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Tradition

Georgi-Ritt: Hoch zu Ross zum Segen

Georgi-Ritt_Lindl
Ulrich Traub
am Mittwoch, 13.04.2022 - 16:15

Nach zwei Jahren Coronapause findet am Ostermontag erstmals wieder der Georgi-Ritt in Traunstein statt. Der Ritt bewahrt eine bäuerliche Tradition.

Hie gut allweg, alten Brauches pfleg, nach Ettendorf wir reiten, wie zu Väters Zeiten“ – hoch zu Ross spricht der Herold diese Worte und hebt seinen Stab, worauf sich seit 1762 eine der größten Pferde-Wallfahrten Deutschlands in Bewegung setzt, begleitet vom Geläut der Kirchenglocken. Am Sonntag ist es nach mehrjähriger Coronapause wieder so weit. Zum Georgi-Ritt werden 25 000 Zuschauer erwartet. Auf dem Stadtplatz, zu Füßen der Pfarrkirche, bildet sich um zehn Uhr morgens eine große Menschenmenge. Aus allen Richtungen treffen Reiter und Reiterinnen in historischen Kostümen ein. Knapp 400 geschmückte Pferde werden es sein, die dem Herold folgen.

Der Ritt gehört seit 2016 offiziell zum „immateriellen Kulturerbe“ der Unesco. „Am Ablauf des Ganzen wollen und dürfen wir nichts ändern“, erklärt Simon Schreiber vom St.-Georgs-Verein. Gerade weil das Spektakel seit 260 Jahren gleich abläuft, ist es Kulturerbe geworden.

Georgi-Ritt-Herold

Aber eins ist neu in diesem Jahr: Am Valentinstag 2021 verstarb Albert Schmied, der 20 Jahre lang Vorstand des 600 Mitglieder starken Vereins war. 2022 wird es daher einen neuen Herold geben, seinen Amtsnachfolger Simon Schreiber. Das Alleinstellungsmerkmal des Rittes ist, neben der Größe von 1000 beteiligten Personen, die historische Gruppe, die der Herold anführt. Persönlichkeiten aus der Stadtgeschichte folgen ihm, etwa der Wappner Lindl und der Eiserne Ritter, beide in Rüstungen.

Sie symbolisieren die Wehrhaftigkeit der Stadt Traunstein im Mittelalter. Römische Reiter sind ebenso dabei, wie Landsknechte und höfische Damen. Natürlich hat der Heilige Georg seinen Auftritt als Schutzpatron der Tiere. Lob kommt von der Unesco-Kommission: „Der Georgi-Ritt hält den Wert des Tieres im Bewusstsein und spielt eine wichtige Rolle für die Bewahrung bäuerlicher Kultur.“

Dass keine Neuerungen seit der ersten Datierung 1762 dazugekommen sind, führte dazu, „dass im Laufe der Zeit nichts verkitscht wurde“, sagt Schreiber.

Georgi-Ritt 2022

Start ist am Ostermontag, 18. April, mit dem ersten Schwerttanz um 9.30 Uhr auf dem Traunsteiner Stadtplatz. Rittbeginn: 10 Uhr. Der St. Georgs-Verein appelliert an die Eigenverantwortung, bei dichter Menschenmenge Maske zu tragen. Mehr Infos unter www.georgi-verein.de und www.traunstein.de.