Rückblick

Kartoffel wird wieder wertgeschätzt

Kartoffelernte-Kartoffelroder
Helga Gebendorfer
am Freitag, 05.03.2021 - 13:20

EG Qualitätskartoffeln Neuburg-Schrobenhausen blickt auf Anbaujahr 2020 zurück. Das war unter anderem geprägt vom Drahtwurm und coronabedingt höherem Absatz an Privathaushalte.

Ein positiver Effekt der Pandemie war die erhöhte Speisekartoffelnachfrage, vor allem in privaten Haushalten. Auch die Ab-Hof-Vermarktung profitierte davon.

Das machte Andreas Löbhard, Leiter der BBV-Marktberichtstelle, bei der digitalen Mitgliederversammlung der Erzeugergemeinschaft für Qualitätskartoffeln Neuburg-Schrobenhausen (EG) deutlich.

Erzeugerpreise stagnieren seit November

Er betonte: „Die Kartoffel wird beim Verbraucher als Grundnahrungsmittel wieder wertgeschätzt. Dagegen gingen die Ausfuhren im Sommer zurück. Die Qualitäten verlangten hohe Absortierungen, doch insgesamt war die große Ernte bisher gut zu vermarkten, auch wenn es noch Lagerbestände gibt. „In Bayern sind wir nicht schlecht unterwegs, die Mengen haben schon nachgegeben.“ Löbhard fügte hinzu, dass seit November die Erzeugerpreise aufgrund der guten Versorgung stagnieren.

Albert Höcherl vom Landwirtschaftsamt Augsburg gab einen Überblick über die aktuellen Versuche und Veränderungen im Pflanzenschutz. „Die Drahtwurmbekämpfung wird eher ein zunehmendes Problem“, machte er deutlich. Als Gründe für die Drahtwurmverbreitung nannte Höcherl etwa den verstärkten Zwischenfruchtanbau, Feldfutterbau, Flächenstilllegungen, Verbleib des Getreidestrohs auf den Feldern, verminderte Bodenbearbeitung und den Klimawandel, der neue Drahtwurmarten hervorbringe. Zu den Maßnahmen gehören Bodenbearbeitung bei warmer, trockener Witterung, Queckenbekämpfung und frühe Kartoffelernte bzw. -sorten.
„Gegen starken Drahtwurmbefall stehen derzeit keine ausreichend wirksamen chemischen Verfahren zur Verfügung“, sagte Höcherl, der hinzufügte, dass mit den geprüften, alternativen biologischen und chemischen Verfahren Wirkungsgrade bis zu 63 % erreicht wurden. „Dies hängt vor allem von der jahresspezifischen Witterung und der Befallsstärke ab“, verdeutlichte er und wies darauf hin, dass ackerbauliche Maßnahmen, wie Stoppelbearbeitung, Fruchtfolge und Zwischenfruchtmanagement unerlässlich sind.

Präsenzveranstaltungen wurden abgesagt

Martin Glöckl, Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft für Qualitätskartoffeln Neuburg-Schrobenhausen (EG), freute sich über die große Teilnehmerzahl: „Mit der Entscheidung zur digitalen Mitgliederversammlung haben wir richtig gehandelt.“ Begrüßen konnte er neben den Kartoffelanbauern die bayerische Kartoffelkönigin Stephanie sowie Händler, Züchter und Vertreter vom Landwirtschaftsamt, dem Erzeugerring für Pflanzenbau Südbayern und Südstärke. Beim Jahresrückblick erinnerte Glöckl an die Fruit Logistica Anfang Februar. „Dann kam Corona und alle Planungen hatten sich erledigt.“ Abgesagt wurden die Lehrfahrt nach Irland, die Landesgartenschau, das ZLF und die Krönung einer neuen Bayerischen Kartoffelkönigin.

Rückblickend auf das Kartoffeljahr berichtete Glöckl, dass es vehemente Qualitätsprobleme, verursacht durch Drahtwurm und Rhizoctonia, gab. Auch im Hinblick auf den Pflanzenschutz wird es nach seiner Auskunft schwieriger: „Letzte Saison ist noch gut gegangen. Aber das könnte nicht ewig sein, denn es stehen immer weniger Pflanzenschutzmittel zur Verfügung. Alles in allem wird es nicht leichter. Trotzdem müssen wir die Qualität erzeugen, die Lebensmitteleinzelhandel und Händler verlangen.“
Seine Empfehlung: Mehr Absprache mit den Händlern und Anpassung des Sortenspektrums. „Wir müssen unsere Ware besser an den Markt bringen und dabei mit dem Handel zusammenarbeiten, um zum LEH zu kommen“, erklärte Glöckl.
Den Kartoffelmarkt 2020 beleuchtete Andreas Löbhard. Demnach wurden in Deutschland knapp 275 000 ha Kartoffeln angebaut, was gegenüber dem Vorjahr ein leichtes Plus und seit 2015 ein Zuwachs von 38 000 ha bzw. 16 % bedeutet. In Bayern betrug die Anbaufläche 43 600 ha und auch für heuer wird keine Ausdehnung erwartet. „Die Devise weniger ist mehr könnte dem Kartoffelmarkt helfen und die Erlössituation verbessern.“ Helga Gebendorfer