Finanzierung

Geld gegen Gaumenfreuden

Bäckerei
Karin Kleinert
am Mittwoch, 15.01.2020 - 10:41

Was man alleine nicht schafft, schafft man zusammen: Biobäckerei Wahlich vergibt Genussrechte – in Anlehnung an das Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft.

Wie man sein Geld nachhaltig und ökologisch in der Region anlegen und sich dabei obendrein mit einem heimischen Lebensmittelbetrieb solidarisch zeigen kann, wurde vor kurzem von der Ökomodellregion (ÖMR)Waginger See–Rupertiwinkel und dem Amt für Ländliche Entwicklung in Oberbayern initiierte Veranstaltung informierte am Beispiel der Biobäckerei Wahlich aus Surheim, was es mit Genussrechten auf sich hat.

Marlene Berger-Stöckl, Projektmanagerin ÖMR betonte, dass es das Bestreben der Ökomodellregionen sei, die regionalen Kreisläufe zu fördern, Direktvermarkter zu stärken und die Zahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe zu erhöhen. Ein Beispiel ist die Bäckerei Wahlich in Surheim, die seit sechs Jahren Biogetreide von Landwirten aus der Region verwendet und daneben einen Bioladen und ein kleines Cafe betreibt sowie Gastronomie und Hotellerie beliefert.

Die Familie Wahlich sei auf die Ökomodellregion zugekommen, weil sie die Backstube erneuern wolle, die dafür nötigen Investitionen jedoch nicht alleine stemmen könne. Also habe sie beim Amt für Ländliche Entwicklung angefragt, so Berger-Stöckl, welche Möglichkeiten es gebe. 

Das war quasi die Überleitung zur Vorstellung der Referentin, Petra Wähning, eine auf „Genussrechte“ spezialisierte freie Projektentwicklerin, die unter anderem für das Amt für Ländliche Entwicklung arbeitet.

Wähning sprach über die Herausforderungen unserer Zeit, die Globalisierung und Internethandel mit sich brächten. Es wären zwar alle irgendwie miteinander vernetzt, aber die persönliche Beziehung zu den Produzenten sei weitestgehend verloren gegangen. Außerdem sei eine enorme Schieflage zwischen großen Unternehmen und kleinen, regionalen Betrieben entstanden, die man nur mit gemeinschaftlichem Engagement und Solidarität auffangen könne.

Finanzierung über Genussrechte

Bäckerei

Petra Wähning berichtete, wie sie vor zehn Jahren zur Idee „Genussrechte“ kam: Bürger aus der Region können damit in einen heimischen Betrieb investieren, sie werden quasi zur Bank. Die Verzinsung erfolgt in der Regel über den Warenwert, Wähning nennt das „Geld gegen Gaumenfreuden“, es gibt aber auch den Zins in Geld.

Bei ihrem Pilotprojekt, einer Käserei in Fischbachau, funktionierte das gut, seitdem habe sie verschiedene Betriebe betreut, unter anderem eine Metzgerei, einen Winzer, einen Landwirt. Weiter erklärte sie die Rahmenbedingungen, etwa dass die Gesamthöhe an Genussrechten, die ein Betrieb innerhalb eines Jahres ausgibt, unter 100.000 € liegen müsse. Denn dann entfalle die sogenannte Prospektpflicht, also die Pflicht, umfangreiche Informationen über die auszugebenden Papiere zu veröffentlichen. 

Außerdem wies Wähning ausdrücklich darauf hin, dass ein Totalverlust in Höhe der Einlage möglich sei. Dieser „Ernstfall“ sei in den von ihr betreuten Projekten allerdings noch nie passiert.

Werbung, Werbung, Werbung . . .

Neben den Chancen, die eine solche solidarische Beteiligungsform biete, stelle sie den Handwerksbetrieb aber auch vor Herausforderungen, wie Petra Wähning ausführte. Es müsste ausreichend Werbung gemacht werden, um genügend Unterstützer zu finden, den Willen, die eigene Wirtschaftlichkeit transparent darzulegen und überhaupt eine große Offenheit gegenüber den Menschen. 

Dass sie sich diesen Herausforderungen stellen wollen, zeigten Barbara und Michael Wahlich ganz deutlich: Nachdem sie im vergangenen Jahr den Laden kundenfreundlich umgestaltet haben, ist jetzt die Sanierung der Backstube an der Reihe, berichtet Michael Wahlich, der mit alten Getreidesorten bäckt – darunter mit dem Laufener Landweizen. 

Er brauche einen größeren Ofen mit mehr Backfläche, eine größere Knetmaschine und eine ebenfalls erweiterte Kühlfläche für  die Teige, damit sie länger reifen können, um noch bekömmlicher zu werden. 

Er und seine Frau, ebenfalls gelernte Bäckerin, wollen die Betriebsabläufe optimieren, die Qualität der Biobackwaren weiter steigern, dabei aber klein und überschaubar bleiben. Neben den „Chefleuten“ arbeiten noch drei Teilzeitkräfte, darunter eine Konditorin, in der Bäckerei.

Das Investitionsvolumen betrage rund 90.000 €, Bürger können sich ab einem Genussrecht im Wert von 500 € beteiligen, informierte der 48-Jährige. Jeder Anleger darf maximal fünf Genussrechte erwerben. Als Zinssatz gibt es 1 % als Geldzins oder 3 % als Warengutschein. Die Laufzeit des Genussrechtes beträgt mindestens fünf Jahre, danach hat man die Möglichkeit, sie zu kündigen.

Als Sicherheit verwies Barbara Wahlich auf die eigene Immobilie:  die Biobäckerei befindet sich nämlich in einem historischen, idyllisch an der Sur gelegenen Gebäude aus den 1860er Jahren, das einst ihrem Onkel, Josef Loidl, und davor seinem Vater, der ebenfalls Bäcker war, gehörte und der 45-Jährigen einst das Bäckerhandwerk lernte.