Landtagsgrüne

Grünenpolitiker auf dem Bauernhof

Stall
Helga Gebendorfer
am Mittwoch, 29.07.2020 - 09:40

Ludwig Hartmann und Gisela Sengl von den Grünen lernen Einiges über Landtechnik sowie die Zwänge der Landwirte kennen.

Hohen Besuch empfing Lohnunternehmer Rainer Wagner auf seinem Hof. „Ich freue mich sehr, dass Vertreter der Landtagsgrünen spontan meine Einladung angenommen haben“, erklärte der oberbayerische Vorsitzende von „Land schafft Verbindung“.

Moderne Technik im Einsatz

Bei Gesprächen mit den Landespolitikern in München sei den Vertretern der Landwirtschaft aufgefallen, dass „zwischen Theorie und Praxis eine große Lücke besteht“, betonte Wagner. Am Kollerhof nahmen sich Fraktionsvorsitzender Ludwig Hartmann und die agrarpolitische Sprecherin Gisela Sengl einen Tag Zeit für die Anliegen der Bauern. Thematisiert wurden unter anderem die Düngeverordnung, die enormen Maschinenkosten für kleinere Betriebe und der schlechte Ruf ihrer Branche.

Wagner und seinen Kollegen war es ein Anliegen, die Kommunikation weiter zu fördern und den Politikern zu demonstrieren, wie und in welchen Bereichen in der Landwirtschaft erfolgreich Software-Lösungen eingesetzt werden. Wagner ist seit 2006 GPS-ausgestattet. „Wir Landwirte setzen diese moderne Unterstützung bereits seit vielen Jahren in der täglichen Arbeit ein“, betonte er. Untermauert wurde dies durch praktische Vorführungen auf dem Gebiet Pflanzenschutz, Düngung und Bodenbearbeitung in Form von Striegeln.

Lieber eine Stickstoff-Obergrenze gehabt

Dabei beklagten vor allem die Ackerbauern unter anderem, dass der Zeitpunkt für die Gülleausbringung in roten Gebieten von acht auf vier Monate reduziert wurde. Sie gaben zu bedenken, dass die Befahrbarkeit des Bodens je nach Witterung zu wünschen übrig lässt und dass aus pflanzenbaulicher Sicht eine frühe Düngung im zeitigen Frühjahr ideal wäre.

Einig waren sie sich darin, dass sie für solche Einschränkungen kein Verständnis haben. An dieser Stelle verteidigten die Grünen diese Maßnahme aufgrund der Gefahr der Nitratauswaschung ins Grundwasser, vor allem in sogenannten Hotspot-Gebieten. „Uns ist wirklich die Flexibilität genommen worden. Eine Stickstoff-Obergrenze wäre uns in diesem Fall lieber gewesen als der Wegfall der Frühjahrs- und Herbstdüngung“, sprach ein Praktiker seinen Kollegen aus der Seele.

Mit Nachdruck machten die Landwirte deutlich: „Wir haben doch alle das gleiche Ziel. Auch wir haben kein Interesse an einer Stickstoff-Auswaschung. Vielmehr wollen wir mit möglichst wenig Pflanzenschutz und Düngeraufwand das ökologisch und ökonomisch Beste erreichen.“

Momentane Situation muss sich ändern

Die momentane Situation in der Branche muss sich nach Ansicht von Hartmann verbessern: Zum einen ist die Landwirtschaft unzufrieden mit dem Ist-Zustand, zum anderen befürchten die Naturschützer den Schwund der Artenvielfalt und schließlich sind die Verbraucher um das Tierwohl besorgt. „Diese drei Gruppen sind unzufrieden, deswegen muss die Politik das System ändern“, forderte der Grünen-Politiker, dieselbe Aussage wie schon etwa vorheriges Jahr beim Weilheimer Kreisbauerntag.

In diesem Zusammenhang regten die Praktiker an, das RTK-Signal zu einem Massenprodukt zu machen. „Es wäre eine super Sache, wenn dieses System kostengünstig auch für kleine Betriebsstrukturen und Öko-Betriebe zur Verfügung stehen würde“, so ein Landwirt, der sich in diesem Fall eine gezielte Förderung der Technik wünschte.

Druck auf dem Ökomarkt durch die vielen Umsteller

Anton Maier aus Eitensheim, der seinen Betrieb erst auf bio umgestellt hat, beklagte den enormen Druck auf dem Ökomarkt durch die vielen Umsteller. „Jeder von ihnen sucht im Moment händeringend nach Absatzschienen“, verdeutlichte er und kritisierte gemeinsam mit seinen Kollegen, dass statt dem geforderten 30 %-Anteil an Biobetrieben besser als erster Schritt die Festschreibung nach 30 %-Öko-Anteil in der Vermarktung notwendig gewesen wäre.

Auch die Tierhalter fanden Gehör bei den Politikern

Auch die Tierhalter fanden Gehör, hierzu besuchte die Abordnung den Milchviehhalter Raimund Hierl, welcher die schneller und höher steigenden Anforderungen – etwa in Sachen Tierwohl – beschrieb. Für diesen Aufwand sei jedoch der Milchpreis viel zu gering. Eine große Stütze ist in jedem Fall die Vermarktung der Fleckvieh-Bullenkälber.

Im Beisein von Vize-Kreisobmann Johannes Scharl stellte Jürgen Donhauser, Zuchtsauenhalter aus der Nähe von Amberg in der Oberpfalz, die neue Nutztierhaltungsverordnung zur Diskussion. Er sieht durch diese einen „noch nie gesehenen Strukturbruch“ kommen, der die Zahl der Zuchtsauenhalter in Bayern über kurz oder lang halbieren wird. Auch die Nachteile einer solchen Entwicklung brachte Donhauser zur Sprache.