Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Pferdeauktion

Kaltblutfohlen: Glänzende Tänzer lassen hoffen

Klaus und Julia Wittmann (v. l.) ersteigerten für 3350 € das teuerste unter den knapp 50 Fohlen, einen Rappen von Klemens J. Weingand, Züchter und Besitzer aus Eschenlohe. Das Paar hält mehrere Kaltblut-Hengste in seiner niederbayerischen Heimat Sankt Englmar.
Antonia Reindl
am Mittwoch, 07.09.2022 - 10:35

Süddeutsche Kaltblut-Fohlenauktion mit knapp 50 Stuten und Fohlen bei Fuß

Neben Erscheinungsbild, Größe, Rahmen, Wuchs, Kopfausdruck, Halsung, Fundament und Oberlinie wurden auch Beine und Bewegung von Jury und potenziellen Bietern unter die Lupe genommen.

Rottenbuch / Lks. Weilheim-Schongau Vor über 450 Jahren wurde der Pferdemarkt in der oberbayerischen Gemeinde Rottenbuch erstmals urkundlich erwähnt. Heute zählt der Markt als größte Versteigerung Süddeutscher Kaltblutfohlen in ganz Deutschland. Nach ein paar Jahren coronabedingter Pause kehrte dieser nun wieder zurück – und die Resonanz war gigantisch.

Florian Schelle strahlte mit der Sonne um die Wette. Aus der Hütte heraus hatte der Vorsitzende des Pferdezuchtverbands Oberbayern neben Moderator und Auktionator wohl den besten Blick auf die Pferde, die bei der Süddeutschen Kaltblut-Fohlenauktion versteigert werden sollten.

Am Morgen wurden die Stuten- und Hengstfohlen gemeinsam mit den Muttertieren präsentiert auf der Fohlenwiese unweit des Rottenbucher Klosters. Hunderte Menschen säumten die Ringvorführungen.

Trotz gutem Onlineverkauf Markttradition fortgesetzt

Während der vergangenen Corona-Jahre wurden Fohlen über Online-Plattformen verkauft. „Wir haben gehofft, dass es gut läuft“, erinnerte sich Schelle. Und es sei gut gelaufen. Dennoch hält der Pferdezuchtverband Oberbayern als Veranstalter am Fohlenmarkt fest. Eine uralte Tradition. „Es wäre schade, wenn es so was nicht mehr geben würde“, sagte der Vorsitzende. So sah das auch Rottenbuchs Bürgermeister Markus Bader in seiner Eröffnungsrede: „Schön, dass wir wieder da sind, wo wir 2019 aufgehört haben.“

Immer wieder machte sich Schelle während der Präsentation Notizen im Katalog. Knapp 50 Fohlen stehen zum Verkauf, rund doppelt so viele Hengste wie Stuten, alle mindestens vier Monaten alt, „da legen wir einen gewissen Wert drauf“, verwies Schelle auf Tierschutzaspekte. Und noch etwas anderes betonte er: „Wir haben die Tiere vor dem Aussterben bewahrt.“ Unter den Züchtern: viele Landwirte. Zwar kennt Schelle einen Landwirt, der Roß‘ vor den Mistbreiter spannt, und ja, mancherorts ziehen Pferde noch zum Holzrücken in den Wald. Doch auf Feldern und Äckern kommen wohl nur wenige der rund 2000 Kaltblüter in Bayern zum Einsatz. Häufig zu sehen sind die Pferde dagegen bei traditionsreichen Veranstaltungen, an Leonhardi oder beim Oktoberfest. In Haltung und Zucht steckt „a Leidenschaft“ und „unglaublich viel Herzblut“, betonte Schelle. Man habe den Rössern in der Vergangenheit viel abverlangt, nun sei es an der Zeit, „was zurückzugeben“, meinte der Vorsitzende.

Schelle blickte auf die Fohlen: „Heute san alle aufs Dipferl hergerichtet“. Was ihm im Laufe der Jahrzehnte aufgefallen ist: Die Fohlen „sind bewegungsvoller geworden“. Zu den diesjährigen Tieren meint Schelle: „Unterm Strich alle top.“ Das aber bedeutet nicht, dass man Gewissheit erwirbt. „Wenn man ein Fohlen kauft, kauft man Hoffnung“, so Schelle. Nicht nur Verstand und Erfahrung braucht es also in der Zucht, sondern auch Glück und gute Hoffnung. Die Passion, von der der Vorsitzende sprach, war auch ihm anzumerken, als er über das Wesen der Tiere sinnierte, ruhige Tiere mit einem „guten Nervenkostüm“ und in Momenten ein Ausgleich, in denen der Mensch „nicht ganz Herr der Situation“ sei.

Zunächst beäugte und beurteilte eine Fachjury die Pferde. Dann ging es an die Versteigerung. Die Hengst- und Stutenfohlen wurden in mehreren Bewegungsformen präsentiert. Die Leiber glänzten in der Spätsommersonne.

Höchstgebot für einen Rappen aus der „Granda“

Auktionator Michael Walser pries die Tiere an, schwärmte von einem „jungen maskulinen Tänzer“, einem „Traum in Braun“ oder auch von lockeren, leichtfüßigen Bewegungen im Takt der Mutter. Das Startgebot: 1000 €. Hinauf in 50-Euro-Schritten. Höher als früher. Am Ende brachte ein Hengstfohlen aus der Zucht des Eschenlohers Klemens J. Weingand das höchste Gebot: 3350 € für einen Rappen, Sohn von „Von Schönberg“ und der Staatsprämienstute „Granda“. Schelle war nicht überrascht: eine „begehrte Farbe“.

In den vergangenen Jahren verzeichnete man schon Höchstgebote von bis zu 5500 €. Gerade wenn „zwei Verrückte“ sich gegenseitig hochbieten, meinte Schelle lächelnd. Obendrauf Testosteron. Er habe schon Männer beobachtet, deren Beine wie Schultern mit den Geboten immer breiter geworden seien. Nach rund zweieinhalb Stunden waren alle Fohlen verkauft, drei davon werden künftig in Belgien leben. Und am Ende ein zufriedener Florian Schelle, nicht allein wegen der Preise, die „sehr, sehr gut sind“, sondern auch wegen der Atmosphäre, der über 5000 Besucher. Eben „der beste und schönste Fohlenmarkt, vielleicht sogar in Europa“, sagte er schmunzelnd.