Geflügel

Grundbedingung: Viel Platz

Walter Neugebauer
am Freitag, 08.01.2021 - 08:34

KellyBronze-Puten veredeln das Ackerland von Markus Strasser aus Mauern im Landkreis Freising.

on_16.06. Puten Strasser Foto Neugebauer (15)

Markus Strasser (46) aus Mauern im Landkreis Freising hält auf seinem Biobetrieb KellyBronze Puten und verkauft sie schlachtreif an die Freiland Puten Bio Geflügel GmbH in Fahrenzhausen. Damit erzielt der Kfz-Meister etwa ein Drittel seines Einkommens.

Zwei Drittel bringt seine Werkstatt, in der er die Fahrzeuge des Maschinenrings und einiger Firmen betreut. „Diese beiden Betriebszweige ergänzen sich gut und die Arbeit mit den Puten macht mir viel Freude“, sagt er. Das sieht man, wie er sich im Stall oder im Auslauf zwischen den Tieren bewegt.

Vor zehn Jahren hat Strasser den Naturland-Betrieb seiner Eltern übernommen, hat ausgesiedelt und nach einer Möglichkeit gesucht, den Ertrag seiner 15 ha Ackerland zu veredeln.

Als er auf dem Betrieb von Anton Pflügler in Fahrenzhausen einen Lkw reparierte, erzählte ihm dieser von den KellyPuten, denn er zog Jungputen dieser Rasse für die Freilandputen GmbH auf, vom Eintagsküken fünf bis sechs Wochen lang.

Puten zur Probe

Strasser gefielen diese robusten Vögel und er sah seine Chance: Er holte sich einige zur Probe, informierte sich gründlich, las Fachartikel, hörte sich Vorträge an und schaute sich in einigen Mastbetrieben um.

Dann meldete er sich bei Dr. Martin Bohn, der 1997 mit zwei Gesellschaftern die Freilandputen Fahrenzhausen GmbH gegründet und sich die Exklusivrechte für die Haltung der Kelly Bronze Puten im deutschsprachigen Raum gesichert hatte. Seitdem liefert die GmbH den Bauern die Jungtiere und das Futter und vermarktet die Puten. Bohn suchte damals noch Betriebe für die Bioputenhaltung und kam zu Strasser.

Viel Platz und frische Luft

on_20.11. Bioputen Strasser Foto Neu (2)

Bohn und Strasser besprachen die Einzelheiten für den Stallbau für 1000 Puten – eine Lkw-Ladung schlachtreife Tiere. Grundbedingung war viel Platz, sodass sich auch die ausgewachsenen Puten nicht drängeln müssen. Der Stall hat eine Fläche von 45 mal 12 m, der Wintergarten 45 mal 6,80 m.

Von hier aus können die Vögel tagsüber auf die 1,4 ha große Weide. Die Firstlüftung im Stall und die großen Auslassluken garantierten auch ohne Strom und Ventilatoren eine gute Lüftung. „Per Handschlag wurde unsere Zusammenarbeit besiegelt“, erinnert sich der inzwischen erfahrene Putenhalter.

Im Stall wurden zwei Futterlinien der Firma Roxel eingebaut und entlang der Wände zwei Tränkwasser-Linien installiert. Die Freilandputen GmbH liefert das Futter in Form von Pellets nach einer eigenen Rezeptur mit dem optimalen Nähr- und Mineralstoffgehalt sowie den richtigen Vitaminen. Zusätzlich stehen in Stall und Wintergarten Ferkel-Futterautomaten, wo das wirtschaftseigene Futter angeboten wird.

Futterverwertung und Zunahmen verfolgen

Heute verfüttert Strasser an die älteren Puten neben den Pellets die gesamte Ernte seiner 15 ha. Körnermais, Winterweizen und Hafer, Erbsen und Bohnen quetscht und mischt er. Versetzt mit etwas Biosonnenblumenöl nehmen die Tiere dieses Futter aus den Automaten gut an.

„Mit einer Tabelle kann ich die Futterverwertung und Zunahmen verfolgen und werde von den Beratern der Fahrenzhausener Freilandputen GmbH stets unterstützt“, erklärt der Betriebsleiter.

Familie Pflügler liefert die fünf bis sechs Wochen alten Jungputen mit einem Gewicht von etwa 1,2 bis 1,4 kg bis in den Stall. Eine Jungpute kostet Strasser etwa 10 €. Im Alter von 22 bis 24 Wochen, also nach 16 bis 18 Wochen oder etwa vier Monaten auf dem Strasserhof, haben die Puten, alles Hähne, ein durchschnittliches Gewicht von etwa 18 kg und sind damit schlachtreif. Strasser verkauft sie wie rund 50 weitere Vertragspartner in Deutschland an die Freilandputen Fahrenzhausen GmbH.

