Versammlung

Dem Gegenwind stellen

Katharina Heinz
am Freitag, 14.02.2020 - 07:27

Kreisbauerntag in Rosenheim: Protest und Dialog in schwierigen Zeiten.

Rosenheim

Bei den Bauern im Landkreis Rosenheim stehen die Zeichen einerseits auf Protest, andererseits wird der Dialog mit der Bevölkerung gesucht. Kritische Themen wie die „Bauernmilliarde“ oder die aktuelle Preisentwicklung will man einfach nicht mehr auf sich sitzen lassen. Mit welchen Schwierigkeiten die Landwirtschaft zu kämpfen hat und wie Antworten darauf aussehen können, das war Thema beim Kreisbauerntag in Rosenheim.

„Die Zeiten sind bewegt, es wird nicht einfacher für die Bauern“, beurteilte Kreisobmann Josef Bodmaier vom Rosenheimer Bauernverband die aktuelle Lage. Mit der Preis- und Einkommenssituation könne man nicht zufrieden sein. Die Milch- und Schlachtpreise „dümpelten“ vor sich hin, man befinde sich in einer wahren Durststrecke. Da könne auch die von der Politik versprochene „Bauernmilliarde“ nicht helfen. „Faire Preise wären uns lieber.“

Qualität besser vermitteln

Die regionale Landwirtschaft stehe laut Bodmaier für Qualität, Tradition und Nachhaltigkeit – nur müsse man das besser vermitteln. Wie das funktionieren kann, zeigten Vertreter einiger Gruppen aus dem Landkreis, die aktiv über die Landwirtschaft aufklären wollen. Hans Mayerhofer aus Vogtareuth und Landwirtschaftsamtsleiter Wolfgang Hampel präsentierten die Initiative „Landwirtschaft im Dialog“, die unter anderem durch Podiumsdiskussionen informieren wollen. Josef Linner vom Pelhamer See stellte ein Projekt vor, bei dem sich Landwirte für den Erhalt der Wasserqualität einsetzen.

Die Vertreter der Initiative „Land schafft Verbindung“ (LsV) machten mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen auf die Belange der Landwirtschaft aufmerksam. Sie waren mit Plakaten und zahlreichen Schleppern zum Kreisbauerntag gekommen. Ihr Sprecher, Josef Hofmeyer, kündigte an, dass demnächst wieder eine Aktion geplant sei. „Tankts eure Bulldogs und lasst die Handys in nächster Zeit auch nachts an“, rief er seine Mitstreiter auf.

"Werden Rennun um billigste Nahrungsmitel nicht gewinnen"

Nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern das Beste aus der Situation machen – diese Devise verfolgte der Hauptredner des Tages, Konrad Schmid, Ministerialdirigent des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. In Sachen Auflagen durch das „Rettet die Bienen“-Begehren beruhigte er. Den Walz-Termin wolle man mit einer Allgemeinverfügung regional flexibel gestalten. Der Maht-Termin würde nicht einzelbetrieblich umgesetzt, sondern sei eine landesweite Zielvorgabe. Klare Forderungen hatte Schmid in Richtung EU-Agrarpolitik, wo die GAP aktuell neu verhandelt wird. „Mehr Auflagen für weniger Geld, das kann nicht gehen!“ Er betonte auch, dass ein Teil der Direktzahlungen einkommenswirksam bleiben müssten.

Für die Zukunft der bayerischen Landwirtschaft sieht der Ministerial­dirigent nur einen Weg. Man müsse weg vom maximalen Ertrag hin zu höchster Qualität und geringstem Einsatz von Produktionsmitteln. „Denn das Rennen um das billigste Nahrungsmittel werden wir nicht gewinnen“, so Schmid. Diesen Qualitätsgedanken müsse man der Gesellschaft dann auch vermitteln.

Eine wichtige Aufgabe auch für die Nachwuchslandwirte. Doch hier ist der Landkreis gut aufgestellt, wie sich bei Ehrung zeigte: 26 neue Landwirtschaftsmeister und fünf frischgebackene Agrarbetriebswirte wurden für ihren Weiterbildungserfolg ausgezeichnet. In der anschließenden Diskussion thematisierten die Landwirte die Düngeverordnung und kritisierten die „Bauernmilliarde“.