Ein besonderes Betriebsmodell

Mit Herz und Leidenschaft

LampertsdörferSchäferei
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Sandra Schwägerl
am Montag, 08.04.2019 - 12:36

Elke Lampertsdörfer betreibt eine Friedhofsgärtnerei und ökologische Schäferei

In wenigen Minuten gelangt man von Elke Lampertsdörfers Kleiner Schäferei in Aubing in die Münchner Innenstadt. „Kleine Schäferei“ klingt nach Idylle und Streichelzoo – und genauso ist es, zu einem gewissen Teil: Die Lämmer aus der Herde von Elke Lampertsdörfer und ihrem Vater Rudolf, die von ihren Müttern nicht angenommen werden, zieht Elke Lampertsdörfer mit der Flasche auf. Und altgediente Mutterschafe bekommen in Aubing „ihre Rente“, wie Elke Lampertsdörfer es nennt. Konkret bedeutet dies, dass diese Tiere Teil von Ferienprogrammen sowie Ziel von Schulausflügen und Kindergeburtstagen sind, die Elke Lampertsdörfer in ihrem Privatgarten veranstaltet.

Vater und Tochter arbeiten gemeinsam

Vater und Tochter betreiben gemeinsam eine ökologische Schäferei nach Naturland-Richtlinien. Insgesamt bewirtschaften sie rund 50 ha Ackerfläche. Die Tiere grasen auf den betriebseigenen Flächen. Zum landwirtschaftlichen Betrieb gehören bereits seit 20 Jahren auch einige Angusrinder, die sich ebenfalls auf nahegelegenen Weiden aufhalten. Und das ist noch lange nicht alles, womit sich Lampertsdörfers beschäftigt. Denn der „grüne Daumen“ liegt in der Familie: Rudolf Lampertsdörfer betreibt eine Gärtnerei und eine Landschaftsbau-Firma – auch Frau und Sohn sind darin eingebunden. Tochter Elke ist Floristin und selbstständige Friedhofsgärtnerin. Mit der Stadt München hat sie einen Vertrag zur Biotoppflege durch eine Hammelherde. „Ohne Freude ging das alles nicht“, macht die dreifache Mutter deutlich und bezeichnet die Zeit mit den Schafen als „totalen Ausgleich und reinste Therapie“. Mit Blick auf die Gesellschaft stellt sie die Frage, wie es wohl anderen gehen mag, wenn sie als Gärtnerin schon Schafe zur Erholung brauche.
Erholungssuchende sind nämlich viele unterwegs in der Nähe ihrer Schafweiden um die Moosschwaige, nicht unbedingt zur Freude von Elke Lampertsdörfer. So stört es sie zum Beispiel, dass Passanten mit Hunden unterwegs sind, die nicht erzogen sind und mit den Schafen „spielen wollen“ – und dürfen. Zum Schutz ihrer Tiere hat sie sich zwei Herdenschutzhunde angeschafft, die die rund 115 Mutterschafe und Lämmer begleiten. Die kälteste Zeit des Jahres überwintern die Tiere bei Rudolf Lampertsdörfer, der in Lochhausen wohnt – er hatte schon in seiner Kindheit Schafe, erzählt er. Für die Angusrinder wurde ein Offenstall bei Aubing gebaut.

Das Schlachten ist ist ein Thema

„Was den Papa und mich am meisten trennt, ist das Schlachten“ verrät Elke Lampertsdörfer. Und doch haben sie den neuen Schlachthof in Fürstenfeldbruck mitfinanziert. Einig sind sich Vater und Tochter, „dass Jungböcke raus müssen“.

Bis zum Alter von einem Jahr kann das Fleisch ihrer Tiere als Lammfleisch vermarktet werden, sagt Rudolf Lampertsdörfer. Das Durchschnittsschlachtgewicht liege bei 22 bis 25 Kilogramm. „Unter 20 Kilo gibt᾿s Abzüge von Naturland“, erläutert er, in dem Fall käme das Schlachten zu teuer. Verkauft wird das Fleisch der Lampertsdörfers unter anderem an den Aubinger Ökoladen und örtliche Gastronomiebetrieben.