Betriebskonzept

Mit Kartoffeln zum Vollerwerb

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Helga Gebendorfer
am Mittwoch, 12.12.2018 - 15:18

Die tolle Knolle ist der Produktionsschwerpunkt am Ackerbaubetrieb der Familie Lautner in Weichering.

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Beim Schaffasimma in Weichering im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, urkundlich erwähnt seit 1727, wurden schon immer Kartoffeln angebaut. Der Hof liegt am Rand des Donaumooses, wo sich die Böden ganz besonders dafür eignen. Denn sie sind kaum steinhaltig, gut siebfähig, nicht zu schwer und trocknen deshalb leicht ab.
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Den Betrieb führen heute Christian und Monika Lautner, Eltern von vier Kindern im Alter von drei bis 19 Jahren. Der gelernte Kfz-Schlosser legte über den zweiten Bildungsweg die landwirtschaftliche Gehilfenprüfung ab und besuchte alle Module im Rahmen der BUS-Schulung. Auch Monika Lautner baut auf zwei Berufe: Einzelhandelskauffrau und Hauswirtschafterin. Hinzu kommt noch die Weiterbildung zur Agrarbürofachfrau.
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Die Beiden betreiben einen reinen Ackerbaubetrieb mit gut 90 ha LN, davon 30 ha Kartoffeln. Der Rest setzt sich zusammen aus Winterweizen, Wintergerste, Winterraps, Winterroggen, Sommergerste und Körnermais. Vor drei Jahren legte der 47-jährige Christian Lautner Gewässerrandstreifen an und letztes Jahr kamen auch noch Blühflächen hinzu – im Moment eine Fläche von insgesamt 1,5 ha. „Ich wollte damit demonstrieren, dass die Landwirtschaft auch etwas für die Umwelt, Jagd und Insekten macht“, begründet er sein Tun.
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Nach der Hochzeit 1996 übernahm das Ehepaar den Betrieb von Christian Lautners Eltern und führte ihn zunächst im Nebenerwerb. 2010 gab die Familie als letzter Betrieb in der Ortschaft die Milchviehhaltung auf und im Laufe der Zeit entwickelte sich die Kartoffelanbaufläche von ursprünglich 8 auf aktuell 30 ha. Vor neun Jahren fiel dann endgültig aufgrund der zu großen Doppelbelastung die Entscheidung, dass künftig alleine der Hof im Vollerwerb Existenzgrundlage sein soll. „Wir haben all unsere Kräfte gebündelt und daheim richtig Gas gegeben“, erzählt er. Heute bildet der Kartoffelanbau den Betriebsschwerpunkt. Es werden zehn verschiedene Sorten – festkochend, vorwiegend festkochend und mehlig – angebaut. Die Fläche teilt sich wie folgt auf: 5 ha Frühkartoffeln, 10 ha Pflanzkartoffeln, 12,5 ha Speisekartoffeln und 2,5 ha Stärkekartoffeln.

Investitionen in die Betriebsentwicklung

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Ausschlaggebend für die Sortenwahl sind neben Virusanfälligkeit, Nematodenresistenz und Ertrag auch die Vermarktungseigenschaften und zunehmend die Trockenheits- und Hitzetoleranz. „Wir sind in der Kartoffelschiene komplett eigenmechanisiert und machen vom Legen bis hin zum Verkauf alles selbst“, informiert der Landwirt. Dazu gehört die Investition in ein klimatisiertes Kartoffellager am Ortsrand im Jahr 2007. Dort werden zwei Drittel der Ernte untergebracht. Für den Rest pachteten Lautners ein Lager in der Nachbarortschaft. Darüber hinaus wurde im Laufe der Zeit immer wieder investiert, zum Beispiel in eine neue Sortieranlage, eine gemeinschaftliche Maschinenhalle mit zwei anderen Berufskollegen und den Umbau des ehemaligen Kuhstalls am Hof in ein Getreidelager. Die neueste Anschaffung wurde heuer mit einem zweireihigen Kartoffelroder getätigt, der auch zur Lohnrodung im Einsatz ist.
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Im Donautal steht ausreichend Grundwasser zur Beregnung zur Verfügung, sodass auf dem Betrieb 90 % der Kartoffelflächen bewässert werden. „Ohne sie wäre bei uns der Kartoffelanbau ein zu großes Risiko. Der Grund: die flachgründigen Böden mit Kiesunterlage, die das Wasser nicht halten können“, sagt Lautner. Seit 1967 wird beregnet – ab 1996 in Form einer Schlauchberegnung.
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Sorgen bereiten dem Landwirt die lang anhaltenden Hitzeperioden. Ab 25° C erfolgt nach seiner Auskunft ein Wachstumsstopp und die Bewässerung dient nur noch zum Erhalt der Pflanzen. Grundsätzlich verhindere eine gleichmäßige Wasserversorgung die Austrocknung des Kartoffeldamms und damit Trockenstress, was insgesamt der Qualität zugute komme. „Alles in allem bauen wir im Kartoffelanbau auf das Wissen früherer Generationen“, stellt er fest.
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Als größte Herausforderung empfindet Christian Lautner den Pflanzenschutz. Während Krautfäule in den letzten zwei Saisonen kein Thema war, sind verlässliche Lösungen bei Drahtwurm und Schnecken gesucht. Zudem befürchtet er bei einem Verbot von Neonicotinoiden ein Riesenproblem bei der Bekämpfung von Kartoffelkäfer und Blattläusen. „Weil die restlichen, zur Verfügung stehenden Präparate bei vermehrt hohen Temperaturen unzureichende Wirkung zeigen“, erklärt Lautner.
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Das Ehepaar bewältigt die Arbeit mit Christian Lautners Eltern, Maria und Bruder Martin Lautner. Bei der Ernte von Ende Juni bis Mitte Oktober sind zusätzlich zwei Saisonarbeitskräfte tätig. „In diesem Zeitraum helfen alle von früh bis spät mit.“

