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Konserven

Es geht ans Eingemachte!

Ein Einmach-Imperium: Hauswirtschafterin Simone Bartl inmitten der von ihr geleisteten Arbeit.
Martina Fischer
am Montag, 31.10.2022 - 07:59

Simone Bartl aus Halfing im Landkreis Rosenheim nutzte die Möglichkeiten des eigenen Bauerngartens für ihr Meisterprojekt: Sie macht ein, in rauen Mengen.

Simone Bartl Gläser Detail

Der Dangl Hof in Halfing hat einen ausgezeichneten Garten. Das bestätigte das Landratsamt Rosenheim bereits 1982 mit einer Ehrenurkunde. Die erhielt damals Maria Bartl beim Kreiswettbewerb „Der ländliche Hausgarten“. Seit vier Jahren bepflanzt nun ihre Enkelin Simone liebevoll die 60 m² vor dem Haus. Und der Garten kommt erneut zu besonderen Ehren. Denn er ist die Basis von Simones Hauswirtschaftsmeister-Projekt: dem Versuch, durch Einmachen von Obst und Gemüse aus eigenen Anbau ein betriebliches Standbein zu entwickeln.

Klein, aber äußerst effizient: Aus dem 60 m² großen Bauerngarten des Dangl Hofes in Halfing kam der Großteil der Ernte für das Einmach-Projekt.

„I werd jetzt dann an Garten obramma, dann war’s es für des Jahr“, sagt die 22-Jährige beim Besuch des Wochenblattes Ende Oktober erleichtert. Denn dieses Jahr hatte es besonders in sich, was die Gartenarbeit betrifft. „Selbstgemachtes vom Dangl Hof – Herstellung und Vermarktung von verschiedenen Produkten aus dem Bauerngarten“ lautet das Thema des Projektes, mit dem sie an der Meisterschule in Rosenheim Beachtliches geleistet hat. „Ich finde es schön, wenn man etwas anbauen kann und ich koche gern“, erklärt sie den Initialgedanken. Beim Haltbarmachen werde außerdem alles genutzt, nichts verderbe, man habe Vorräte und leiste auch noch etwas im Sinne der Nachhaltigkeit und zur Versorgungssicherheit. Beides ist heute schließlich auch wieder aktuell.

Einkochen im Akkord: Simone Bartl stand über 50 Stunden in der Küche für 400 Gläser.

Also bestellte Simone Bartl den Hausgarten, erhielt auch Obst von Bäumen der Verwandten und kaufte, wo nötig, ein bisschen zu. Kulinarische Schmankerl mussten ersonnen und ausprobiert werden, etwa die Kartoffelkohlrabi-Suppe, die eingelegten Auberginen und das Zucchini-Paprika-Gemüse oder Beeren-, Pfirsich- und Zwetschgenfruchtaufstrich. „Ich hab schon immer ohne Rezept gekocht, nach Gefühl“, erklärt die angehende Meisterin. Das hat ihr natürlich beim Kreieren ihrer Produkte geholfen.

400 Gläser Marmelade und eingelegtes Gemüse

400 Gläser Marmelade und eingelegtes Gemüse stellte sie für ihr Projekt her. Viel Arbeit, bei der sie aber auch Unterstützung erhielt. „Auf meinen Freund Lukas bin ich schon stolz. Der hat mir viel geholfen“, sagt die 22-Jährige. Der ausgebildete Landwirt packte sowohl im Garten wie auch beim Einkochen mit an.

Bei der Meisterinnenarbeit geht es, wie erwähnt, auch um ein potenzielles Zukunftsprojekt. Bartl hat vor, den elterlichen Hof zu übernehmen. Dort gibt es bisher nur Milchviehhaltung, „a paar Henna“ – und den Bauerngarten. Würde sich die Direktvermarktung von Eingemachtem tragen?

Die Hauswirtschafterin, die auch schon einen vierjährigen Sohn hat, probierte es aus. Dafür kalkulierte sie Kosten und Aufwand ihrer Produkte und verkaufte sie zum Test auf dem Herbstmarkt in Rott und dem Kirchweihmarkt in Halfing. Die Kunden waren recht angetan. Und die Verkaufsergebnisse konnten sich mit einem Absatz von 200 Gläsern ebenfalls sehen lassen.

Zeitaufwand ist hoch

Aber einiges andere muss ebenso in Betracht gezogen werden, wenn sich aus der Idee wirklich ein tragfähiger Betriebszweig entwickeln soll. Der Zeitaufwand für die Herstellung des Eingemachten und auch für das Bestellen des Gartens ist hoch. Simone allein stand 50 Stunden in der Küche, Helfer nicht mitgerechnet und auch nicht die Zeit im Garten. Dort war sie mit Schädlingen und Pflanzenkrankheiten konfrontiert.

Eine weitere Unwägbarkeit stellt das Wetter dar. Und die Erntemenge schwankt auch manchmal ohne offensichtlichen Grund. So war es heuer nichts mit den Zucchini. Dafür sind die Auberginen „g’wachsn wie da Deife“, so Bartl. Berechenbarkeit gebe es nicht so richtig. Eine abschließende Kalkulation erstellt sie gerade noch für die Meisterarbeit. Als erste Einschätzung findet Bartl aber, dass die bisher von ihr gewählte Herangehensweise zu aufwendig ist. Zum Erreichen einer guten Rentabilität müsste man in erheblich größerem Rahmen einsteigen.

Einmachgläser sind nicht billig

Vor allem die Kosten für die Einmachgläser sind hoch. Für einen professionellen Einstieg müssten die Gläser wiederverwendbar sein. Dafür aber müsste Simone Bartl – auch gesetzlich vorgeschrieben – eine Spezialspülmaschine zur Gläserreinigung anschaffen. Die kostet ordentlich Geld. Aus Rentabilitätsgründen wäre daher die Produktionsmenge zu steigern. Alles nicht ganz einfach.

Durchaus vorstellbar fürs erste ist für die junge Hauswirtschafterin aber die Vermarktung im bisherigen Stil als zusätzliches Angebot im Direktverkauf. So gingen bisher über 100 Gläser auch schon übers „Eierkammerl“ ihrer Schwester weg, das sie damit bestückte. Von den ursprünglich 400 Gläsern waren Ende Oktober nur noch 80 übrig – eine Bilanz, die sich sehen lassen kann und deutlich sagt: Das Produkt vom Dangl Hof stimmt. Mal schauen, was Simone Bartl sich betriebswirtschaftlich noch traut.