Ein Fuhrunternehmer bringt sie mit dem Lkw in den Schlachthof in die Nähe von Jena (Thüringen). Dort werden sie gewogen und nach Lebendgewicht bezahlt. Heute bringt ihm 1 kg Lebendpute netto 3,50 €. Eine kleine Anzahl Puten verkauft er direkt ab Hof. Das möchte er in der nächsten Zeit ausbauen.

Sauberkaut und Hygiene sind das A und O

Zweieinhalb Mastperioden pro Jahr mit 950 Puten nach der Rein-Raus-Methode haben sich eingespielt. „Sobald der Stall leer ist, beginnt das große Reinemachen“, erzählt Strasser. „Zuerst zerlege ich die Futteranlage und Wasserversorgung und reinige alles. Dann wird ausgemistet und besenrein gekehrt und dann heißt es mit heißem Wasser waschen, waschen, waschen.“

Ein Bioschaumreiniger löst die letzten Verkrustungen von den Anlagen, vom Boden und den Wänden – alles wird mit klarem Wasser abgespült. Dann werden Boden und Wände (bis zu 1,5 m hoch) mit einem Biodesinfektionsmittel besprüht und getrocknet, der Boden mit Hygienekalk bestreut und dick mit Stroh bedeckt. Vor dem Stalleingang stehen immer frisch benässte Desinfektionsmatten zur Stiefel-Hygiene.

on_20.08. Jungputen Foto Neu (5). JPG

Dann liefert Anja Pflügler (35) aus Fahrenzhausen, die inzwischen die Aufzucht der Jungputen von ihrem Vater übernommen hat, die nächsten 950 Tiere zu einem genau vereinbarten Termin und der Mastzyklus beginnt wieder. Nach etwa 14 Tagen, wenn sich die Jungputen eingelebt haben, werden sie vom Tierarzt gegen Rotlauf geimpft. Er liefert auch die Mittel zur Desinfektion und Reinigung sowie Vitamine.

In regelmäßigen Abständen wiegt Strasser einige Tiere, um die Gewichtszunahmen zu registrieren und mit den deutschlandweiten Durchschnittswerten der anderen Kelly Puten-Mäster zu vergleichen. „Bisher stimmen meine Zahlen. Wir sind nicht schlecht“, stellt er fest. Seine Frau Lisa kann das bestätigen, denn sie macht die Buchhaltung.

Straffe Logistik vom Ei bis zum Schnitzel

Die Logistik vom Elternbetrieb, der die Eier liefert, über die Brüterei, von der die Eintagsküken an die zehn Aufzucht- und 50 Mastbetriebe gehen bis hin zu den Schlacht- und Zerlegebetrieben ist straff organisiert. Sie steuert Daniel Willnat (39), Dr. Bohns Schwiegersohn und Geschäftsführer der Freilandputen Fahrenzhausen GmbH, mit seinen Mitarbeitern.

„Der Schwerpunkt unserer Bioputenhalter liegt in den neuen Bundesländern. Deshalb werden die meisten unserer Puten dort geschlachtet, verpackt und von dort aus in die Bundesrepublik und die Nachbarländer vermarktet“, erklärt Willnat.

Weit über 90 % der Produkte gehen per Lkw-Kühlzug an Bioländen wie Alnatura- und Denns-Supermärkte, ein Teil an selbständige Einzelhandelskaufleute bei Rewe und Edeka. Gefragt sind besonders Schnitzel und Geschnetzeltes, aber auch neue Zubereitungen wie Kinderdinos aus Hackfleisch. 

„Trotzdem liegt der Anteil der Bioputen am gesamten Putenabsatz noch unter einem Prozent“, sagt Willnat. „Aber die Nachfrage nach Bioputenfleisch nimmt ständig zu und so haben wir mit unseren Produkten jedes Jahr zweistellige Wachstumsraten.“

Die Produkte kann man über die Homepage des Betriebs auch online bestellen.

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KellyBronze Puten ideal für Biobetriebe

  • Die KellyBronze Puten hat der Engländer Derek Kelly ab 1970 aus einer alten Landrasse gezüchtet (www.kellyturkeys.co.uk).
  • Sein Traum war eine Pute, die ohne Hormone, Antibiotika, Futterzusätze und ohne tierisches Eiweiß im Futter auskommt und die man gut im Freiland halten kann.
  • Ein wichtiges Ziel war eine optimale Fleischqualität: Geschmack, Aussehen und Struktur („Textur“) sollten neue Maßstäbe setzen.
  • Das langsame Wachstum der Tiere sowie die Haltung im Freien bei optimaler Fütterung garantieren dafür.
  • Die Tiere sind bronzefarben, überwiegend aber dunkel, fast schwarz und haben einen roten Halslappen. Sie können gullern wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, denn den Kelly-Eintagsküken wird dieser nicht kupiert.
  • Die Vögel sind vital, robust, genügsam und stabil, wachsen langsamer und die Hähne bringen ein optimales Schlachtgewicht von etwa 18 kg mit festem, erstklassig marmoriertem Fleisch.

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