Breit gefächerte Vermarktung

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Die Kartoffeln vermarktet die Familie auf verschiedenen Wegen. Seit 20 Jahren werden sie in kleinem Umfang ab Hof verkauft, was sich stetig weiterentwickelt hat. Bisher erfolgte die Abgabe aus der alten Scheune heraus. Derzeit wird ein separater Verkaufsraum eingerichtet. Es gibt keine festen Öffnungszeiten, sondern für die Kunden – zu 80 % Stammkundschaft vorwiegend aus der Umgebung von 30 km – ist eine Kasse aufgestellt. Im Angebot sind die Kartoffen in 2,5- und 5-kg-Papiertüten sowie in 12,5- und 25-kg-Säcken. „Der Renner ist eindeutig die praktische 2,5 kg Papiertüte für kleine Haushalte, die den Schmutz auffängt“, verrät Monika Lautner.
Die zweite Absatzschiene sind Wiederverkäufer. Dazu gehören Getränkemärkte in 30 km Umgebung, die Belieferung eines 30 km entfernten Dorfladens, ein Obst- und Gemüsehändler, der die Ware wöchentlich am Hof abholt, der Edeka-Markt im 4 km entfernten Karlshuld und die Belieferung einer Metzgerei in München alle vier Wochen. Die Frühkartoffeln gehen in die Pommes-Herstellung, die Stärkekartoffeln über Vertragsanbau an die Stärkefabrik in Schrobenhausen. Schließlich wird ein Teil der Speisekartoffeln genauso wie die Pflanzkartoffeln von Kartoffelhändlern in der Region abgenommen.
Den endgültigen Schritt in die Vollerwerbslandwirtschaft haben Christian und Monika Lautner nicht bereut. „Wir sind zwar ziemlich eingespannt, doch durch die Selbstständigkeit ergeben sich auch viele Freiräume für Familie und Urlaub.“ Lautner schätzt auch sehr, sein eigener Herr zu sein. Er ist überzeugt, dass die Landwirtschaft Zukunft hat. Sorgen machen ihm allerdings die hohen Grundstückspreise in der Region und die EU-Agrarpolitik mit Wettbewerbsverzerrung und mangelnder Planungssicherheit. Auf dem Schaffasimma-Hof steht die nächste Generation bereits in den Startlöchern. „Wir freuen uns, dass der Betrieb weitergeht, denn unser Sohn Lukas startete vor kurzem mit dem Berufsgrundschuljahr in der Berufsschule Pfaffenhofen die landwirtschaftliche Ausbildung“, erzählen die Eltern, die ihren Nachwuchs jetzt schon stark in alle betrieblichen Entscheidungen einbinden. So ist zum Beispiel eine Erweiterung des Kartoffellagers in ein Kistenlager mit Kühlung in Planung, um ganzjährig qualitativ hochwertige, verkaufsfähige Ware anbieten zu können. „Es gibt noch eine Reihe von Ideen, die uns im Kopf herumschwirren, und wir lassen uns überraschen, welche von ihnen letztendlich früher oder später umgesetzt werden“, meinen die Kartoffelspezialisten schmunzelnd.