die ältesten sich mit ihrer inzwischen stattlichen Höhe von bis zu einem Meter selbstbewusst der Sonne entgegenstrecken.

In der Kinderstube des Waldes von morgen, im Pflanzgarten Laufen-Lebenau der Bayerischen Staatsforsten, fühlen sich die Bäume sichtlich wohl. Die Sonne strahlt vom Himmel, die Böden sind nach den regenreichen Monaten April und Mai noch gut mit Wasser gefüllt. Gehegt und gepflegt von elf Mitarbeiterinnen und drei Mitarbeitern werden die Pflanzen bis zum Herbst an Höhe zulegen.

Nachfrage wächst rasant

Dann wird ein Teil von ihnen ausgehoben und überwiegend in den Wäldern der Bayerischen Staatsforsten im südlichen Bayern ausgepflanzt. Wegen Corona war es im vergangenen Jahr nicht möglich, aber dieses Jahr werden auch wieder Pflanzen in geringen Mengen an die Waldbesitzer in der Umgebung verkauft. Auch in den Privatwäldern werden viele Pflanzen benötigt, um den Wald für den Klimawandel fit zu machen.

Elsbeere_Container

„Die Nachfrage nach Pflanzen für einen klimastabilen Wald wächst rasant“, erklärt Pflanzgartenleiter Andreas Ludwig bei einem Rundgang durch den Betrieb. 1,5 Mio. Forstpflanzen unterschiedlichster Baumarten und Herkünfte habe man im vergangenen Jahr hier produziert. Auf drei Hektar habe man in diesem Frühjahr neu ausgesät. Viele Pflanzen, die jetzt in den Beeten stehen, sind bereits reserviert.

Man arbeite mit der Produktionskapazität an der oberen Grenze, sagt Andreas Ludwig, „mehr geht nicht“. Die nur 12,5 ha große Produktionsfläche bei Laufen lässt auch gar keine höheren Stückzahlen zu. Zumal man sich – trotz der hohen Nachfrage – auch dem Naturschutzgedanken und dem pfleglichen Umgang mit dem Boden verpflichtet fühlt.

Hervorragender Start

Nur Gründüngung, sehr wenig Chemie, Flächenrotation und zeitweise Stilllegung – das hat laut Ludwig dazu geführt, dass sich der Humuszustand des Bodens deutlich verbessert hat und die Regenwurmdichte heute extrem hoch ist. Auf solchen Böden bilden die Pflanzen ein dichtes Wurzelwerk, sie wachsen besonders kräftig und gesund. Nach der Auspflanzung im Wald fördert dies den Anwuchs und die Stabilität, was gerade in Zeiten zunehmender Stürme ein wichtiger Faktor ist.
Netze

Auf Teilflächen des Forstgartens, die wegen ihrer Hanglage nur schlecht mit Maschinen bewirtschaftet werden können, wurden dauerhaft Wildblumenwiesen angelegt, die durch ihre Blütenpracht und Insektenvielfalt beeindrucken und Abwechslung in die gepflegte Gartenlandschaft bringen.

Diversität ist für den Betriebsleiter ein wichtiges Stichwort. „Wir ziehen eine Vielfalt an Baumarten und Herkünften an“, sagt Ludwig. Denn im Klimawald gilt es das Risiko zu streuen. Es braucht viele unterschiedliche Baumarten. Ziel ist der Mischwald, aber auch kleinräumig jeweils die passende Herkunft für jede Art.

Herkunft garantiert

„Für die trockenen Standorte des Altmühltals werden beispielsweise andere Buchenherkünfte gebraucht, als in den Alpen oder den ostbayerischen Mittelgebirgen“, erklärt der Pflanzgartenleiter weiter. Und weil man es dem Samen äußerlich nicht ansieht, woher er kommt, legen die Laufener Fachleute größten Wert auf Herkunftssicherheit und Herkunftskontrolle. Zum einen, indem sie selbst ernten, aussäen, verschulen und verkaufen. „Produktion aus einer Hand“ nennt der Betriebsleiter seine Unternehmensphilosophie, die es in der Baumschulbranche so kaum noch gibt.
Containerquartier

Zum anderen, indem im Pflanzgarten Laufen nur zertifiziertes Saat- und Pflanzgut produziert wird. Das geschieht nach dem in Süddeutschland entwickelten und inzwischen gut etablierten „ZüF“-System. ZüF steht für „Zertifizierung überprüfbare forstliche Herkunft“ und erlaubt die Kontrolle der Herkunft von Samen und Pflanzen mit modernen genetischen Methoden.

Neben den bekannten Hauptbaumarten wie Buche, Fichte, Weißtanne, Eiche oder Bergahorn wachsen in den langgezogenen Beeten in Laufen auch sogenannte Begleit- oder Sonderbaumarten wie Erle, Hainbuche, Winter- und Sommerlinde, Flatter- und Feldulme, Elsbeere oder Eibe. Im Klimawandel werden sie zur Bereicherung und Diversifizierung der Baumartenpalette immer wichtiger. Auch einige nicht-heimische Baumarten, wie Roteiche und Douglasie, werden hier angezogen. Im Klimawandel steigt auch bei diesen Arten die Nachfrage als Alternative oder Ergänzung zu den heimischen Arten je nach Standort und Waldgesellschaft.

Der Pflanzgarten Laufen ist auch der Hauptproduzent von Pflanzen für die Schutzwaldsanierung in den bayerischen Alpen. Die dazu benötigten Pflanzen – Fichte, Tanne, Kiefer und Lärche – werden einzeln in kleinen, verrottbaren Gefäßen, den Containern, angezogen. So können sie ohne Zeitdruck auch im Sommer ausgepflanzt werden, wenn die Witterung im Gebirge es zulässt. Für die Flachlandbetriebe wird die Elsbeere in Containern produziert, eine seltene Baumart, die besonders wertvolles Holz liefert.

Das Pendant zum Pflanzgarten für Nordbayern liegt in Bindlach bei Bayreuth, mit ähnlicher Größe und Unternehmensstrategie. Nur die Herkünfte und Sortimente variieren, wie sich auch die Waldstandorte in Nord- und Südbayern unterscheiden.

Gefragtes Fachwissen

Flatterulme

Beide Pflanzgartenstützpunkte der Bayerischen Staatsforsten sind nicht nur wichtige Pflanzenproduzenten, sondern mit zunehmender Tendenz auch gesuchte Berater und Dienstleister in puncto Forstvermehrungsgut. Denn zur Anzucht von Forstpflanzen braucht es ein spezifisches Fachwissen, dass in den letzten Jahrzehnten, als man vor allem auf Naturverjüngung setzte, stark ausgedünnt worden ist.

Die Begründung eines zukunftsfähigen Waldes beginnt nämlich nicht bei der Durchforstung und nicht bei der Auspflanzung, sondern bereits mit der Samenernte und mit einer guten Kinderstube. Im Pflanzgarten in Laufen-Lebenau wird sichtbar, was das bedeutet – und dass es sich lohnt.