Auszeichnung

Grüner Engel für Landwirt

Biotoppflege
Karin Kleinert
am Mittwoch, 06.11.2019 - 09:35

Berchtesgadener Land: Der Landwirt Hans Hofmeister wird für sein Engagement im Haarmoos mit dem „Grünen Engel“ ausgezeichnet.

Auf einen Blick

  • Hans Hofmeister ist gelernter Maurer und hält mit seiner Frau im Nebenerwerb Mutterkühe.
  • Sein zweites Standbein ist die Landschaftspflege, schon seit der Gründung des Vertragsnaturschutzprogrammes in den 1980er Jahren.
  • Er will Landwirte und Grundeigentümer überzeugen, diese Einkommensquelle ebenfalls zu nutzen und so die Kulturlandschaft zu bewahren.

Hofmeister wusste nichts vom Vorschlag

Eigentlich mag es Hans Hofmeister nicht, wenn viel Aufhebens um seine Person gemacht wird. Und in der Zeitung müsse er sich eigentlich auch nicht sehen, so der Nebenerwerbslandwirt aus Haarmoos. Aber nun wurde er vom bayerischen Umweltminister mit einem „Grüner Engel“ ausgezeichnet, und da interessiert es die Öffentlichkeit natürlich schon, wie er das alles so macht auf seinen Wiesen im Haarmoos, einem Gebiet, das zum europäischen Biotopverbund Natura 2000 gehört.

Der Preis wird seit 2011 für überwiegend ehrenamtliches, vorbildliches und langjähriges Engagement im Natur- und Umweltschutz verliehen. Hofmeister habe gar nicht gewusst, dass auf Initiative der Unteren Naturschutzbehörde für die Auszeichnung vorgeschlagen worden war, erklärte der Landwirt. Nur eine Woche vor besagtem Termin kam ganz überraschend die Einladung nach München.

Das habe ihn gefreut und es sei freilich schon was Besonderes gewesen. Also habe er sich, obwohl gesundheitlich angeschlagen, mit Gattin und Tochter auf den Weg gemacht. Außerdem dachte er sich, wäre das sicherlich eine gute Gelegenheit, gewisse Punkte auch mal „ganz oben“ vorzubringen. Und wer Hans Hofmeister aus Haarmoos schon einmal bei einer öffentlichen Versammlung erlebt hat, kann sich lebhaft vorstellen, dass er, ein Mann der direkten Worte, sich diese Gelegenheit nicht hat entgehen lassen.

Rares Wiesenbrütergebiet umsichtig bewirtschaftet

Die Wahl sei auf Hofmeister gefallen, weil er lange bevor das Haarmoos Natur- und Landschaftsschutzgebiet wurde, einer der prägenden Pioniere in der Zusammenarbeit von amtlichem Naturschutz und Landwirtschaft war, sagte ein Vertreter des Umweltministeriums. Hofmeister habe seine Hofstelle im Haarmoos seit vielen Jahren umsichtig bewirtschaftet und damit einen großen Beitrag geleistet, dass das Haarmoos als eines der letzten wichtigen Wiesenbrütergebiete Bayerns erhalten geblieben ist. Dank seiner Vermittlung konnten auch andere Landwirte für den Schutz des Gebietes gewonnen werden. 

Für flexible Mahdzeitpunkte

Obwohl sein Verhältnis zu den Ämtern und Naturschutzverbänden meist gut sei, behalte er sich allerdings vor, seine mitunter kritische Meinung zu äußern. Ein Streitpunkt sind vor allem die Mähzeitpunkte, die einheitlich nach EU-Vorschriften geregelt und seiner Meinung nach zu starr sind. „Manchmal sind es nur ein bis zwei Tage, dass wir witterungsbedingt früher mit dem Mähen anfangen müssten. Denn wenn der Boden nass ist und man mit den großen Maschinen fährt, dann schaut es nicht gut aus für die Artenvielfalt. Die zwei Tage liegen mir wirklich am Herzen“, so Hofmeister. Da würde er es begrüßen, wenn die Regierung den Ämtern die Möglichkeit geben würde, flexibler zu reagieren, das heißt, die Mahdzeitpunkte je nach Witterung ein paar Tage früher anzusetzen, wobei er anmerkt, dass sich die Behörden, vor allem die vor Ort, durchaus bemühen.

Er habe eigentlich sein ganzes Leben am Abtsdorfer See verbracht, erzählt er. Er sei in Leobendorf aufgewachsen, hat Maurer gelernt, ist dann nach Seethal gezogen und hat Anfang der 1980er Jahre die Hofstelle im Haarmoos übernommen, wo er mit seiner Frau als Nebenerwerbslandwirt Muttertierhaltung betreibt. Auch die vier erwachsenen Kinder und deren Familien helfen gelegentlich mit.

