Vor Ort

Keine Kirchweih ohne Gans

Geflügelbetrieb Schinagl Gänseschar
Helga Gebendorfer
am Donnerstag, 07.10.2021 - 17:16

Auf dem Geflügelhof von Manuela Schinagl herrscht im Oktober Hochsaison. Seit Jahren steigt die Nachfrage nach artgerecht aufgezogenem Geflügel.

Hebrontshausen/Lks. Freising - Gänse, Enten, Puten und Gockel – das ist die Welt von Manuela Schinagl in Hebrontshausen/Lks. Freising. Die Bäuerin ist eine der letzten in der Region, die das ganze Jahr in Direktvermarktung Schlachtgeflügel verkauft.

Geflügelbetrieb Schinagl Kundin

„Die Nachfrage war da und ich dachte mir, damit möchte ich mein Geld verdienen“, sagt die 49-jährige. So entwickelte sich die Geflügelhaltung nach der Hofübernahme 2003 mit der Zeit auch tatsächlich zu einem festen Standbein – neben dem Hopfenbaubetrieb. Eine seltene Kombination in der Hallertau, die aber gut funktioniert, sagt die Landwirtin.

Der Umgang mit dem Federvieh macht ihr viel Freude. „Sie sind klein, handlich und unkompliziert“, sagt sie und freut sich über die seit Jahren steigende Nachfrage nach artgerecht aufgezogenem Geflügel.

Hopfen und Geflügel, letzteres für den Eigenbedarf, waren auf dem Schinagl-Hof immer schon zuhause. Ab den 90er Jahren lief auch der Verkauf an Nachbarschaft, Verwandtschaft und Bekanntschaft an. Als Manuela Schinagl auf den Hof einheiratete, gab es neben den 9 ha Hopfen bereits etwa 70 Gänse, 90 Enten und 20 Puten. Inzwischen bewirtschaftet sie mit ihrem Mann Alois und Sohn Matthias 24 ha Hopfen im Vollerwerb und auch die Geflügelhaltung ist gewachsen. „Mit 0,9 Hektar Wiesenfläche direkt am Hof waren die Voraussetzungen vorhanden“, sagt die Bäuerin. Ihr aktueller Tierbestand rund ums Jahr: 150 Gänse, 300 Enten, 30 Puten und 500 – 600 Mastgockel.

Schinagl kauft die Jungtiere im Alter von drei Wochen von einem Geflügelaufzüchter in Nordrhein-Westfalen. Dänengänse werden Ende Mai eingestallt und ab Kirchweih bis Weihnachten mit einem Gewicht von 5 –7 kg geschlachtet. Die Mast der Flugerpel dauert zehn bis zwölf Wochen. Sie werden zwei Mal jährlich – Ende Juli und Anfang bis Mitte August – eingekauft und wiegen bis Kirchweih oder Weihnachten 3,8 – 4,5 kg.

Weiße Puten, männlich und weiblich, leben von Ende Juli bis Weihnachten auf dem Hof. Ab Oktober werden sie mit einem Gewicht von 14 – 18 kg verkauft. Je nach Nachfrage und betrieblicher Auslastung variiert Manuela Schinagl die Anzahl bei den Mastgockeln, die etwa fünf Wochen bis zu einem Gewicht von 1500 – 2300 g gehalten werden. „Meistens sind es vier bis fünf Durchgänge“, erzählt sie.

Freilauf und Planschen für das Federvieh

Sämtliches Geflügel wird im Freien gehalten. Das Federvieh darf von Beginn an nach Belieben ins Freie. „Unsere Tiere haben alles, was sie brauchen“, sagt die Bäuerin, „all ihre Bedürfnisse sind befriedigt“. So können die Gänse den ganzen Tag über Gras weiden und zusammen mit den Enten im Wasser planschen.

Geflügelbetrieb Manuela und Matthias Schinagl

Das Geflügel bekommt in den ersten zwei Wochen nach der Einstallung Aufzuchtfutter, dem Schinagl langsam täglich gesteigerte Mengen Getreideschrot zumischt. Dann besteht die Futterration neben Weidegras aus Getreideschrot, das zum Teil aus eigenem Anbau stammt, und Mastfutter, das ihnen den ganzen Tag zur Verfügung steht. Im Stall, der jeden Tag mit frischem Stroh eingestreut wird, erfolgt die Wasserversorgung über Trogtränken. „Die tägliche Arbeit hält sich in Grenzen“, sagt Schinagl. Sie umfasst Ein- und Austreiben, Einstreuen, Füttern und Tierkontrolle.

Seit rund 20 Jahren schlachtet Familie Schinagl selbst auf dem Hof. Vor zwei Jahren wurde ein 80 m² großes Schlachthaus mit Verkaufsraum gebaut. „Damit sind wir top ausgerüstet mit den nötigen Geräten, mit Betäubungsgerät, Rupfmaschine und Brühkessel mit Wachseinsatz.“ Hier wird nun ganzjährig, je nach Bedarf, das eigene Geflügel geschlachtet und direkt an die Kunden verkauft. Hochsaison ist jetzt, kurz vor Kirchweih, und an Weihnachten.

Geschlachtet wird daheim und nur auf Nachfrage

Die Bäuerin stallt ihr Geflügel ausschließlich auf Bestellung auf: Wer zu Kirchweih eine Gans will, muss im Frühjahr Bescheid geben. In der Regel ist auch eine kleine mitgerechnete Reserve bereits Ende November für Weihnachten ausverkauft. Während das Jahr über meist nur fünf bis zehn Tiere auf einmal geschlachtet werden, sind es vor den Festtagen 150 – 180 Tiere täglich. „Da geht es rund und am Abend sind wir alle ziemlich geschafft. Aber wir sind ein eingespieltes Team, jeder hat seine Aufgabe“, sagt Schinagl. An solchen Tagen hilft mit sieben bis acht Mann die ganze Familie mit.

Mit dem eigenen Schlachthaus ist es möglich, das Geflügel für die Kunden erst kurz vor dem Verzehr zu schlachten. „Das heißt, die Leute müssen nichts mehr einfrieren. Das ist mir sehr wichtig und war auch ein entscheidender Grund für die Investition ins eigene Schlachthaus“, erzählt sie. Sämtliche Gänse, Enten, Puten und Gockel werden als ganze Schlachtkörper direkt im Hofladen verkauft. Die Schlachttermine werden bereits bei der Bestellung bekannt gegeben, sodass die Abholung an diesem Tag gut klappt.

Die Kundschaft – 80 % Stammkunden – kommt schwerpunktmäßig aus einem Umkreis von circa 30 km. Sie schätzt die regionale Herkunft, die artgerechte Haltung, die Frische und natürlich die Qualität. Direkt vom Bauernhof, das schmeckt man einfach. „Wer unser Geflügel einmal probiert, kommt in der Regel immer wieder“, freut sich Manuela Schinagl. Mund-zu-Mund-Propaganda, das weiß sie aus Erfahrung, ist die beste Werbung.

Noch weiter wachsen – lieber nicht

Rückblickend hätte sie „nicht gedacht, dass sich dieser Betriebszweig so erfolgreich entwickelt“, sagt die Bäuerin. Die Vermarktung läuft gut, sie könnte vergrößern. Aber: Der aktuelle Tierbestand ist für sie jetzt gerade gut zu händeln. „Im Hinblick auf die Arbeitskräfte und den betrieblichen Gegebenheiten möchte ich nicht mehr großartig ausweiten“, sagt sie. Man wird sehen, was sich für Sohn Matthias ergibt – den Betriebsnachfolger.