Ernte 2019

Hopfenbauern auf Achterbahn der Gefühle

Auernhammer Braun Kolb Wolf Zeiner
Jürgen Leykamm
am Montag, 02.09.2019 - 15:21

Anspannung, Erleichterung, Schock und Solidarität bei den Hopfenpflanzern.

Tanja Anton Kroner Wolf
Hauslach/Lks. Roth Im Spalter Hopfenanbaugebiet wird heuer eine durchschnittliche Ernte von rund 618 t erwartet, was nur marginal unter dem letztjährigen Ergebnis liegt. Doch die Gefühle der Anbauer fahren Achterbahn: Erst schwand die Hoffnung über Monate, dann kam der Jubel über die Augustniederschläge – und kurz vor dem Einbringen der Schock über die Sturmschäden.
Die Familien, die es getroffen hat, tragen große Schäden. Aber das war glücklicherweise noch nicht das Ende des Auf und Ab der Emotionen. Denn es gibt eine überwältigende Hilfsbereitschaft für die betroffenen Pflanzer. Nachbarn, Bekannte, Landwirte, Berufskollegen aus ganz Bayern: Alle packen mit an.
Ein positives Signal der Solidarität, das auch beim Pressgespräch zur Hopfenernte am Anwesen von Andreas Auernhammer die Atmosphäre bestimmt. Er sorgt als Mitarbeiter der Hopfenverwertungsgenossenschaft Spalt (HVG) auch für die Vermarktung. „Wer hilft wem?“ ist die Frage, die beim Erntegespräch diskutiert wird, die Zahlen treten in den Hintergrund. Der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Krieglmeier ist erst gar nicht erschienen. Er hilft am Betrieb der Familie Kroner in Mäbenberg, die es ganz schlimm erwischt hat. Auf 4,2 ha baut sie Hopfen an, auf der Hälfte der Fläche hat der Sturm vom Sonntag zugeschlagen. Und das auch noch in einer Lage, die eigentlich als geschützt gilt.
Da bleibt wie in vielen anderen Fällen auch nur die äußerst beschwerliche Noternte. Die umgestürzten Masten werden mit der Forstzange aus dem Feld gezogen, Drähte und Seile entfernt und dann die Reben geerntet – all dies in Handarbeit. „Ein unglaublicher Arbeitsaufwand“, so Werner Wolf, Leiter des Rother Landwirtschaftszentrums. Alles muss schnell geben, sonst verfärbt sich das Erntegut, ein Vorbote des Verderbens. Doch Tanja Kroner ist dankbar„über mehr als 20 Helfer“. Ehemann Thomas ist im Krankenstand. Auernhammer lässt die geernteten Reben aus den Kroner-Gärten durch seine Zupfmaschine durch, welche die Dolden abtrennt.
16 der 52 Betriebe im Spalter Anbaugebiet mit 415 ha sind von den Sturmschäden betroffen. Auf zehn Prozent der Gesamtfläche sind aufgrund des Sturms „die Gerüstanlagen eingestürzt“, so Wolf. Bei anderen Hopfengärten hätten die Orkanböen für Teilschäden gesorgt.
Eigentlich hat der Hopfen dieses Jahr einen tollen Endspurt hingelegt. Hitze und Trockenheit machten ihm lange Monate schwer zu schaffen. Ende Juli war sogar von einer drohenden Missernte die Rede. Doch dann kam der regenreiche August und die Dolden wuchsen gewaltig. Die Zeichen standen auf Erleichterung. Bis kurz vor der Ernte der Sturm zuschlug.
Friedrich Kolb, Vorsitzender des Spalter Hopfenpflanzerverbandes, geht von einem Gesamtschaden von bis zu einer Million Euro aus. „Die psychische und physische Belastung ist immens, aber wir rücken alle zusammen, die Region lebt mit dem Hopfen und leidet mit den Pflanzern!“ Unterm Strich herrsche aber keine Weltuntergangsstimmung, wenngleich der Sturm auch für ein historisches Ereignis gesorgt habe. Vergleichbares habe es nur einmal in den 1950er Jahren gegeben, als zur Hilfe sogar die Bundeswehr anrückte.
Man dürfe aber nicht vergessen, dass es auf 90 % der Fläche im Anbaugebiet recht gut aussehe. Gerade die späten Sorten „machen jetzt noch einen richtigen Schub“. Die gute Qualität lasse nichts zu wünschen übrig. „Wir erwarten auch keine Lieferschwierigkeiten“, sagte der geschäftsführende HVG-Vorsitzende Frank Braun.