„Eine tolle Chance für Landwirte“

Sein zweites „Standbein“ ist seine Arbeit als Landschaftspfleger. Der 73-Jährige war von Anfang an beim Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm dabei, das es seit den 1980er Jahren gibt. Mit diesem Programm gewährte der bayerische Staat den Landwirten Ausgleichszahlungen für umweltschonende Bewirtschaftungsmaßnahmen. Er berichtet von Dr. Artur Steinhauser, der den amtlichen Naturschutz seiner Zeit in der Regierung von Oberbayern aufgebaut und auch viel für das Haarmoos getan hat.

Hofmeister betont, dass das damals wie heute eine tolle Chance für die Landwirte ist. Allerdings seien die meisten Grundeigentümer rund um den See dem Programm gegenüber eher skeptisch eingestellt gewesen, weil es deren Meinung nach zu viel reglementierte. Und dabei sei doch alles freiwillig, so Hofmeister, der versucht, noch mehr Landwirte und Grundeigentümer zu überzeugen, bei den diversen, inzwischen aufgelegten Förderprogrammen und Initiativen mitzumachen. Diese Überzeugungsarbeit Hofmeisters ist für den Erhalt der alten Kulturlandschaft Haarmoos ebenfalls ausgesprochen wichtig. 

Unterschiedlichste Lebensräume entwickelt

In Kooperation mit dem seit 2017 in Saaldorf ansässigen Landschaftspflegeverband und mit Naturschutzverbänden pflegt und entwickelt er die unterschiedlichsten Lebensräume für Tiere und Pflanzen.  Ohne die Ausgleichszahlungen, die er für diese Arbeiten bekommt, wäre der Hof nicht überlebensfähig, wie er ohne Umschweife zugibt.

Der 73-Jährige kennt sich auch mit der Historie des Gebietes gut aus, weiß etwa dass die ursprüngliche Seefläche einst mehr als doppelt so groß wie heute war und durch den bewaldeten Fischerberg in den Haarsee und Abtsdorfer See geteilt war. Nach und nach lagerte sich organisches Material im Bereich des jetzigen Haarmooses ab. Der See verlandete und es entstand ein Niedermoor. In der Folge wurden bis Ende des 18. Jahrhunderts die gewonnenen Flächen mit Kanälen und Gräben durchzogen, die alle in den Abtsdorfer See entwässern. Auf den so gewonnenen Flächen entstand Grünland.

Grabenräumung kontrovers diskutiert

Während eines Spaziergangs über seine Wiesen, auf denen es in großer Vielfalt blüht und summt, zeigt Hans Hofmeister einen speziellen Moorbagger, den er gebraucht gekauft habe und mit dem schonendes Arbeiten möglich ist. Denn die Art und Weise, wie die wasserführenden Gräben im Haarmoos geräumt werden, ist ebenfalls ein kontrovers diskutiertes Thema.

Dank eines vom Landratsamt empfohlenen Schneidwerkaufsatzes kann er beispielsweise das Gras in den flachen Gräben behutsam ausschneiden. So sei man da inzwischen auf einem guten Weg. Besonders wertvoll für die Artenvielfalt sind drei neu angelegte Tümpel, die er im Auftrag der unteren Naturschutzbehörde ausgeführt hat. Die seichten Gewässer haben keinen Ablauf und sind in trockenen Zeiten wichtig für Vögel, Frösche, Libellen und weiteres Getier.

Kükenfreundliche Frühmahdstreifen

Eine gute Sache für die Küken der Wiesenbrüter seien sogenannte Frühmahdstreifen, also schmale, gemähte Streifen, auf denen die kleinen Vögel Futter finden und sich in der Sonne wärmen können. Wenn Gefahr droht, finden sie im hohen Gras schnell Schutz. Hans Hofmeister meint, es könnte ruhig mehr solcher Streifen geben. 

Zurück am Hof muss man noch über „Rennfahrer“ Hofmeister berichten, der mit seinen diversen Oldtimern bei Bergrennen und auf dem Salzburgring für Furore sorgt; alle Autos und Motorräder stammen von der Firma NSU, den Neckarsulmer Motorenwerken, die 1969 zur Audi NSU Auto Union AG fusionierten. Es steht fest: Hans Hofmeisters Engagement für den Erhalt der Kulturlandschaft Haarmoos als auch für den Motorsport kommt von ganzem Herzen.