Umwelt

Kiebitze brauchen Schutz zum Brüten

Aufstellen Wildkamera_LPV_MUE
Dietmar Fund
am Donnerstag, 11.03.2021 - 16:50

Beim Kiebitz-Projekt im Landkreis Mühldorf wollen 2021 noch mehr Kiebitz-Helferinnen und –Helfer Gelegeverluste prüfen und Spaziergänger sensibilisieren.

Alle Vögel sind schon da: Das hoffen die Kiebitzhelferinnen und -helfer im Landkreis Mühldorf im März melden zu können. Denn dann können sie zu zweit mit Feldstechern auf die Suche nach den unscheinbaren Nestern gehen. Diese werden dem Landschaftspflegeverband Mühldorf (LPV) gemeldet, der mit den Landwirten Kontakt aufnimmt und die Nester mit je zwei Stangen fünf Meter vor und nach dem Nest in Bearbeitungsrichtung markieren lässt.

Während der Brutphase bis in den Juni hinein halten die Helfer die Anzahl der Eier mit Fotos fest, melden den voraussichtlichen Schlupftermin und prüfen danach, ob Jungvögel geschlüpft sind. Außerdem notieren sie, ob sich Fressfeinde wie Füchse, Marder, Greifvögel oder Reiher die Eier oder die Jungvögel schmecken ließen.

Fressfeinde und Corona setzen den Kiebitzen zu

Diese Vorgehensweise hat zu weiteren Erfolgen geführt, seit Esther Lindner vom LPV Anfang des Jahres 2020 die Projektkoordination übernommen hat. Wie sie in ihrer heuer online durchgeführten Auftaktveranstaltung mit 49 Teilnehmern berichtete, haben im letzten Jahr 16 Ehrenamtliche 50 Landwirte angesprochen, auf deren Feldern 51 Kiebitz-Gelege markiert werden konnten. Bei 26 dieser Nester kam es zu einem Schlupferfolg, wobei die Gemeinde Ampfing mit zehn Gelegen mit Schlupferfolg mit weitem Abstand vorne lag.

Zäune für den Kiebitz_UNB_RO

Dass dieser Faktor nicht günstiger ausfiel, geht zum einen auf die Fressfeinde zurück und könnte zum anderen auch daran liegen, dass die Bodenbrüter während der Corona-Pandemie stärker durch Spaziergänger und ihre Hunde gestört worden sind.

An beiden Punkten möchte das Kiebitz-Projekt 2021 ansetzen. So kündigte Lindner an, an Punkten mit häufigen Gelegeverlusten Wildkameras mit mobiler Datenübertragung einzusetzen. Außerdem soll die Jägerschaft als zusätzlicher Partner für Beobachtungen und den Schutz vor Nestraub mit eingesetzt werden.

Die Projektkoordinatorin möchte sich zudem nach Fördermitteln für die Anschaffung von Elektrozäunen umschauen. Die müssten allerdings ein Quadrat von 30 x 30 Meter um das Nest herum abdecken, weil der Kiebitz aus Sicherheitsgründen nie direkt an seinem Nest landet. Das wäre mit einem hohen Aufwand für Aufbau, Wartung und Abbau verbunden, merkte Lindner an. Deshalb soll das im Landkreis Mühldorf laut BBV-Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer auch nicht forciert werden.

Sensibilisieren mittels Informationstafeln

Wie im Nachbarlandkreis Altötting sollen nun während der Brutsaison an stark frequentierten Wegen 25 mobile „Besucherlenkungstafeln“ mit Informationstafeln über den Bodenbrüter angebracht werden. Gefördert wird deren Anschaffung durch die „Gerhard und Ellen Zeidler-Stiftung“ aus Waldkraiburg. Mit den Tafeln sollen Spaziergänger mit Hunden und Modellflieger für die Kiebitze sensibilisiert werden, wie Günther Weitzer, Vorsitzender der Kreisgruppe Mühldorf des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), berichtete.
Kürzlich konnten sich die Kiebitz-Aktiven und 18 Landwirte bei der Übergabe der Nestprämien für das Jahr 2020 kennenlernen. Die 50 € für jedes Nest, bei dem junge Kiebitze geschlüpft sind, sind neben einer Plakette, die den Hof als „Kiebitz-freundlichen Betrieb“ ausweist, ein kleiner Ausgleich für den Mehraufwand bei der Bearbeitung der von Bodenbrütern besiedelten Felder.

Förderungen über VNP und Kulap im Visier

Für die Saison 2022 möchte Lindner neben dem Ausstecken der Gelege und dem Gelegeschutz auch weitere Fördermöglichkeiten, zum Beispiel über das Bayerische Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) und das Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) ins Gespräch bringen.
Sie hofft über förderfähige Maßnahmen wie den frühzeitigen Umbruch von Acker- und Kleegras oder Blühmischungen zu verhindern, dass die Feldbearbeitung die Aufzucht der Jungvögel stört. Eigentlich weichen die Kiebitze ja nur auf Ackerflächen aus, weil ihre angestammten Brutgebiete in offenen, baumarmen Landschaften mit geringer Vegetation wie Feuchtwiesen immer mehr dezimiert worden sind.
An der Online-Veranstaltung nahm auch der stellvertretende BBV-Kreisobmann Gerhard Langreiter teil. Das BBV-Bildungswerk gehört wie der LBV, die Wildlandstiftung Bayern und die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Mühldorf samt seinem LPV zu den Projektpartnern.