Vermarktung

Das gute Strohschweinfleisch

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Helga Gebendorfer
am Donnerstag, 10.12.2020 - 07:40

Manfred und Margit Knöferl halten Strohschweine und vermarkten das Fleisch neuerdings auch ab Hof. Die Tore dafür geöffnet hat ihnen Edeka Baden-Württemberg mit 5 Cent Aufschlag zum Vereinigungspreis – vorerst bis 2024.

Auf einen Blick

  • Manfred Knöferl hat seinen Nebenerwerbsbetrieb wieder in den Haupterwerb geführt.
  • Mit dem Gutfleischprogramm von Edeka hat er für zehn Jahre einen Vertrag mit Bonus.
  • Dafür produziert er in einem sehr tiergerechten Stall.
  • 2016 wurde dem Strohschweinestall ein überdachter Auslauf für Ferkel und Mastschweine angebaut.

Zukunft in der Landwirtschaft

Kühlanhänger 2

Wir haben in der Landwirtschaft unsere Zukunft gesehen“ – Margit und Manfred Knöferl haben sich für eine Schweinehaltung mit ausgefeiltem Tierwohlkonzept entschieden und in diesem Herbst in Aresing, Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, ihren Hofladen eröffneten. Das ist der vorerst letzte Schritt vom Betrieb mit einigen Mast- und Zuchtschweinen im Nebenerwerb hin zum Haupterwerbsbetrieb mit Schweinefleischproduktion in Spezialitätenqualität.

Jeweils samstags von halb neun bis zwölf Uhr werden das Ehepaar Knöferl ihre Fleisch- und Wurstwaren ab Hof verkaufen. Ihre Schweine halten sie aber schon seit längerem nach den Vorgaben der Premiummarke „Hofglück“ von Edeka Baden-Württemberg.

Als der Wirtschafter für Landbau und gelernte Rohrleger Manfred Knöferl 1993 den elterlichen Betrieb mit damals 150 Mastschweinen und 40 Zuchtsauen übernommen hat, führte er im Nebenerwerb und arbeitete Vollzeit als Bauleiter. Nach der Hochzeit 2004 begann das Paar die Landwirtschaft weiter zu entwickeln. Erster Schritt waren 20 Hühner für den Eigenbedarf. Der zweite Schritt folgte vor zehn Jahren mit 50 Mastschweinen, testweise auf Stroh gehalten und über Metzger vermarktet. „So sammelten wir erste Erfahrungen mit dem Ergebnis: sehr gute Fleischqualität.“ Die Strohhaltung sieht Knöferl als Zwischenlösung von bio und konventionell.

Einstieg in die Gutfleischvermarktung

Kundin

Danach ging es an die ersten Planungen für einen neuen Mastschweinestall. Der neue Strohstall wurde etwa einen Kilometer vor die Ortschaft ausgesiedelt, anfangs ohne Auslauf für die Tiere und ohne Vermarktungsprogramm für das Fleisch. „Freilich barg diese Investition ein Risiko, doch wir waren überzeugt, dass wir mit der besonders artgerechten Tierhaltung den richtigen Weg einschlagen“, erzählen die Schweinehalter. Die Stallabteile waren von Anfang an neben Teilspaltenboden mit Langstroh-Liegebuchten ausgestattet.

2014 gab Manfred Knöferl seine Arbeitsstelle auf. Nach rund einem Jahr stieg er in die Gutfleischvermarktung bei Edeka Baden-Württemberg mit 5 Cent Aufschlag zum Vereinigungspreis ein. Ende 2016 wurde dann der überdachte Auslauf mit Langstroh angebaut, um beim Hofglück-Programm teilnehmen zu können. Mit Edeka hat Köferl einen Zehn-Jahres-Vertrag mit Festpreisen für Ferkel und Mastschweine abgeschlossen. Der Entscheidung vorausgegangen war ein Besuch beim Forschungszentrum mit dem Schwerpunkt für Strohschweine und Langschwanz in Boxberg. Margit und Manfred Knöferl erweiterten den Stall um eine Freifläche mit Stroheinstreu und um das Langschwanzprogramm.

Sehr viel Platz für die Tiere

Nun haben die Mastschweine mit 2,5 m2 pro Tier mehr als doppelt so viel Platz als in der herkömmlichen Haltung. Außerdem steht sowohl im Stall als auch im Auslauf Langstroh zur Verfügung. Dieses eignet sich neben den vorgeschriebenen Gegenständen hervorragend als Beschäftigungsmaterial und damit zum Erhalt der Ringelschwänze. Hinzu kommt, dass die Tiere über eine Breifütterung mit einer hofeigenen Getreidemischung und zertifiziert europäischem Soja versorgt werden, was den CO2-Abdruck der Tiere um 40 % besser stellt.

Die Zusammenarbeit mit dem deutschen Tierschutzbund und unangekündigte Audits stellen sicher, dass artgerechte Tierhaltung das jährlich neu ausgestellte Zertifikat „Haltungsstufe Premium“ rechtfertigt.
Ein fester Ferkelerzeuger in Baden-Württemberg liefert alle fünf Wochen 30 kg-Ferkel an Familie Knöferl. „Die Zusammenarbeit funktioniert gut. Die Jungtiere fühlen sich bei uns gleich wie zuhause und wachsen ohne Unterbrechung weiter“, bekräftigt Knöferl. Die täglichen Zunahmen beziffert er auf 750 bis 800 g. Bei zweieinhalb Umtrieben pro Jahr dauert die Mast jeweils etwa vier Monate. Im Zweiwochen-Rhythmus werden die Schweine an den Ulmer Schlachthof geliefert, wobei das Schlachtgewicht rund 100 kg und der Muskelfleischanteil im Durchschnitt 60 % betragen. Alle Tiere werden sortiert nach Gewicht komplett abgenommen.

Schweine für Direktvermarktung schlachtet regionaler Metzger

Für die Direktvermarktung lassen Margit und Manfred Knöferl jede Woche ein 120 bis 125 kg schweres Schwein beim Metzger in 6 km Entfernung schlachten. Die Schweinehälften holt Knöferl mit dem Kühlanhänger ab und lässt sie bei 2 °C vier bis fünf Tage abhängen. Dann zerteilt im eigenen Verarbeitungsraum ein Metzger das Fleisch und stellt verschiedene Wurstwaren her.

Das Fleisch- und Wurstsortiment im rund 20 Quadratmeter großen Verkaufsladen ergänzen die Eier der aktuell 60 Legehennen sowie zugekaufte Nudeln und Honig von Direktvermarktern aus der Umgebung. „Der Hofladen ist die letzte Konsequenz unseres Handelns. Damit zeigen wir, dass wir voll und ganz hinter unserem Konzept stehen“, stellen Margit und Manfred Knöferl fest. Ursprünglich war der Verkaufsraum am Hof nicht geplant, doch nun sind die Eheleute froh, dass sie ihn umgesetzt haben.
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