Innovation

Mit Kaugummiautomat zum Erfolg

Ehepaar+Hühner+Futterstation_1
Dietmar Fund
am Dienstag, 16.02.2021 - 13:38

Die Pollinger Familie Straßer hat ihr kleines Schaugehege mit Hühnern mit einem umfunktionierten Kaugummi-Automaten aufgewertet, der auch ihrem Automaten-Raum neue Kunden zuführt.

Wie kann man potenzielle Kunden auf seine Produkte aufmerksam machen? Wie alle engagierten Direktvermarkter denkt auch Anton Straßer jun. aus Polling bei Mühldorf immer wieder über diese Frage nach. Seine 340 freilaufenden Hühner hält er in zwei Ställen hinter dem Hof. Sie sind von der am Hof direkt vorbeiführenden, stark frequentierten Staatsstraße aus nicht zu sehen, die die Kleinstädte Mühldorf und Altötting miteinander verbindet. Daher richtete der Junglandwirt gegenüber seinem Anwesen vor zwei Jahren angrenzend an die Straße und einen Radweg ein rund 1500 m2 großes Gehege ein, stellte einen alten Bauwagen für 20 Hühner auf und bemalte „Done´s Hehnaheisl“ werbewirksam mit Hinweisen auf seine Verkaufsautomaten im Haus gegenüber. „Das sind meine Schau-Hennen“, sagt der junge Hofinhaber.

Im vergangenen Sommer ist ihm und seiner Frau Katharina eine weitere Aufwertung seiner „Showtruppe“ eingefallen. Wildtierparks brachten sie auf die Idee, einen Futterautomaten aufzustellen. Nach Recherchen im Internet kauften sie einen neuen Kaugummiautomaten mit einem Futtermittel-Einsatz, der nur rund 300 € kostete. „Da gibt es natürlich auch Aufwändigeres“, sagt Anton Straßer jun. „Aber als Gag tut es auch etwas Einfaches.“

Futter kann gekauft werden

Neben den Automaten postierten sie ein paar Baumstümpfe als Sitzgelegenheiten. Seither können Eltern mit Kindern dort Brotzeit machen und nebenher nach dem Einwurf von 50 ct Hühner füttern oder während der Erdbeersaison am Verkaufsstand etwas zu naschen holen. Hinter dem Schaugehege erstrecken sich nämlich ein Erdbeerfeld zum Selbstpflücken und ein Acker mit Blumen zum Selberschneiden. Im Sommer gesellen sich auch Schafe als „Leihgabe“ zu den Hennen, was den Nebeneffekt hat, Bussarde und Habichte fernzuhalten.

„Immer wieder halten Radler an und schauen sich die Hühner und unser sonstiges Angebot an“, berichtet Katharina Straßer. „Sogar jetzt in der Kälte bleiben die Leute stehen. Insbesondere für Familien mit Kindern ist das ein Anziehungspunkt.“ Ihr Mann registrierte einen angenehmen Nebeneffekt: Seit der Aufstellung der Automaten verfüttern Besucher kaum mehr Brotreste, deren hoher Salzgehalt für die Hennen gar nicht gut sei. Auch der Abfall habe deutlich abgenommen.

Standbein für Generationen

Der junge Landwirt hat die Direktvermarktung mit „in die Wiege gelegt bekommen“, denn sein gleichnamiger Vater und seine Mutter Marianne haben sie schon 1979 mit den ersten Erdbeeren begonnen. Drei Felder zum Selbstpflücken, der Anbau von Kürbissen und der Verkauf von Christbäumen aus dem bayerischen Wald sind neben dem Anbau von Weizen, Mais und Soja wichtige Standbeine für zwei Generationen. Mit dem kleinen Simon wächst schon die Dritte heran. „Von Mai bis Heiligabend haben wir sieben Tage die Woche Saison, denn wir haben auch sonntags geöffnet“, berichtet Anton Strasser sen.

Er habe 2007 für 11 000 € den ersten Verkaufsautomaten im Umkreis aufgestellt, erzählt er. Der Automat stand zunächst neben dem Hof unter einem kleinen Dach im Freien. Inzwischen ist er zusammen mit zwei „Regio-Boxen“ in einer umgebauten Garage untergebracht, die rund um die Uhr zugänglich ist. Die neuen Automaten sind sogar auf bargeldloses Bezahlen per Karte oder Handy eingerichtet, was immer mehr nachgefragt wird. Vor „Straßers Hofladl“ gibt es eine gute Handvoll Parkplätze.

„Sogar jetzt in der Kälte bleiben die Leute stehen. Insbesondere für Familien mit Kindern ist das ein Anziehungspunkt.“