Regionale Landwirtschaft

Keine Bauernopfer

BBV-Dialog-Moosburg
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Sandra Schwägerl
am Montag, 24.06.2019 - 09:58

Im Kreis Freising stellte die Moosburger Bürgermeisterin Anita Meinelt eine Infoveranstaltung über regionale Landwirtschaft auf die Beine. Ihr Standpunkt: Landwirtschaft und BBV müssen eine Möglichkeit haben, für sich zu werben.

Vorbildlich könnte man es nennen, dass Moosburgs Bürgermeisterin Anita Meinelt den Bayerischen Bauernverband Oberbayern bat, zum Bürgergespräch zu kommen. „Bayerns Landwirte dürfen nicht zum Bauernopfer werden, wir müssen dem BBV eine Möglichkeit zum Werben geben“. Mit diesen Worten begrüßte sie die rund 40 versammelten Personen. Mit der Bezirksspitze des Verbandes, Christine Singer und Anton Kreitmair und Oberbayerns BBV-Direktor Walther Pittroff als Moderator, standen der Fahrenzhausener Biobauer Christian Mößmer, der konventionelle Schweine- und Ackerbauer Georg Schmid aus Unterberghausen und Milch- bäuerin Michaela Grandl aus Riedhof (Marzling) bereit, um sich den Fragen der Gesellschaft zu stellen.
Die Gäste entpuppten sich als Kommunalpolitiker, Landwirte und Unterstützer des kürzlich angenommenen Volksbegehrens Artenvielfalt. „Das Volksbegehren hat gezeigt, wie weit Landwirte und Nicht-Landwirte voneinander entfernt sind“, sagte Moderator Pittroff und doch, so die Auffassung mehrerer Gäste, sei man deshalb zusammengekommen. Sie werteten das als positiv. Wie gewohnt deutliche Worte kamen von BBV-Präsident Kreitmair. Es sei die „verdammte Pflicht“ der Bürger, sich zu informieren, wenn dieser sich in die Politik einbringen will.
Mit fachlichen Beiträgen konnte der Schweinehalter Georg Schmid punkten: So klärte er über die Notwendigkeit der Ferkelkastration auf und verdeutlichte die unterschiedlichen Alternativen. Weiter sprach er von vermeintlichen Marktnischen, welche sich nicht halten konnten, weil die Nachfrage zu gering war. „Die Landwirtschaft kann sich nur mit Verbrauchern entwickeln“, pflichtete ihm seine Berufskollegin Grandl bei. „Ich lebe Landwirtschaft, ich will mitmachen“, mit diesen Worten wurde ihre Motivation deutlich. Schmid hingegen wirkte frustrierter: Seinen geplanten Stallumbau habe er nicht verwirklicht, da ihm die rechtliche Sicherheit nicht ausreiche. Bezirksbäuerin Christine Singer zeigte Verständnis, sie fühle ebenfalls eine Betroffenheit. „Wir sind ein besonderer Menschenschlag und die Gesellschaft macht uns das kaputt“, sagte sie und machte auf die Leistungen der Landwirte aufmerksam, die auch das Dorfleben stützen und bereichern würden, etwa durch Feuerwehreinsätze und die Pflege der Kulturlandschaft.
Kontrovers diskutiert wurde über Agrarpolitik im Allgemeinen sowie die Politik des Bauernverbandes. Eine Prognose von Toni Wollschläger (Grüne): „Auf die Landwirte wird noch einiges zukommen, schließlich bewirtschaften sie die meiste Fläche“. Andere wünschten sich mehr pragmatische Denkweise, statt Ideologien nachzugehen – schließlich gebe es den freien Handel.
Der Moosburger Kreisrat Anton Neumaier (SPD) kritisierte, dass sich der BBV nicht gegen die großdimensionierten Hähnchenmastställe im Kreis Pfaffenhofen (vgl. BLW 23, S. 17) ausspreche.
Ebenso unverständlich für ihn seien weite Tiertransporte: „Das kann man doch nicht machen, das zerstört den Ruf.“ Kreitmair räumte ein, dass man über die Größe der Mastanlage streiten könne – und doch: Der Betrieb sei genehmigt, eine Belegung dürfe man also nicht verhindern. Zuchttiertransporte in Drittländer sind aus seiner Sicht notwendig, um dort die Landwirtschaft voranzutreiben. Schlachttiertransporte müssten auch aus seiner Sicht so kurz wie möglich sein. Akkordschlachtungen bezeichnete er als gesellschaftliches Problem.
Optimismus verbreitete Biobauer und Direktvermarkter Mößmer. Er beobachte, dass die Akzeptanz für die Landwirtschaft zunimmt, seine Kunden mehr werden. Jeder Landwirt müsse sich an die eigene Nase fassen und mit den Leuten ins Gespräch kommen. Er habe „täglich Kundenkontakt“, sagte er zufrieden.