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Waldbau

„Gehts in den Wald, machts Holz!“

WBV-Spitze an einem Tisch: (v. l.) Elisabeth Maier, Vorsitzende Regina Schuster, 1. Vorsitzender Felix Wörmann, Beisitzer Georg Zach, 2. Vorsitzender Clemens Schwaller, Geschäftsführer Thomas Grebenstein, Beisitzer Anton Jais.
Antonia Reindl
am Freitag, 11.11.2022 - 09:17

Der WBV Ammer-Loisach weist darauf hin, dass leistungsfähige Wälder erwünscht und gebraucht werden.

Seehausen/Lks. Garmisch-Partenkirchen Rund die Hälfe des Landkreises Garmisch-Partenkirchen ist mit Wald bedeckt. Das wurde bei der Jahreshauptversammlung der Waldbesitzervereinigung Ammer-Loisach in Seehausen mehrmals erwähnt. Umso wichtiger scheint es, den Wald auf die Zukunft vorzubereiten. Doch auch gegenwärtig gibt es so einige Herausforderungen, vom Borkenkäfer über den Biber bis hin zum Klimawandel.

„Fachliche Unlogik“ in der Holzpolitik

Die Bedeutung von Wald und Holz hob gleich zu Beginn der Versammlung eine politische Riege hervor, darunter Hans Urban. „Es hat uns alle beschäftigt, dass Holz kein erneuerbarer Rohstoff sein soll“, sagte der Grünen-Landtagsabgeordnete und sprach von einer „fachlichen Unlogik“. Landrat Anton Speer (Freie Wähler) betonte, dass „wir leistungsfähige Wälder brauchen“. Nicht umhin kam er, die Biber-Problematik anzusprechen. Man habe hier die meisten Entnahmen in ganz Bayern, allein im Staffelsee-Gebiet seien rund 4000 Bäume beschädigt worden.

Im Anschluss wagte der Vorsitzende der WBV Ammer-Loisach, Felix Wörmann, einen Rückblick auf die Jahre 2019 bis 2021. Jahre, die von ausgefallenen Sitzungen und Veranstaltungen unter Hygienemaßnahmen geprägt waren. Auch Brandaktuelles führte der Vorsitzende an. „Wir müssen unbedingt den Wildbestand anpassen“, sagte er.

In der Hinsicht beschäftigt nicht nur das Wild die Waldbesitzer. Da wäre auch noch der Borkenkäfer. „Wir müssen alles dransetzen, den Bergwald zu erhalten“, appellierte der Vorsitzende Felix Wörmann an die Mitglieder, sich weiter dafür einzusetzen.

Geschäftsführer Thomas Grebenstein widmete sich anschließend den Zahlen. Von 2019 auf 2021 stieg die Mitgliederzahl an und auch die Mitgliedsflächen wuchsen, ebenso gab es ein Plus bei der Holzvermarktung. Holzmengenmäßig sei das vergangene Jahr 2021 „relativ stark“ gewesen, so Grebenstein. 2020 sah das noch anders aus. Der Holzpreis sei damals richtig schlecht gewesen, sagte Grebenstein, „vom Holzpreis her das schlechteste“. 2020 sei im Hektarbereich ein Rückgang zu verzeichnen gewesen. Man habe Korrekturen bei den Mitgliedsflächen vorgenommen, erklärte der Geschäftsführer.

Die Zahlen im Detail: Im 2021 umfasste die Mitgliedsfläche 11 037 ha bei 885 Mitgliedern (2020: 10 633 ha bei 892 Mitgliedern). Vergangenes Jahr wurden insgesamt 22 142 fm von 245 Mitgliedern vermarktet, darunter 16 356 fm Stammholz, 1262 rm Papier- und Brennholz sowie 12.257 m³ Hackschnitzel (2020: 15 508 fm von 238 Mitgliedern). Die Zahl der Waldpflegeverträge blieb in den drei Jahren annähernd konstant. 2021 waren es 15 Verträge mit insgesamt 117,58 ha, fünf für Kirchenwald, zehn für Privatwald (2020: 16 Verträge, 117,67 ha).

Tote Hose beim Borkenkäfer

Mit Blick auf den Holzmarkt meinte Grebenstein, im Sommer 2022 habe „leider und Gott sei Dank wenig Aktivität“ geherrscht. Das „Gott sei Dank“ bezog sich dabei auf den Käfer – die gefundenen Käfernester seien „relativ klein und überschaubar“ gewesen. Das „leider“ bezog sich auf die Holzvermarktung – hier herrsche seit Sommer „ziemlich tote Hose“, berichtete der Geschäftsführer. Im Sommer habe es „praktisch überhaupt gar keinen Frischholzeinschlag“ gegeben. Momentan aber sei der Holzpreis „nicht ganz schlecht“, sodass der Geschäftsführer anregte: „Zu einem nicht ganz schlechten Holzpreis sollte man vielleicht nicht ganz schlecht Holz machen.“

Holzmarkt zeigt sich unterschiedlich

Bei den Pellets habe man in den letzten Monaten einen „brutalen Anstieg“ verzeichnet, Hackschnitzel gingen „nur ein kleines Bissl rauf“. Während der Laubholzmarkt „ordentlich angezogen“ habe, würden die Preise beim Nadelholz bis Ende November auf dem Niveau bleiben. Die Brennholzpreise „explodieren“ derweil, für einen Ster könne man durchaus 150 € verlangen, berichtet Grebenstein.

Aber der Geschäftsführer warnte auch gleich davor, jetzt extra viel Brennholz zu schlagen: „Wenn wir jetzt ein Überangebot schaffen, wird das auf den Preis zurückfallen.“ Zum Abschluss riet er, den Wald für die Zukunft herzurichten und auf extreme Wetterbedingungen vorzubereiten. Es gelte „Verjüngung am Boden“ zu schaffen, um Kahlflächen zu vermeiden. „Da macht es wenig Sinn, auf den besten Holzpreis zu warten“, so Grebenstein. Kurzum: „Gehts in den Wald, machts Holz!“ Antonia Reindl