Projekt

Kiebitze brauchen noch mehr Schutz

Kiebitz Brutpaar
Dietmar Fund
am Mittwoch, 20.10.2021 - 08:02

Nur 14 Bewirtschafter bekamen beim diesjährigen Mühldorfer Kiebitzprojekt die Nestprämie als Belohnung für einen Schlupferfolg.

Stefanskirchen Der Landschaftspflegeverband Mühldorf hat als Träger des Kiebitz-Schutzprojekts in seinem Landkreis in diesem Jahr rund fünfzig Landwirte angesprochen, auf deren Fläche der seltene Vogel gesichtet wurde: Insgesamt 46 Brutpaare und 52 Gelege waren es. Alle Landwirte haben sich an den Schutzmaßnahmen beteiligt und mit den 20 Kiebitzhelferinnen und –helfern zusammengearbeitet.

Kiebitz Projektabschluss Mühldorf

Nur 14 Bewirtschafter bekamen aber auch die Nestprämie von 50 € als Belohnung für einen Schlupferfolg, der insgesamt in 22 Nestern zu verzeichnen war. Der Bestand war in den letzten Jahren zwar recht stabil, aber langfristig muss noch mehr getan werden, um ein zeitlich verzögertes Aussterben der Wiesenbrüter zu verhindern, so das Fazit der Projektleiterin Esther Lindner beim Jahresabschluss im Landgasthof Stoiber.

Lindner erläuterte den knapp 40 Anwesenden, dass von jedem Brutpaar der Kiebitze, die bis zu 24 Jahre alt werden können und sehr standorttreu sind, pro Jahr durchschnittlich 0,8 Küken flügge werden müssen, damit der Bestand langfristig erhalten bleibt. Auf Ackerflächen, auf welche die Vögel mangels Feuchtwiesen ausgewichen seien, betrage dieser Faktor oft nur 0,4. Daher schlug Lindner für das nächste Jahr weitere Schutzmaßnahmen vor.

Nachdem sich vor allem Füchse und Marder als Nesträuber erwiesen haben, sollen mehr Gelege eingezäunt werden. Das würde bedeuten, ein rund 30x20 m messendes Areal oder bei kleineren Flächen gleich den ganzen Acker mit einem Elektrozaun zu umgrenzen, der regelmäßig kontrolliert und ausgemäht werden muss.

„Ein Landwirt, dem viel an den Kiebitzen liegt, hat mir das Einzäunen selbst vorgeschlagen“, berichtete die Projektleiterin. „Aber es wird sicher nicht leicht, das an mehreren Stellen durchzuführen.“ Einzäunen hilft außerdem nicht gegen die Krähen, die BBV-Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer als weiteren Nesträuber ausgemacht hat.
Damit mehr geschlüpfte Küken flügge werden, möchte Lindner Maßnahmen treffen, die den Lebensraum der Jungvögel verbessern. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Anlage von Feuchtstellen, an denen sie mehr Insekten und Würmer als Nahrung finden als in den Feldern. „Ein Landwirt hat mir berichtet, er würde eine Flachwassermulde im Acker anlegen und sogar eigens eine Leitung für sein Regenwasser dorthin verlegen“, lobte die Projektleiterin.
Denkbar sei auch die Einrichtung eines „Kiebitzfensters“ als Brachfläche oder der Anbau von Sommergetreide oder Leinsaat mit doppeltem Reihenabstand. „Solche Maßnahmen können über den Landschaftspflegeverband durch die Regierung von Oberbayern gefördert werden. Auch der Ertragsausfall durch den verzögerten Anbau zum Beispiel von Mais wird erstattet“, erklärte Lindner.
Gute Fördermöglichkeiten bestünden insbesondere in der „Feldvogelkulisse Kiebitz 2020“, die das LfU definiert hat. In diesen Gebieten sei das Kiebitz-Schutzprojekt verstärkt aktiv. Generell solle versucht werden, mit „Kernhabitaten“, also besonders geeigneten Flächen, Schlupferfolge mit einem höheren Faktor als 1 zu erzielen.

Hoffnung auf Bejagung der Nesträuber gedämpft

Die Hoffnungen auf eine Bejagung der Nesträuber dämpfte Sascha W. Schnürer, Kreisvorsitzender des Bayerischen Jagdverbands (BJV). Sowohl die Fuchs- als auch die Krähenjagd kämen in der Bevölkerung nicht gut an. Aufgrund der coronabedingten Ausgangssperre sei die Nachtjagd auf den Fuchs in diesem Jahr zudem ab dem 11. Januar und damit während der Paarungszeit nicht erlaubt gewesen.
Während Schnürer als Vertreter der Jäger eine Prämie für den hohen Aufwand der Fuchsjagd samt Entsorgungskosten forderte, erklärte der Stefanskirchener Landwirt Michael Reiter, die Politik, die zu intensiver Bewirtschaftung zwinge, solle die Biodiversität noch mehr fördern. „Wenn der Kiebitz 2022 wieder kommt, beteilige ich mich wieder am Schutzprojekt“, zeigte Reiter sich überzeugt. In diesem Jahr hat der Landwirt einen 30 m breiten Streifen mit Kleegras als „Landeplatz“ für die Wiesenbrüter neu ausgesät.