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Waldschutz

Die Jagd hilft Wälder sichern

Reserven vorhanden: Die Tannen stehen hier so dicht, dass auch Wildlingsgewinnung möglich ist. Da sind sich (v. l.) Hubert Weiger (Ehrenvorsitzender BUND), Hubert Röder und Jagdleiter Christian Mettin einig.
Hubert Röder
am Dienstag, 27.09.2022 - 08:14

Wenn die nächste Waldgeneration sich ohne nennenswerten Wildverbiss aufwachsen kann, sparen die Waldbesitzer viel Geld. Die Jagdgenossenschaft Weichs gibt Einblick, was durch eine waldfreundliche Jagd möglich ist.

Angeregte Diskussion: Die Exkursionsteilnehmer in einer Mischwald-Naturverjüngung ohne Zaun. Sollte der Altbestand ausfallen, so ist die nächste Waldgeneration bereits gesichert.

Nach nur wenigen Jahren waldfreundlicher Bejagung ist der Umbau der Wälder zu einem klimaresistenteren Mischwald sowohl durch Pflanzungen als auch durch die Naturverjüngung ohne Wildschutzmaßnahmen gelungen. „Heute finden wir fast überall eine Vielfalt mit über zehn Baumarten, die zu Zeiten mit zu hoher Rehwilddichte schon im kleinsten Stadium weggefressen wurden“, berichtet der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft Weichs, Georg Rottmeir. Die Jagd wurde dabei größtenteils auf Eigenbewirtschaftung umgestellt und nur ein Teil einem waldfreundlichen Pächter überlassen.

Anlässlich der deutschen Waldtage, so heißt es in einer Pressemitteilung zum Waldbegang, lud die Jagdgenossenschaft Weichs zusammen mit der Regionalgruppe des Ökologischen Jagdverbands zu einem Waldbegang in den Revieren der Gemeinde Weichs ein. Prominente Teilnehmer aus Bundestag, Landtag, Kreis und Gemeinde sowie vom Bund Naturschutz und vom Waldbesitzerverband und zahlreiche Waldbesitzer und Mitglieder von Jagdgenossenschaften waren sehr überrascht von den beeindruckenden Waldbildern.

Douglasie und Lärche wachsen ohne Zaun

Auf einer Freifläche, die bereits vor einigen Jahren durch Windwurf der Fichte entstanden war, hatte sich eine Pflanzung mit Douglasie und Lärche durch zusätzliche Naturverjüngung zu einem üppigen Mischwald mit Eiche, Roteiche, Bergahorn, Linde, Birke, Kiefer, Vogelbeere und Weiden entwickelt. Wind und Vögel haben zusätzlich Baumsamen eingetragen und dank der Reduzierung der Rehwildpopulation konnten die jungen Pflänzchen erfolgreich aufwachsen. Prof. Dr. Hubert Röder ergänzte: „Der dringend notwendige Waldumbau zu klimafitten Mischbeständen kann nur mit einer waldfreundlichen Jagd gelingen!“

Tannenvoranbau sichert nächste Waldgeneration

Dem Äser entwachsen: Georg Rottmeir, Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Weichs, mit einer Tanne, die sich dank einer waldfreundlichen Jagd ohne Zaun behauptet hat

Einen weiteren positiven Eindruck erhielten die Teilnehmer durch einen Tannenvoranbau in einem durch den Klimawandel gefährdeten alten Fichtenwald. Die Tannen wuchsen ohne Zaun und ohne Rehwildverbiss auf. Zudem fanden sich auch hier zusätzlich viele Mischbaumarten natürlich ohne Arbeitsaufwand ein.

Wenn hier der Altfichtenbestand Schaden nimmt, steht die nächste klimaresistentere Baumgeneration schon gesichert bereit. „Diese Vorsorge mit ihrer Vielfalt an Baumarten und zusätzlich den positiven ökologischen Auswirkungen auf die übrige Flora und Fauna ist vorbildlich“ betonte Prof. Dr. Hubert Weiger, Ehrenvorsitzender des Bund Naturschutz.

Woher die gepflanzten Tannen stammten, konnte am letzten Waldbild bestaunt werden. Sie waren dort als junge Baumpflanzen (Wildlinge) frisch gewonnen und in andere Revierteile verpflanzt worden, in denen die Tanne bisher gefehlt hat.

Die Natur hat ihrFüllhorn weit geöffnet

Im vorgestellten Bestand waren ohne Wildschutzmaßnahmen in den letzten fünf Jahren mehr als 100 000 Stück junge Tannen pro Hektar aufgewachsen. Diese und rund zehn andere Baumarten hatten sich aufgrund der waldfreundlichen Jagd etablieren können. Dies ließ sich leicht an den Jahrestrieben der Tannen im unteren Bereich nachweisen.

Hier wurde noch einmal deutlich, dass der dringende Waldumbau sehr kostengünstig gelingen kann, wenn der Druck durch das Wild reduziert wird. Durch Vermeidung von Wildschutzmaßnahmen und einen hohen Anteil an Naturverjüngung lassen sich rund 10 000 € pro Hektar für den Waldbesitzer einsparen. Es entstand eine lebhafte Diskussion, als erkannt wurde, dass die Jagdpacht dann ja eigentlich 100 € pro Hektar betragen müsste, um den Wildverbiss auszugleichen. Auch die Kernfrage der Abschusshöhen vom Rehwild wurden diskutiert. Die Teilnehmer waren sich sehr schnell einig, dass dies in jedem Revier anders zu beurteilen ist. Es gilt jedoch immer der Leitsatz: „Wenn der Wald wächst, stimmt die Jagd.“

Weitere positive Aspekte einer waldfreundlichen Jagd sind eine Reduzierung der Straßenunfälle mit Wild um 80 % und eine starke Gewichtszunahme des Rehwilds durch bessere Ernährung im Jagdrevier Weichs. „Und die Mär, wir würden alles totschießen, bleibt eine Mär,“ konnte Prof. Dr. Christian Mettin feststellen, den die Jagdgenossenschaft eingesetzt hat, den Jagdbetrieb zu leiten. „Mein Jagdteam berichtet das ganze Jahr von vielen gesichteten Rehen. Der vorgegebene Pflichtabschuss ist leicht zu erfüllen. Allen beteiligten Jägerinnen und Jägern macht die Jagd weiterhin sehr viel Freude.“

Im vorgestellten Jagdrevier wurden durch eine waldfreundliche Jagd innerhalb weniger Jahre Ökonomie und Ökologie in Einklang gebracht. Eine hohe Artenvielfalt und alle weiteren Leistungen des Ökosystems Wald sind langfristig gesichert. Diese Situation bildet eine wesentliche Grundlage für eine nachhaltige Waldentwicklung auch unter den schwierigen Herausforderungen des Klimawandels.