Bio-Regio

Die Kälber laufen mit

Steffi-Adeili
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Externer Autor
am Freitag, 10.07.2020 - 11:45

Der Demeter Betrieb Posch ist Teil des Bio-Regio-Betriebsnetzes.

Bis 2016 wurden auf dem Betrieb Posch Milchkühe gehalten. Aus arbeitswirtschaftlichen Gründen musste die Milchviehhaltung jedoch aufgegeben werden. Um die vorhandenen Stallgebäude weiter zu nutzen, stellte die Familie daher auf Ammenkuhhaltung und Färsenmast um.

Ammenkuhhaltung und Färsenmast

Genau dieses System interessiert die Arbeitsgruppe Bio-Rindfleischvermarktung der Öko-Modellregion (ÖMR) Hochries-Kampenwand-Wendelstein. Die Kälber aus der Bio-Milchviehhaltung in der Region zu mästen und auch als Bio-Rindfleisch zu vermarkten ist das Ziel des Projektes. Dabei ist es nicht nur nötig, an einer Vermarktungsstrategie zu arbeiten und die nötige Schlachtinfrastruktur zu schaffen, sondern auch Landwirte für die Ammenkuhhaltung zu gewinnen. In der Bio-Landwirtschaft werden die Kälber nicht mit Milchaustauscher, sondern mit Vollmilch aufgezogen. Dies und der restriktivere Medikamenteneinsatz sind die Gründe für die kaum vorhandene Bio-Fresseraufzucht. Die Aufzucht der Kälber an Ammenkühen stellt jedoch eine Möglichkeit dar, die Kälber aus der Bio-Milchviehhaltung aufzuziehen und in der Region zu mästen.

Im Betrieb Posch werden monatlich 4 bis 5 weibliche Kälber aus verschiedenen Betrieben aus der Region zugekauft. Die Kälber kommen bestenfalls aus Betrieben mit muttergebundener Kälberaufzucht und sind somit an das Trinken am Euter gewöhnt. Sie werden dann an eine oder mehrere der 20 Ammen gewöhnt und werden mindestens bis zum Alter von 12 Wochen an den Ammen getränkt. Dabei laufen die Kälber im Tiefboxenlaufstall der Ammenkühe mit. Über einen Kälberschlupf haben sie immer Zugang zu Heu und Kraftfutter. Durch das häufige Saugen am Euter der Ammen haben Durchfallerkrankungen kaum eine Chance, wodurch der Medikamenteneinsatz gering bleibt. Wichtig ist laut Matthias Posch die Fütterung der Ammen, denn diese sind ebenso wie Milchkühe Hochleistungstiere und benötigen daher hochwertiges Futter. Dies gewährleistet der Betriebsleiter durch eine mit hofeigenem Getreide aufgewertete Mischration.

Insgesamt ca. 170 Rinder

Von den insgesamt ca. 170 Rindern, die Familie Posch hält, gehen monatlich 4 bis 5 ca. 28 Monate alte Kalbinnen zur Schlachtung zum Abnehmer Chiemgauer Naturfleisch. Der bestehende Abnahmevertrag gibt Sicherheit. Denn so garantiert die Rindermast regelmäßige monatliche Einnahmen.

Für den Betrieb Posch, der zusätzlich rund 50 ha Bio-Ackerfläche bewirtschaftet und neben Getreide auch Raps, Senf und Buchweizen anbaut, ist die Rinderhaltung eine gute Ergänzung für den Betriebskreislauf, sowie ein weiteres Einkommensstandbein. Denn der Marktfruchtbau bringe oft erst später Einkünfte, so Matthias Posch.

Bio-Rindfleisch-Direktvermarktung

Für die Mitglieder der Arbeitsgruppe aus der ÖMR gab die Betriebsbesichtigung einen guten Einblick in die Ammenkuhhaltung. Im nächsten Schritt prüfen die interessierten Landwirte in einem Seminar die Wirtschaftlichkeit der eigenen Bio-Rindfleisch-Direktvermarktung. Denn eine wirtschaftliche Direktvermarktung kann der Schlüssel für die regionale Aufzucht und Mast der Kälber sein.

Das BioRegio Betriebsnetz

Das BioRegio Betriebsnetz ist ein bayernweites Netz aus 100 langjährig ökologisch wirtschaftenden Betrieben. Diese repräsentieren regionstypische gut geführte Praxisbeispiele. Die Auswahl erfolgte durch Experten vonseiten des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums, der LfL, der Ökolandbauverbände und des BBV. Es handelt sich großteils um Betriebe, die Mitglied bei Bioland, Naturland, Biokreis oder Demeter sind.

Dieses Netz wird über die Initiative der Bayerischen Staatsregierung „BioRegio Bayern 2020“ gefördert.