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Projektwochen an Schulen

Wenn Kinderaugen leuchten

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Dietmar FundDietmar Fund
am Mittwoch, 15.04.2020 - 09:02

Neues Standbein plus Öffentlichkeitsarbeit: Die Töginger BBV-Geschäftsstelle sucht bis zu 30 Landfrauen pro Landkreis für Projektwochen an Schulen.

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In der Woche vor Ostern bekamen Landwirte, Landfrauen und Ortsbäuerinnen in den Landkreisen Altötting, Mühldorf und Rottal-Inn elektronische Post von Veit Hartsperger, Geschäftsführer der Verbund-Geschäftsstelle Altötting/Mühldorf/Eggenfelden des BBV in Töging. Er informierte damit über das Konzept „Schule fürs Leben“.

Es sieht vor, dass ab dem Schuljahr 2020/21 jede Grundschule zwischen der ersten und vierten Klasse und jede Schule der Sekundarstufe mit ihren fünften bis neunten Klassen Projektwochen oder Projekttage veranstalten sollen. Einmal pro Grund- und einmal pro Sekundarstufe soll jeder Schüler und jede Schülerin intensiv in die Themen Ernährung, Gesundheit, Haushaltsführung, Umweltverhalten und selbstbewusstes Verbraucherverhalten eingeführt werden.

Beitriebe gesucht

Für dieses vom bayerischen Kabinett im Januar 2020 beschlossene Konzept sucht Hartsperger nun 20 bis 30 landwirtschaftliche Betriebe pro Landkreis, die entweder Schulklassen auf ihren Hof einladen oder in den Schulen selbst über diese Themen informieren möchten.

„Die Bewerber sollten möglichst eine Ausbildereignung haben, also zum Beispiel Landwirtschafts- oder Hauswirtschaftsmeisterin sein“, erklärt Hartsperger. „Wer gerne Hofführungen macht, hat die Chance, daraus ein zweites Betriebsstandbein zu gewinnen.“

Die Schulen sollen nach den Pfingstferien über das Konzept und ihre bäuerlichen Kooperationspartner informiert werden. Dieses Ziel behält Dr. Andrea Fuß vom BBV-Fachbereich „Menschen im ländlichen Raum“ trotz der Corona-Bekämpfung noch bei. Sie hat das Konzept zusammen mit dem Landwirtschafts- und Kultusministerium erarbeitet und arbeitet an Online-Bausteinen für die vorgesehene Schulung. Sie sollte eigentlich eine ein- oder zweitägige Präsenzveranstaltung werden.

Es gibt eine Schulung

Fuß geht davon aus, dass Betriebe, die sich an der Umsetzung ab dem Herbst beteiligen möchten, bis zur Weitergabe ihrer Kontaktdaten an die Schulen noch nicht alle geschult sein werden. Einerseits will das Kultusministerium zwar auch Erlebnisbäuerinnen qualifizieren, die bereits 16 Schulungstage durchlaufen haben. Andererseits erklärt die Projektkoordinatorin, der BBV wolle niemanden zur Schulung verpflichten.

Fest im bäuerlichen Wochenplan verankern

Eine wichtige Mittlerrolle bei der Suche nach geeigneten Betrieben haben nun die drei Kreisbäuerinnen Maria Reichenspurner (Landkreis Altötting), Anna Senftl (Mühldorf) und Paula Hochholzer (Rottal-Inn).
„Ich glaube, das Konzept muss ich den Leuten erst einmal erklären“, sagte Reichenspurner. „Wir müssen das gemeinsam anpacken und es bei den Bauern fest im Wochenplan verankern.“ Reichenspurner kann sich gut vorstellen, dass der Nachwuchs, der in der Winterschule oder in der Hauswirtschaftsschule auf die Öffentlichkeitsarbeit vorbereitet worden ist, gerne in der Schule referieren wird.

Zuversicht unter den Landfrauen

Die Mühldorfer Kreisbäuerin Anna Senftl berichtet, dass ihre Vorstandskolleginnen sehr zuversichtlich seien, genügend Betriebe und Referenten zu finden. „Während der momentan geltenden Ausgangsbeschränkungen ist jeder auf sich selbst gestellt und merkt, dass man sich alleine zu Haus mit einem gewissen Handwerkszeug leichter tut. Das könnte dem Projekt einen Schub geben“, sagt Senfl.

Sonja Kurz aus Unterneukirchen hat sich für das neue Projekt schon angemeldet. Sie ist die einzige Erlebnisbäuerin des Landkreises Altötting. Auf ihrem Schweinemastbetrieb empfängt sie seit mehreren Jahren Kindergärten und Schulklassen und veranstaltet Kindergeburtstage. „Für mich sind der schönste Antrieb die strahlenden Augen von Kindern, die glücklich sind, wenn sie zum Beispiel ein Huhn in ihren Händen halten dürfen“, sagt Kurz, die auch ein Hühnermobil betreibt. „Es ist wichtig, dass wir unsere Themen nach außen tragen.“ Kurz hat im Kreis Altötting wie in den Nachbarlandkreisen eine gute Handvoll Kollegen und Kolleginnen wie Elisabeth Deser aus Burgkirchen oder Roswitha Brandmüller aus Winhöring, die sich für den Besuch von Schulklassen qualifiziert haben. Als Absolventinnen des Tageskurses „Fit für das Programm Erlebnisbauernhof“ könnten sie die ersten Anlaufstellen für das breit angelegte neue Programm sein.
Das Konzept „Schule fürs Leben“ greift die seit sieben Jahren erhobene Forderung der BBV-Landfrauen auf, im Unterricht vermehrt wieder Alltagskompetenzen zu vermitteln. Laut BBV-Homepage ist die Honorierung noch nicht geklärt. Sie solle sich mit 170 € für einen dreistündigen Bauernhofbesuch beziehungsweise 30 € pro Schulstunde an ähnlichen Programmen orientieren.