Milchviehhaltung

Hitzestress: Frischluft für den alten Stall

MR_Spötzl_Liegeboxen_Außenventilatoren
Max Riesberg Portrait
Max Riesberg
am Mittwoch, 12.08.2020 - 16:09

Familie Spötzl setzt bei Sommerhitze auf Ventilatoren im Milchviehstall.

MR_Spötzl_Kälberstall_Schlauchbelüftung

Unser Milchviehstall ist zwar in die Jahre gekommen, aber noch lange kein Auslaufmodell“, sagt Junglandwirt Gusti Spötzl aus Obereichhofen bei Assling aus voller Überzeugung. Dabei könnte das bereits 1987 vom Anbinde- in einen Laufstall umgebaute und 2013 um 14 Außenliegeboxen erweiterte Gebäude im oberbayerischen Landkreis Ebersberg überall im Freistaat stehen und steht ebenso sinnbildlich für viele andere Milchviehbetriebe in Deutschland oder Österreich. Natürlich hat sich im Laufe der Zeit baulich und technisch in der Tierhaltung viel getan. Doch auch ohne Neubau, nach einigen einfachen, gezielten Umbaumaßnahmen fühlen sich Spötzls Fleckviehkühe auch heute in ihrem Laufstall nach wie vor pudelwoh und danken es mit einem Stalldurchschnitt von 9 000 kg Milch.

Den Blickwinkel ändern

MR_Spötzl_Stall_Ventilatoren

„Vor allem das Stallklima ist uns allen momentan ein großes Anliegen“, erzählt Gusti Spötzl. Der Hofnachfolger nahm 2014 im Rahmen eines Stipendiums am Herdenmanager-Kurs der DLG teil. Für ihn waren das drei prägende Wochen, die ihm in Sachen Milchviehhaltung den Blickwinkel erweitert haben, manches, das man am Hof macht, weil man es immer schon so gemacht hat, heute kritisch sehen lassen. „Früher hat man immer geschaut, dass es gerade im Winter im Stall nicht zu kalt wurde. Tore wurden schnell wieder geschlossen, wenn der Futtermischer durchgefahren war. Heute ist bei uns im Stall alles offen. Einzig der Melkstand darf uns nicht einfrieren“, berichtet Spötzl und ist sich mit seinem Vater August einig: „Den Kühen taugt‘s. Dann taugt‘s auch uns. Unsere 70 Milchkühe und die Nachzucht sollen sich wohlfühlen. Es soll ihnen gut gehen, dann macht auch unser Beruf Spass.“

MR_Spötzl_Außenliegeboxen

Da die Tiere im Sommer 2015 mit den extrem warmen Temperaturen zu kämpfen hatten, haben sie sich noch im August dazu entschlossen 5 Axialentilatoren im Stall zu installieren (zwei über den Liegeboxen innen, zwei in der Wand zu den Außenliegeboxen und einen über dem Fressgang). „Die Ventilatoren schalten über ein Steuerungssystem mit Wärmefühler ab einer Temperatur von 20 Grad automatisch ein. Das ist auch der Zeitpunkt zu dem die ersten Hitzestress-Symptome bei den Kühen zu beobachten sind. In diesem Jahr war das am 30. März schon zum ersten Mal der Fall. Bislang liefen die Ventilatoren schon an fünf Tagen“, schildert Spötzl junior.

„Gerade in der Übergangszeit, in der dem Menschen die Außenluft möglicherweise noch nicht so warm vorkommt, kann es aber durchaus schon zu einem Hitzestau im Stall und somit zu einer Belastungssituation für die Tiere kommen“, erklärt Johannes Zahner, Stallklima-Experte von der LfL, der auch Familie Spötzl beratend zur Seite steht. Dann sei es wichtig, dass über eine automatische Steuerung der Luftaustausch, z. B. im 10-Minutenintervall je nach Temperatur gefördert wird.

Ein Teufelskreislauf

„Das bringt mitunter schon sehr viel, denn die gesundheitsbeeinträchtigenden Auswirkungen von Hitzestress zeigen sich bei den Tieren oft erst Wochen später, beispielsweise in Form von Klauen- oder Fruchtbarkeitsproblemen“, betont Zahner. „Wenn im November vermehrt Klauenprobleme in der Herde auftreten, denkt sicher kein Mensch mehr an Hitzestress. Das kann aber durchaus die Ursache des Teufelskreislaufs sein“, bestätigt auch Gusti Spötzl aus seinen Erfahrungen.
Im Stall der Familie Spötzl haben die Ventilatoren einen Durchmesser von 70 cm. Geräte mit einem Durchmesser von 1,40 m ließen sich aufgrund der geringen Gebäudehöhe im Altbau mit 2,80 m nicht einbauen. Die Axialventilatoren drücken die Luft über die Liegeflächen, mit einer Geschwindigkeit von 2 m/s um einen entsprechenden Kühleffekt an der Kuh zu erreichen. Dazu sind die Ventilatoren auch im 20-Grad-Winkel leicht geneigt. Bis zu 15 m reicht der Wirkungsbereich der einzelnen Geräte. Auch dort spüren die Kühe noch eine leichte Brise zur Abkühlung.
„Alles in allem haben wir für die fünf Ventilatoren mit Steuerung rund 4500 € investiert. Das hat sich für uns gelohnt, denn die Milchinhaltsstoffe sind bei der noch lange anhaltenden Hitzeperiode Ende August und auch im Spätsommer, zwar nach den Umbaumaßnahmen noch gesunken, aber die Milchmenge ist so gut wie konstant geblieben“, erklärt Spötzl. Für seine Milchkühe bedeute das folglich eine erhebliche Erleichterung. Außerdem hat Familie Spötzl noch im November 2015 eine Schlauchbelüftunug für den Kälberstall angeschafft. Mit dem Effekt ist man zufrieden. Und auch die Stallfenster habe man im Winter 2015/16 komplett weggelassen. „Zum einen nur zum Vorteil fürs Stallklima, zum anderen muss sie auch keiner mehr putzen“, sagt der kesse Junglandwirt und lacht. Jetzt möchte man noch prüfen, wie man noch mehr Frischluft von außen in den Stall bekommen und wie wir die Luftfeuchtigkeit im Gebäude weiter reduzieren können, so Spötzls Ausblick.